Insgesamt 30 Menschen – im Schnitt 15 Mitarbeiter der Stadtverwaltung und 15 ehrenamtliche Helfer – sind im Einsatz, wenn die beiden städtischen Testzentren geöffnet sind. „An Samstagen ist der Anteil der Ehrenamtlichen sogar noch höher, da dann viele eher Zeit haben und ihre Unterstützung anbieten“, hatte Bürgermeister Dieter Stauber jüngst erklärt.

So auch am vergangenen Samstag: 13 von 15 Mitarbeitern im Testzentrum in der alten Festhalle sind dem verantwortlichen Ansprechpartner vor Ort, Eitel Mikschat, zufolge ehrenamtliche Helfer. Und das, obwohl es für den Einsatz weder eine finanzielle Entschädigung, noch eine Priorisierung bei der Corona-Schutzimpfung gibt. Was motiviert sie, einen frühlingshaften Samstagmorgen in Schutzkleidung in der alten Festhalle zu verbringen?

Das könnte Sie auch interessieren

„Das ist in den Vereinen so üblich: Wenn man uns ruft, dann kommen wir“

„Man hat uns gefragt, da habe ich mich eben gemeldet“, antwortet der 20-jährige Janus Christ fast lapidar. Er ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird, ist für ihn ganz selbstverständlich und Ehrensache. Zusammen mit Felix Fischerkeller registrierte er an diesem Tag die Testwilligen in der alten Festhalle.

„Das ist in den Vereinen so üblich. Wenn man uns ruft, dann kommen wir. Wir wären auch gekommen, wenn man uns zur Seeputzete gerufen hätte“, erklärt Gerd Buchinger von der DLRG. Er betont, dass ja auch seitens der Stadt das ganze Jahr über viel Entgegenkommen da sei. Also sei man natürlich gern bereit zu helfen, wenn mal von da eine Anfrage kommt.

Das könnte Sie auch interessieren

In der Tat sind fast alle Helfer, die am Samstag im Festhallen-Testzentrum mit anpacken, Mitglied in einem der Häfler Vereine. „Ich habe von der TSG Ailingen eine Rundmail erhalten. Und wenn ich so dazu beitragen kann, dass die Pandemie auch nur fünf Minuten früher endet, dann war es das schon wert“, sagt Ulrike Köb. Die 62-Jährige begrüßte die Besucher und lenkte sie zusammen mit Manfred Gress durch das Prozedere. Der Vorsitzende der Funkenfreunde fragt: „Wie soll man die Pandemie in den Griff bekommen, wenn man nicht Personen herausfiltert, die positiv sind?“

Manfred Gress und Ulrike Köb stehen auch auf dem Einsatzplan. Sie sorgen ehrenamtlich dafür, dass sich in der alten Festhalle jeder willkommen fühlt und gut zurecht findet.
Manfred Gress und Ulrike Köb stehen auch auf dem Einsatzplan. Sie sorgen ehrenamtlich dafür, dass sich in der alten Festhalle jeder willkommen fühlt und gut zurecht findet. | Bild: Andrea Fritz

„Diese smarten Lösungen, die muss man als Arzt unterstützen“

Um die eigentlichen Abstriche kümmern sich eine ganze Gruppe Freiwilliger von den Johannitern sowie Dr. Claus Hammerle. Der Orthopäde ist im Ruhestand und hat über den Württembergischen Yacht-Club vom Aufruf des Oberbürgermeisters erfahren. Das war vor vier Wochen, seither testet er. „Die Stadt hilft den Vereinen, jetzt hilft der Verein der Stadt“, sagt Hammerle. „Ich persönlich unterstütze keinen Lockdown, aber diese smarten Lösungen, die muss man als Arzt unterstützen.“ Vereinskamerad Wilfried Wesener pflichtet ihm bei: „Man muss ja ein bisschen was tun für die Allgemeinheit.“

Wilfried Wesener (links) und Claus Hammerle wollen der Stadt etwas zurückgeben, sie sind über den Württembergischen Yacht-Club auf die Freiwilligenaktion aufmerksam geworden und jetzt auch in der Teststraße ein Team.
Wilfried Wesener (links) und Claus Hammerle wollen der Stadt etwas zurückgeben, sie sind über den Württembergischen Yacht-Club auf die Freiwilligenaktion aufmerksam geworden und jetzt auch in der Teststraße ein Team. | Bild: Andrea Fritz

Und dann finden wir noch eine Frau, die sich ganz ohne Vereinsmitgliedschaft für das Auswerten der Tests gemeldet hat. Traudi Kriegler-Lipp ist Lehrerin aus Meckenbeuren. „Ich möchte einfach so schnell wie möglich den Alltag mit meinen Kindern wieder haben“, sagt sie. „Bis dahin werde ich regelmäßig hierher kommen, es ist ja auch für uns alle.“

Traudi Kriegler-Lipp wartet die Testergebnisse ab und dokumentiert sie. Die Lehrerin will so lange regelmäßig wiederkommen, bis wieder ein normaler Schulalltag möglich ist.
Traudi Kriegler-Lipp wartet die Testergebnisse ab und dokumentiert sie. Die Lehrerin will so lange regelmäßig wiederkommen, bis wieder ein normaler Schulalltag möglich ist. | Bild: Andrea Fritz