Seit dem Impfstart Ende Dezember sind im Bodenseekreis 288 Menschen (Stand: 20. Januar) gegen das Coronavirus geimpft worden. Bei rund 220 000 Einwohnern sind das gerade einmal 0,13 Prozent. Geimpft wurden bislang Bewohner – und teilweise auch Mitarbeiter – in vier Pflege- und Altenheimen im Landkreis. Dafür waren mobile Impfteams aus Tübingen im Einsatz.

Weitere Impftermine in Pflegeheimen werden am Freitag und Samstag folgen. Mit dem Start des Kreisimpfzentrums sind dann erstmals mobile Impfteams aus der Region im Einsatz.

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Auch am Pflegeheim Königin Paulinenstift in Friedrichshafen sind die Impfungen Anfang Januar angelaufen. Rund 100 Bewohner ließen sich bei einem Impftermin im Altenheim gegen das Coronavirus impfen. Anders als in anderen Pflegeheimen – etwa in Uhldingen-Mühlhofen oder Meckenbeuren – wurden die Mitarbeiter des Pflegeheims hier allerdings nicht geimpft. Dabei gehören sie laut Impfverordnung ebenfalls zur Gruppe mit der höchsten Priorität.

Impfbereitschaft der Mitarbeiter abgefragt

„Wäre es nach uns gegangen, hätten sich neben den Bewohnern auch die Mitarbeiter direkt impfen lassen können“, hatte Christian Muth, Hausdirektor des Pflegeheims, kurz nach dem Impftermin erklärt. Denn neben den Bewohnern sei auch mit den Mitarbeitern im Vorfeld geklärt worden, wer sich impfen lassen würde.

160 Pflegeheim-Mitarbeiter wollen sich impfen lassen

Das Ergebnis: Insgesamt 160 Mitarbeiter – vom Pflegeheim und dem mobilen Dienst – wollen sich impfen lassen. „Als uns der Impftermin mitgeteilt wurde, haben wir allerdings erfahren, dass die Mitarbeiter nicht geimpft werden können“, sagt Christian Muth. Zur Begründung hieß es, dass der Impfstoff nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehe. Zunächst seien daher die Bewohner an der Reihe.

„Das ist schade, weil die Impfbereitschaft bei uns sehr hoch ist.“
Christian Muth, Hausdirektor des Pflegeheims

Während der Leiter des Pflegeheims erleichtert ist, dass die Bewohner die erste Impfung erhalten haben und auch der Termin für die zweite Impfdosis in Kürze ansteht, findet er es „nicht optimal“, dass sich die Mitarbeiter vor Ort nicht impfen lassen konnten. Stattdessen müssten sie sich nun im Impfzentrum Termin geben lassen. „Das ist schade, weil die Impfbereitschaft bei uns sehr hoch ist. Da fände ich es bedauerlich, wenn Mitarbeiter – die sich vor Ort hätten impfen lassen – dann möglicherweise rausfallen“, sagt der Pflegeheimleiter.

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Das baden-württembergische Sozialministerium teilte auf wiederholte Anfrage zunächst mit: „Die mobilen Impfteams sind an die Zentralen Impfzentren angedockt. Die Impfzentren gehen auf die Einrichtungen zu. Sie erstellen in Abhängigkeit der von den Einrichtungen gemeldeten Anzahl impfwilliger Personen konkrete Einsatzpläne und teilen diese den Einrichtungen und den Ansprechpersonen in den Kreisen mit.“

„Beschäftigte haben die gleiche Priorität“

Hierbei hätten die Beschäftigten die gleiche Priorität wie die Bewohner und würden daher durch die mobilen Teams in den Pflegeheimen mitgeimpft. Sollte dies in einem Pflegeheim – aus welchen Gründen auch immer – anders gelaufen sein, sei dort anders als vom Sozialministerium empfohlen gehandelt worden.

Sozialministerium: „Priorisierung ist nachvollziehbar“

Nach einer weiteren Anfrage wenige Tage später klingt das aus dem Sozialministerium etwas anders: „Die im vorliegenden Fall vorgenommene Priorisierung zugunsten der Bewohner ist angesichts des weiterhin knappen Impfstoffs aus Ministeriumssicht nachvollziehbar.“ Denn vor allem durch die Impfung der Pflegeheimbewohner könnten schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle verhindert werden, so ein Ministeriumssprecher.

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Durschnittlich nur Impfstoff für 100 Personen

Der Landkreis Tübingen, der das Zentrale Impfzentrum im Auftrag des Landes betreibt, betont: „Die mobilen Teams fahren die Pflegeeinrichtungen an, täglich steht aktuell durchschnittlich Impfstoff für 100 Personen zur Verfügung.“ Priorität hätten die Bewohner der Einrichtung. „Wenn nun in einer Einrichtung 100 Bewohner leben, bleibt kein Impfstoff mehr übrig, um Mitarbeiter zu impfen.“ Anders sehe es etwa in einer Einrichtung mit 60 Bewohnern aus. „Dann können noch etwa 40 Mitarbeiter geimpft werden“, so die Pressestelle des Landratsamts Tübingen.