Eine Viertelstunde Bodensee: In der Videoinstallation der finnischen Künstlerin Riikka Tauriainen sind das vor allem Begegnungen. Wasser trifft auf Ufer, Seeboden, Luft und Licht. Es rinnt durch die Kehlen von Menschen und umgibt Fische, Muscheln, Seepflanzen und Plankton. Beziehungen entstehen, Veränderungen geschehen und Grenzen verschwimmen. „Mit jedem Schluck, den wir trinken, werden wir Teil des globalen Wasserzyklus, der durch uns und alle Spezies hindurchfließt. Nicht nur chemische Prozesse ereignen sich im Wasser, sondern auch evolutionäre und kulturelle“, sagt Riikka Tauriainen. Sie ist die 41. Stipendiatin der ZF-Kunststiftung. Ihre Ausstellung „Ecotone Encounters“ zeigt bis 4. Dezember im ZeppLab des Zeppelin Museums das Ergebnis ihres Aufenthalts am Bodensee.

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Riikka Tauriainen ist in Finnland aufgewachsen und lebt in der Schweiz. In Installationen, Videos und Performances beschäftigt sich die Künstlerin mit Ökologie, postkolonialen Theorien und Genderfragen, bewegt sich dabei stets an der Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft.

In einem Loop zeigt die Videoinstallation Spannungen und Lebensräume am un dim Bodensee.
In einem Loop zeigt die Videoinstallation Spannungen und Lebensräume am un dim Bodensee. | Bild: Corinna Raupach

Als Ökoton bezeichnet die Biologie den Übergangsbereich zweier Lebensräume. Diese Übergangssituationen faszinieren Tauriainen. Sie stehen nicht nur für Bewegung und einen Reichtum an Lebensformen, sondern im übertragenen Sinn auch für die Verbindung von Elementen und Organismen. „In dem Namen der Ausstellung schwingen auch die Ökologie und der Ton – also das Geräusch – mit“, erklärt sie. Seit Januar hat die Künstlerin beobachtet, gefilmt, getaucht und ihr Mikrofon ins Wasser gehalten. Sie hat mit dem Seenforschungsinstitut Langenargen zusammengearbeitet, war auf dem Forschungsschiff Kormoran unterwegs und hat Mikroskope nutzen gelernt. Bei Spaziergängen, einem Segeltörn und dem Blick aus ihrem Atelier ließ sie den See auf sich wirken.

Besonders fasziniert hat die Künstlerin die Begegnung mit dem Plankton unter dem Mikroskop.
Besonders fasziniert hat die Künstlerin die Begegnung mit dem Plankton unter dem Mikroskop. | Bild: Corinna Raupach

Nachdenklich und poetisch erzählt Tauriainens Installation vom Staunen über ihre Erlebnisse und Erkenntnisse. Sie teilt zum Beispiel die Begeisterung über das Rendezvous mit Kleinstlebewesen im Bodensee: In einem Tropfen Wasser tummeln sich einzellige Algen, Rädertierchen und Glaskrebse, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Ihr Video ist auch ein Plädoyer für Respekt gegenüber allen Lebewesen: Vor über drei Milliarden Jahren entstand mit Plankton das erste Leben, Phytoplankton generiert lebenswichtigen Sauerstoff – „eine Dienstleistung, für die wir dankbar sein sollten“, heißt es im Video.