Nun also doch. Anders als ursprünglich von den Mitgliedern des Bauausschusses beschlossen, soll im Graf-Zeppelin-Haus ein Energiekonzept umgesetzt werden, das ohne Blockheizkraftwerke (BHKW) auskommen soll – und damit irgendwann ohne fossile Energieträger. Verantwortlich für den Schwenk waren die Mitglieder der SPD-Fraktion. Was war da los?

Vor zwei Wochen präsentierten Vertreter der Stadtverwaltung gemeinsam mit Holger Greiner, Ingenieur aus Immenstaad, Pläne für die energetische Sanierung des Veranstaltungshauses. Eine moderne Anlage soll Strom und Wärme CO2-sparend liefern. Zudem ist geplant, das teils undichte Dach zu renovieren. Gut 23 Millionen Euro sollen in die Maßnahmen fließen.

Vom ursprünglichen Plan abgewichen

Ein ursprünglicher Plan (Variante A) sah vor, dass eine Photovoltaikanlage sowie zwei BHKW Strom erzeugen. Zwei Wärmepumpen und die Abwärme aus der Stromerzeugung würden zudem den Wärmebedarf decken. Allerdings, so räumte Wolfgang Kübler, Leiter des Stadtbauamtes, bereits bei dieser Sitzung ein: „Diese Variante funktioniert mit Gas.“ Seit der russischen Invasion in der Ukraine sind die Preise in die Höhe geschossen. Daher haben sich die Verantwortlichen in der Verwaltung noch eine Variante B angesehen: Eine, die ohne fossile Energieträger auskommt.

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Konkret ist bei der zweiten Variante vorgesehen, ebenfalls Strom durch Sonnenenergie zu erzeugen. Allerdings entfallen die BHKW, mit der Folge, dass im Winter die Energie für die Wärmepumpen komplett aus dem Stromnetz besorgt werden muss. Unter dem Strich wären das 34 Prozent Mehrbedarf aus dem öffentlichen Netz. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit wäre das kein Problem – würde reiner Ökostrom eingekauft.

Wirtschaftsministerium wirbt für Lösungen mit Gas

Dennoch votierte die Mehrheit im Bauausschuss für die Variante mit Gas – für die sich auch Ingenieur Holger Greiner ausspricht. Er argumentiert: „Wir haben im Winter das Problem, dass wir zu wenig regenerative Stromquellen zur Verfügung haben.“ Tatsächlich deckt sich Greiners Position mit der des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Dieses wirbt auf seiner Internetseite für ein Koppeln von BHKW und Wärmeerzeugung: Solche Anlage seien „im Vergleich zu Anlagen der ungekoppelten Erzeugung effizienter, weil sie neben Strom auch Wärme produzieren.“

Heinz Tautkus sitzt für die SPD im Gemeinderat Friedrichshafen.
Heinz Tautkus sitzt für die SPD im Gemeinderat Friedrichshafen. | Bild: Claudia Wörner (Archiv)

Trotzdem nun also die Kehrtwende im Rat, möglich durch eine Neubewertung der SPD. Ratsmitglied Heinz Tautkus formulierte es so: „Die Mehrheit für die Variante A ist geschwunden, nachdem wir uns in der Fraktion von Fachleuten beraten ließen.“ Mit der aufgezeigten Variante B sei es durchaus möglich, auch ohne eine gasbetriebene Anlage den Wärmebedarf des Hauses decken zu können. „Wir sind über unseren Schatten gesprungen und haben unsere Meinung geändert.“

Vorbild für Bevölkerung

Besonders Vertreter von Grünen und des Netzwerks für Friedrichshafen hatten sich bereits im Bauausschuss für die gasfreie Variante ausgesprochen. Felix Bohnacker (Grüne) betonte bei der Ratssitzung, die CO2-Emissionen seien bei der Lösung deutlich geringer – bei vergleichbaren Investitions- und Betriebskosten. Simon Wolpold (Netzwerk) argumentierte: „Wir wollen für die Bevölkerung ein gutes Vorbild sein.“

Läuft alles nach Plan, könnten die Umbauten bis Ende Oktober 2025 abgeschlossen sein. Teilweise kann es bis dahin zu Schließungen des Hauses kommen.