Kaum durften die Kinder wieder in die Kitas, saßen die ersten auch schon wieder zuhause. Denn: viele Einrichtungen Einrichtungen sahen sich aufgrund der Hygienevorgaben gezwungen, die Kleinsten schon bei milden Erkältungssymptomen wie Schnupfen oder Husten nicht mehr zu den anderen zu lassen: „Es gibt Einrichtungen da waren 50 Prozent der Kinder wegen Schnupfen zuhause“, sagt Nicole Dathe vom Gesamtelternbeirat der Kindertagesstätten in Friedrichshafen.

Gesunde Geschwisterkinder können in die Kita

Das Sozialministerium und das Landesgesundheitsamt haben das Problem erkannt und Handlungsempfehlungen für Ärzte, Eltern und vor allem für die Einrichtungen selbst erarbeitet. Denn fest steht: Ein Schnupfen ist kein Ausschlussgrund. Konkret heißt es in den Handlungsempfehlungen: „Ein Besuchsverbot in der in der Kindertageseinrichtung gilt erst, wenn mindestens eins der relevanten, für Covid-19 typischen Symptome auftritt.“ Also: Fieber ab 38 Grad trockener Husten, ohne Auswurf, der nicht durch eine chronische Erkrankung wie Asthma verursacht wird, sowie die Störung des Geruchs- und Geschmacksinns, der keine Begleiterscheinung eines Schnupfens ist. Gesunde Geschwisterkinder, die keinen Quarantäneauflagen durch das Gesundheitsamt unterliegen, dürfen die Kita ebenfalls weiter besuchen.

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Bisher nur neun Kita-Kinder im Land an Corona erkrankt

Für Dathe ist das eine große Erleichterung. Auch sie bekam bei der Arbeit erst kürzlich einen Anruf und musste ihren Sohn geschwind von der Kita abholen, weil die Nase blutete und er leicht hustete. Der Coronatest war negativ, ihr Sohn musste trotzdem zuhause bleiben. „Für viele Eltern ist das ein Kraftakt“, sagt sie. „Nicht jeder Arbeitgeber hat Verständnis, wenn die Eltern ständig ausfallen.“ Manche Eltern seien alleinerziehend oder selbstständig, „und dann noch mehr von Existenzängsten geplagt.“

Und wer mehrere Kinder habe, der wisse: eins ist immer krank. „Vier bis acht Atemwegsinfekte pro Jahr sind normal bei über zweijährigen Kita-Kindern“, weiß Kinderärztin Carmen Heide-Zinn. Schließlich müsse das Immunsystem trainiert werden.

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Für Entscheidungen der Kitas hatte Dathe dennoch Verständnis. „Auch die hatten ihre Vorschriften“, sagt sie. Und hofft, dass die neuen Handlungsempfehlungen zumindest eines bewirken: „Dass sie Ängste abbauen und den Druck von den Einrichtungen nehmen.“ Denn: „Die Kita ist ein wirklich sicherer Ort.“ Tatsächlich sind bisher nur neun Kita-Kinder seit Beginn der Pandemie in Baden-Württemberg an Corona erkrankt, in Friedrichshafen noch kein Kita-Kind, so melden es das Landesgesundheits- und das Landratsamt.

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