Normalerweise finden ein bis zwei Mal im Jahr Elternabende in den Kindergärten in Friedrichshafen statt. Momentan fallen die Veranstaltungen in den meisten Kitas aus. Wegen coronabedingten Einschränkungen seien Elternabende nicht realisierbar, heißt es von der Stadt Friedrichshafen und der katholischen Kirche.

Evangelische Kitas ermöglichen Elternabende trotz Corona

Nur die evangelische Kirche besteht weiterhin auf den Austausch zwischen Eltern und Erziehern. „Wir ermöglichen Elternabende, so gut es geht und greifen auch auf Alternativen zurück“, sagt Kirchenpfleger Robert Algner. Dort, wo es keine Räumlichkeiten gibt, in denen der Mindestabstand eingehalten werden kann, setzt die Kirche auf digitale Lösungen.

„Wir organisieren Videogespräche oder wir teilen die Gruppen auf und veranstalten für eine Gruppe vier Elternabende.“ Algner betont, dass der Austausch zwischen Eltern und Erziehern gerade in der Corona-Krise wichtig sei, da es rund um die Pandemie zahlreiche Fragen gebe.

Austausch zwischen Eltern und Erziehern in Corona-Zeiten wichtig

Diesen Eindruck bestätigt Nicole Dathe. Sie hat selbst ein Kindergartenkind und ist Gesamtelternbeirätin der Häfler Kitas. „Um einen Austausch zwischen Erziehern und Eltern zu schaffen, ist gerade der Kontakt in Form von Elternabenden wichtig. Er bietet gerade in Corona-Zeiten vielen einen Mehrwert“, sagt Dathe.

Nicole Dathe, Gesamtelternbeirätin der Häfler Kitas: „Möglichkeiten gibt es genug, man muss sie nur suchen.“
Nicole Dathe, Gesamtelternbeirätin der Häfler Kitas: „Möglichkeiten gibt es genug, man muss sie nur suchen.“ | Bild: Katy Cuko

Nach Auskunft der Mutter werden die Eltern in vielen Kitas in Friedrichshafen vor vollendete Tatsachen gestellt. „Es heißt, der Elternabend fällt aus. Ohne Begründung“, sagt Dathe. Eine einfache Argumentation würde vielen Mamas und Papas bereits weiterhelfen, vermutet sie.

Nicole Dathe weist auch auf die Alternativen hin, die in den evangelischen Kindergärten bereits auf der Tagesordnung stehen – beispielsweise eine Aufteilung der Gruppen, digitale Veranstaltungen oder einer Mischform. „Möglichkeiten gibt es genug, man muss sie nur suchen. Zur Not könnte man sich auch in den Garten der Einrichtung stellen.“

Städtische Kitas informieren die Eltern hauptsächlich schriftlich

Doch etwa in den städtischen Kindergärten gibt es momentan hauptsächlich einen schriftlichen Informationsaustausch. Die Kita-Leitungen informieren die Eltern regelmäßig mithilfe von Infoblättern. „Unabhängig davon ist es möglich, dass sich die Eltern direkt telefonisch an die Leiterinnen wenden“, sagt Andrea Kreuzer, Pressesprecherin der Stadt Friedrichshafen.

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Elternabende – egal in welcher Form – finden derzeit nicht statt. Zu Beginn des Jahres sah das noch anders aus: Wie Kreuzer erzählt, fanden die Veranstaltungen „je nach Bedarf und unter geeigneten Hygienekonzepten“ statt. So seien beispielsweise Gruppen getrennt und die Teilnahme auf nur ein Elternteil beschränkt worden. Auch sei auf große Räumlichkeiten und die Einhaltung der AHA-Regeln geachtet worden.

Andrea Gärtner, Pressesprecherin der Stadt Friedrichshafen, betont, dass einzelne Elterngespräche in den Kindergärten weiterhin stattfinden.
Andrea Gärtner, Pressesprecherin der Stadt Friedrichshafen, betont, dass einzelne Elterngespräche in den Kindergärten weiterhin stattfinden. | Bild: Stadt Friedrichshafen

Einzelne Elterngespräche in den städtischen Kindergärten gibt es weiterhin. Sie müssen mindestens einmal im Jahr stattfinden. „Dieser Austausch ist sowohl für die Eltern als auch für die pädagogischen Fachkräfte wichtig. Thematisiert werden unter anderem der Entwicklungsstand des Kindes, besondere Auffälligkeiten und gegebenenfalls die Schulfähigkeit bei Vorschulkindern“, erklärt Kreuzer.

Bemühungen um Elternabende in den katholischen Kitas scheitern

Auch in den Kindergärten der katholischen Kirche finden derzeit keine Elternabende statt. Der Träger habe noch keine Form gefunden, die Elternabende unter Berücksichtigung der Corona-Regeln zu organisieren. Ulrike Weiß, Leiterin des katholischen Verwaltungszentrums Friedrichshafen, erklärt: „In einem Kindergarten mit drei Gruppen werden bis zu 75 Kinder betreut. Auch, wenn nur ein Elternteil kommt, ist mit mehr als 50 Menschen zu rechnen.“

Die Kinder im Häfler Kindergarten St. Columban freuen sich auf die Adventszeit.
Die Kinder im Häfler Kindergarten St. Columban freuen sich auf die Adventszeit. | Bild: Kindergarten St. Columban

Die Räume in den Kitas seien nicht groß genug, um einen Mindestabstand für so viele Menschen zu garantieren. Und auch die Kapazität der Gemeindesäle sei nicht ausreichend, ebenso wenig wie die der Kirchen. Letztere sind aus Sicht von Weiß vom Ambiente her ohnehin nicht passend für einen Elternabend.

„Die Abstände sind zu groß. Man kann keine Präsentation auf Leinwand zeigen, weil man diese ab der vierten Reihe nicht mehr lesen kann und und und“, sagt sie. Weiß habe auch geprüft, ob es möglich ist, die Kita-Gruppen zu teilen und vier einzelne Termine anzubieten. „Das ist an den Personalressourcen gescheitert.“

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Dass Elternabende gerade in turbulenten Zeiten wie diesen ausfallen müssen, hält Weiß für „suboptimal“. Denn der Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen werfe bei Mamas und Papas viele Fragen auf, die eine solche Veranstaltung in der Regel klären könnte.

Für Ulrike Weiß, Leiterin des katholischen Verwaltungszentrums Friedrichshafen, ist es „suboptimal“, dass Elternabende gerade in Zeiten von Corona nicht stattfinden können. Denn bei den Veranstaltungen könnten Fragen rund um die Pandemie und den Regelbetrieb in den Kitas geklärt werden.
Für Ulrike Weiß, Leiterin des katholischen Verwaltungszentrums Friedrichshafen, ist es „suboptimal“, dass Elternabende gerade in Zeiten von Corona nicht stattfinden können. Denn bei den Veranstaltungen könnten Fragen rund um die Pandemie und den Regelbetrieb in den Kitas geklärt werden. | Bild: Corinna Raupach

Coronabedingt kann der Informationsaustausch auch nicht mithilfe von Tür- und Angelgesprächen kompensiert werden. „Auch diese leiden momentan – je nach Situation – unter den Kontaktbeschränkungen“, sagt Ulrike Weiß.

Kita-Leiterinnen stellen Nachrichten in einer App bereit

Um den Eltern dennoch alle wichtigen Informationen gesammelt zur Verfügung zu stellen, gibt es eine spezielle Kita-Info-App. „Dort bereiten wir die Informationen ersatzweise auf“, sagt Weiß. Die jährlichen Elterngespräche finden in den katholischen Kindergärten weiterhin statt. „Es ist ein wichtiger Baustein in der Erziehungspartnerschaft. In der Regel ist mindestens ein Elternteil und die Bezugserzieherin beteiligt.“ Momentan finden die Gespräche unter Einhaltung der Abstandsregel und mit Mundschutz statt.

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