Eine böse Überraschung erlebten Mitglieder des Angelsportvereins (ASV) Friedrichshafen, als sie sich auf ihrem Gelände an der Brunnisach zwischen Kluftern und Fischbach zur anberaumten Frühjahrs-Putzete trafen. „Jedes Jahr sammeln wir Flaschen, Dosen, Plastiktüten und irgendwelche Restmüllteile ein, das sind wir schon gewohnt“, sagt der Fischbacher Peter Leubecher. Mit mehreren Clubmitgliedern und drei Jugendlichen arbeitete er während einer fünfstündigen Putzete daran, den Angelabschnitt am Fischbacher Standort vom Unrat des winterlichen Schwemmwassers zu befreien.

Peter Leubecher
Peter Leubecher | Bild: Kerstin Hahn

Bei der diesjährigen Aktion entdeckten sie allerdings auch runde, schwarze Stücke im Bach, die zunächst entfernt an Welse erinnerten. Armstarke Welse in der Brunnisach, die auch beim Näherkommen mit Gummistiefeln nicht flüchten? Eher unwahrscheinlich! Es folgte ein beherzter Griff – und schon hatte Peter Leubecher ein meterlanges Isolierkabel „gefangen“.

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Unter den Grasrändern und aus dem Schwemmbereich tauchten immer längere Stücke auf. Alle geborgen, am Ufer ausgebreitet und grob vermessen, lagen da rund 300 Meter Kabel. Jedoch nur die Isoliermantel-Hüllen: Das wertvolle „Innenleben“ aus Kupfer fehlte.

Den Fund musste der Angelsportler im Bachbett der Brunnisach musste sich die Polizei anschauen.
Den Fund musste der Angelsportler im Bachbett der Brunnisach musste sich die Polizei anschauen. | Bild: Kerstin Hahn

Schnell kam der Verdacht eines größeren Diebstahls auf. Deshalb folgte eine Anzeige bei der Polizei. Ersten Mutmaßungen zufolge stammen die dicken Erdkabel von der Baustelle der B 31-neu, die direkt neben dem Fundort liegt. Beweise gibt es natürlich keine. Bei derartigen Meterstücken einen ehemaligen Besitzer auszumachen, ist schlichtweg unmöglich, wenn man die Diebe nicht schon beim Stehlen vor Ort erwischt.

Kupfer im Wert von rund 5000 Euro aus den Kabeln geschnitten

Dass sich Kupferdiebstähle egal welcher Art häufen, ist allgemein bekannt. Nach Recherchen des Angelsportvereins beim Kundenservice der Netz-BW enthält nur ein Meter Freileitungsisolation etwa drei bis vier Kilo Kupferkabel. Bei der momentanen Kupfernotierung für Kabelschrott ergibt sich, grob überschlagen, eine Diebessumme von rund 5000 Euro.

Keine Welse, sondern teils armdicke Kabelhüllen – allerdings nur noch ohne das wertvolle „Innenleben“. Die Kupferleitungen wurden herausgeschnitten.
Keine Welse, sondern teils armdicke Kabelhüllen – allerdings nur noch ohne das wertvolle „Innenleben“. Die Kupferleitungen wurden herausgeschnitten. | Bild: Kerstin Hahn

Übrig bleiben 250 Kilo Plastikschrott

Die aus dem Bachbett aufwendig entfernten Kabelhüllen gelten hingegen als Plastikschrott und müssen wie Restmüll für 25,30 Euro pro 100 Kilogramm entsorgt werden. Wenn man anhaftende Schlammreste großzügig abrechnet, kommt man auf etwa 250 Kilo, die die ASV-Mitglieder da aus der Brunnisach geborgen haben. „Man darf gar nicht über das Verhältnis nachdenken, wenn man den Wert des Diebesgutes in Relation zu dem Arbeitsaufwand von rund 40 Stunden setzt, die unsere Mitglieder brauchten, um das Bachbett vom Unrat zu befreien. Ganz zu schweigen von dem wirtschaftlichen Schaden des ursprünglichen Besitzers“, stellte Tobias Weiss, Vorsitzender des ASV, ein paar pragmatische Überlegungen in den Raum, als er in einer Vereinsversammlung von der Aktion berichtete.

Stadt wird den Müll wohl entsorgen müssen

Wie das Umweltschutzamt den ASV informierte, gibt es zu diesem Thema eine klare gesetzliche Regelung: Wenn trotz polizeilicher Anzeige kein Verursacher gefunden und haftbar gemacht werden kann, ist der Besitzer des Grundstücks, auf dem der Müll gefunden wurde, für die Entsorgung verantwortlich. Da der Besitzer des Areals die Stadt Friedrichshafen ist, werden sich im Nachgang der polizeilichen Anzeige wohl die zuständigen Mitarbeiter um den Fall und die weitere ordnungsgemäße Entsorgung kümmern müssen.

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