12 500 Besucher zählte die Corona-Edition der Interboot am ersten Wochenende. Mit weniger als der Hälfte an Ausstellern sind das auch etwas weniger als die Hälfte an Besuchern gegenüber dem vergangenen Jahr. Mit einem strengen Hygienekonzept, begrenzten Besucherzahlen und breiten Gängen versucht die Messeleitung, Ausstellern und Besuchern eine Plattform mit möglichst viel Sicherheit zu bieten.

Nicht alle Stammaussteller bei der Interboot dabei

Trotzdem haben sich Stammaussteller, auch aus der Region, dafür entschieden nicht an der Messe teilzunehmen. „Wenn wir davon ausgehen, dass nur die Hälfte der Besucher des vergangenen Jahres zur Messe kommt, lohnt es sich für uns bei gleichen Fixkosten und gleichem Arbeitsaufwand nicht“, sagt Matthias Kösling.

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Sein Messeumsatz sei gegenüber den Hoch-Zeiten vor etwa zehn Jahren bereits um 40 Prozent eingebrochen. Wenn von den verbliebenen 60 Prozent nochmal die Hälfte fehlt, sei das nicht mehr rentabel. Anders als Boote ließen sich Ausrüstungsgegenstände heutzutage weniger auf der Messe als über seinen Onlineshop verkaufen. Deshalb konzentriere er sich mit seiner kleinen Besatzung lieber auf seinen Laden.

Aufwand und Kosten zu hoch

Ähnlich sieht das auch der Verband der Bodenseewerften. Mit Holzbootsbau zum Zuschauen und edlen Yachten waren sie ein Magnet für Segler und Liebhaber von lackiertem Mahagoni. Doch ihr ehrenamtlicher Geschäftsführer Clemens Meichle sagt: Für die Hälfte der Besucher wären der Aufwand und die Kosten für die Werften zu hoch gewesen. Dazu komme, dass viele der Handwerker bereits älter seien und sich zur Risikogruppe zählten.

Nur sechs Hallen, breite Gänge und und ein geringeres Angebot: Trotzdem sind Besucher und Aussteller zufrieden.
Nur sechs Hallen, breite Gänge und und ein geringeres Angebot: Trotzdem sind Besucher und Aussteller zufrieden. | Bild: Anette Bengelsdorf

Doch nach dem ersten Wochenende beurteilen die Aussteller, die gekommen sind, quer durch die verschiedenen Branchen, das Konzept positiv.

Karl-Heinz Leifeld von KH+P Yachtcharter aus Stuttgart
Karl-Heinz Leifeld von KH+P Yachtcharter aus Stuttgart | Bild: Anette Bengelsdorf

Karl-Heinz Leifeld von KH+P Yachtcharter aus Stuttgart sagt: „Wir haben uns für die Teilnahme an der Messe entschieden, weil wir der Meinung sind, dass wir hier Flagge zeigen müssen.“ Dabei freue es ihn, dass die Messeleitung der Firma entgegengekommen sei und sogar Personal zum Aufbauen des Standes zur Verfügung gestellt habe. Zwar kamen am Wochenende weniger Besucher als die Jahre zuvor, doch stelle er fest: „Wir konnten viele Angebote machen bis hin zum Vertrag.“

Als lokaler Händler Präsenz zeigen

Auch für Felix Ertel, Inhaber der Segelmanufactur in Tettnang-Bürgermoos, stand die Teilnahme an der Messe nie zur Diskussion. „Wenn eine lokale Messe stattfindet, muss man als lokaler Händler kommen“, sagt der Segelmachermeister. Die Standmiete sei zwar genauso hoch wie immer, aber wichtiger als ein Geschäft zu machen sei es ihm dieses Jahr, präsent zu sein. „Mit der Erwartung, dass es so wird wie in den letzten Jahren bin ich nicht gekommen. So gesehen bin ich vom Wochenende positiv überrascht“, sagt er. Zwar habe er weniger Angebote gemacht, habe aber das Gefühl, dass die Qualität der Anfragen höher sei als sonst.

Felix Ertel, Inhaber der Segelmanufactur in Tettnang Bürgermoos
Felix Ertel, Inhaber der Segelmanufactur in Tettnang Bürgermoos | Bild: Anette Bengelsdorf

Ultramarin-Geschäftsführer Clemens Meichle findet: „Wir brauchen die Interboot für die Branche und müssen deshalb die Messe auch in schlechten Zeiten unterstützen.“ Bei gleicher Standmiete hat die Messeleitung auch ihm die Möglichkeit eingeräumt, ohne weitere Kosten die genutzte Fläche zu vergrößern. Mit vergleichbaren Umsätzen wie in den vergangenen Jahren rechnet Meichle deshalb nicht, trotzdem ist er mit dem ersten Wochenende zufrieden. „Es kamen nur Kunden, die eine gute Beratung wollten“, sagt er. Zudem seien sich die Besucher des Risikos bewusst und verhielten sich deshalb sehr verantwortungsvoll.

Corona-Richtlinien für Besucher

Roman Sacher vertritt mit der Pro-Intex aus Österreich eine kleine Firma, wie er sagt, und verkauft ein besonderes Tauwerk zum Befestigen einer Yacht. Er schätzt die Bemühung der Messeleitung, das Leben wieder ein Stück weit zu normalisieren und den Menschen diese Plattform zu bieten. „Klar“, sagt er, „es ist anders als sonst, aber wir müssen die nächste Zeit eben mit anderen Bedingungen leben“.

Roman Sacher von Pro-Intex aus Österreich im Gespräch mit Kunden.
Roman Sacher von Pro-Intex aus Österreich im Gespräch mit Kunden. | Bild: Anette Bengelsdorf

Seit mehr als 20 Jahren stellt Muskelkater Sport auf der Interboot aus. Daniel Kiskalt sagt, das bedeute jedes Ma,l mit einem 40-Tonner voller Ware aus Köln anzureisen und von Montag bis Freitag die umfangreiche Warenpalette vom Snowboard bis zum Paddelboard mit dem gesamten Zubehör aufzubauen. Trotzdem war es keine Option für seine Firma, in diesem Jahr nicht zu kommen: „Wir haben sehr viele Stammkunden und hätten Angst, diese zu verlieren“, sagt er. Anders als sonst hätten sie statt zwei nur einen großen Stand und weniger Personal als üblich. Sein Fazit: „Die Geschäfte gingen besser als gedacht.“

Daniel Kiskalt von der Firma Muskelkater Sport
Daniel Kiskalt von der Firma Muskelkater Sport | Bild: Anette Bengelsdorf

Seit es die Messe gibt, stellt Europe Marine seine Motorboote aus. Auch dieses Jahr war es der Firma aus Budenheim wichtig zu kommen, da die Interboot eine gute Verkaufsmesse sei. Schon am ersten Wochenende gingen die Geschäfte gut und man könne sich über die Besucherzahlen nicht beklagen, sagt Juniorchef Yanick Nürnberger. „Die Interboot ist dieses Jahr keine Schaulustigenmesse. Der Kunde, der kommt, wägt ab, ob er das Risiko eingehen möchte. Wer dann kommt, hat ein ernsthaftes Kaufinteresse.“

Yanick Nürnberger ist Juniorchef von Europe Marine und stellt auf der Messe Motorboote aus.
Yanick Nürnberger ist Juniorchef von Europe Marine und stellt auf der Messe Motorboote aus. | Bild: Anette Bengelsdorf

Er lobt das Konzept der Messeleitung. Die Besucher verhielten sich alle sehr diszipliniert und die Beschränkung der Besucherzahlen werde seiner Einschätzung nach dazu führen, dass sich das Aufkommen besser über die Woche verteile. „Wir hatten am Montag auf jeden Fall mehr Kunden als in den Jahren zuvor“, sagt er.

Auch bei den Besuchern kommt die Sonderausgabe der Interboot gut an.

Martina und Alfred Lindner aus Ichenhausen.
Martina und Alfred Lindner aus Ichenhausen. | Bild: Anette Bengelsdorf

Martina und Alfred Lindner aus Ichenhausen empfinden die Messe dieses Jahr als sehr angenehm. Es gebe kein Gedränge, keine Menschenmengen und man könne alles in Ruhe anschauen. „Wir haben unsere Motoryacht verkauft und sind jetzt auf der Suche nach etwas Kleinerem“, erzählt das Ehepaar. Deshalb genießen sie es, sich in Ruhe informieren zu können.

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„Es ist sehr gut, dass es überhaupt etwas gibt“

Thomas Schreier aus der Schweiz macht jedes Jahr einen Ausflug über den See auf die Interboot und ist diesmal mit keinen großen Erwartungen angereist. Es sei auf jeden Fall zu würdigen, dass unter den gegebenen Bedingungen etwas auf die Beine gestellt wurde, findet er und sagt: „Sicher, die Hallen wirken leer, die Vielfalt der Angebote im Bereich Surfbretter, Ski und Snowboard ist enttäuschend und die wenigen Besucher machen ein komisches Gefühl. Aber es ist sehr gut, dass es überhaupt etwas gibt.“

Thomas Schreier aus der Schweiz
Thomas Schreier aus der Schweiz | Bild: Anette Bengelsdorf

Auch Karl Sturm aus Rottweil beklagt den Mangel an Vielfalt, vor allem das Angebot an Segelbooten sei sehr gering. „Trotzdem finde ich es gut, dass ein Zeichen gesetzt wird und das Leben weitergeht. Sowohl die Messe als auch die Aussteller haben sich etwas überlegt und das sollte unbedingt honoriert werden“, sagt der Segler mit Yacht am Bodensee.

Karl Sturm aus Rottweil
Karl Sturm aus Rottweil | Bild: Anette Bengelsdorf

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