Das Telefon klingelt, die Polizei will einen Fundhund abgeben, in der anderen Leitung sucht jemand nach einer passenden Katze als Gesellen für den alleinlebenden Vater und die Gassigänger rufen Gisela Heim im Vorübergehen kurze Informationen zu: Die Leiterin des Tierheims Friedrichshafen hat alle Hände voll zu tun, aber ihre größte Sorge gilt den außergewöhnlich vielen Katzen, die sie zur Zeit nicht alle optimal ernähren kann. Zwar muss keine der annähernd 100 Katzen hungern, aber es fehlt an Spezialfutter für die kranken Tiere und die Katzenbabys, die aufgepäppelt werden müssen.

Drei volle Katzenzimmer

„Wir haben drei volle Katzenzimmer, für die Katzen, die in der Vermittlung sind, dann haben wir die Katzen, die in der Quarantäne sind und wir haben die Freigänger“, sagt Anne Juhre, die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Friedrichshafen. Freigänger, die im Tierheim auch Streunerkatzen genannt werden, stammen meist aus Kastrationsaktionen.

„Wenn sie wollen, können sie gehen. Sie werden gepflegt, sie werden gefüttert und hinten haben wir einen großen Pferdestall mit Heu und Stroh, wo sie immer einen Schlafplatz finden“, sagt Gisela Heim, die im Tierheim auch die Verantwortung für die Katzen trägt.

Spezialfutter wird knapp

Und dann gibt es noch ein extra Zimmer für Katzen, die aus der Quarantäne kommen, aber auch noch nicht vermittelt werden, weil sie noch zu jung sind. Das Tierheim braucht immer Futterspenden, denn von denen leben die Streunerkatzen, die nicht vermittelt werden können. Aber jetzt ist auch das Spezialfutter für die Katzen, die aufgepäppelt werden müssen, allmählich so knapp, dass der Tierschutzverein bereits über Facebook um Spenden gebeten hat.

Nicht nur die ganz kleinen, sondern auch kranke Katzen müssen mit dem hochwertigen Futter aufgepäppelt werden, erklärt Anne Juhre. „Ich will nicht falsch verstanden werden, wir freuen uns über jede Futterspende. Aber momentan ist uns eine Dose von dem hochwertigen Futter tatsächlich lieber als drei Dosen weniger hochwertiges Futter, einfach weil wir dieses Futter brauchen, um die Tiere hochzupäppeln“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Friedrichshafen.

Das sind Reste des speziellen Futters, wie es das Tierheim derzeit zum Aufpäppeln junger und kranker Tiere benötigt. Wer lieber Trockenfutter spenden möchte, sollte darauf achten, dass es für „Kitten“ geeignet ist.
Das sind Reste des speziellen Futters, wie es das Tierheim derzeit zum Aufpäppeln junger und kranker Tiere benötigt. Wer lieber Trockenfutter spenden möchte, sollte darauf achten, dass es für „Kitten“ geeignet ist. | Bild: Andrea Fritz

Dass diese Vorräte knapp werden, hat laut Anne Juhre mehrere Gründe: Im Mai und Juni seien besonders viele kleine Katzen abgegeben worden, die oft in keiner guten Verfassung gewesen seien. „Mit dem richtigen Futter gedeihen solche Katzen einfach besser“, sagt Gisela Heim, die mehr als 20 Jahre Erfahrung mit Tierheim-Katzen hat. Diese Katzen sind jetzt, nach vier bis fünf Monaten, über den Berg und warten in der Vermittlung auf ein neues Zuhause.

Woher die Katzen kommen

Und schon ist wieder ein neuer Wurf aufzupäppeln, der jetzt sieben Wochen alt ist. Die Katzenmutter wurde abgegeben und konnte, nachdem sie kastriert worden ist, an den Besitzer zurückvermittelt werden. Einige Bewohner der Katzenzimmer sind Tiere, die abgegeben wurden, weil sich herausgestellt hat, dass ihre Besitzer in ihrer Wohnung gar keine Katzen halten dürfen. Andere Tiere stammen aus der Fundbox, dazu kommen noch viele Tiere von befreundeten Tierschutzvereinen, die nur mit Pflegestellen arbeiten, die ebenfalls hoffnungslos überfüllt sind.

Quarantäne für Neuankömmlinge

Nicht zu vergessen die vielen trächtigen Katzen, die im Tierheim landen und da im Schnitt vier bis fünf Junge werfen. „In ländlichen Gegenden passiert leider mit Kastration nicht viel“, sagt Gisela Heim. Jede Katze, die ins Tierheim kommt, muss in der Regel erst einmal in Quarantäne. Sie bleibt ein paar Tage isoliert, bis feststeht ob sie fit und gesund ist.

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In der Regel sind diese Katzen laut Gisela Heim weder geimpft noch entwurmt oder entfloht. Bei der Vermittlung gilt, besonders für Jungtiere: Sie gibt es nur im Doppelpack. So will die Leiterin des Tierheims sicherstellen, dass ihre Schützlinge nicht den größten Teil des Tages alleine in einer Wohnung sitzen und vereinsamen.

Sind Frühlingskatzen robuster?

Dass Frühlingskatzen größer und robuster sind als Herbstkatzen, ist übrigens eine haltlose Behauptung, stellt Anne Juhre klar: „Wenn die Katzen beispielsweise von einem Bauernhof kommen, wo man sich nicht um sie gekümmert hat, ist es egal, ob sie im Frühjahr oder im Herbst geboren sind.“

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