Es herrscht reges Treiben auf dem Wochenmarkt am Freitag. Mittendrin: Ein Kundenstopper, der nicht für Produkte wirbt, sondern für eine ärztliche Beratung; dahinter ein kleiner Tisch und ein Sonnenschirm. Arzt Reinhardt Weinmann steht hier und wartet auf Passanten, die Fragen rund ums Thema Impfen loswerden möchten. „Das Interesse ist eher verhalten“, schildert er.

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Einige stellten allgemeine Fragen rund ums Impfen, andere Fragen rund um die Bandbreite der Corona-Impfungen. Explizit an dem Impfstoff von Johnson & Johnson interessiert, der wenige Gehminuten entfernt für Spontane auch direkt bereitgestellt wird, seien nur sehr wenige Menschen. „Ich hätte es gut gefunden, wenn man diese Aktion auch mit Biontech anbietet“, kommentiert er. Generell sei es wichtig, die Impfquote noch deutlich zu erhöhen: „Das ist eine Frage der Solidarität.“

Auf dem Markt steht der Infostand wenig beachtet.
Auf dem Markt steht der Infostand wenig beachtet. | Bild: Lena Reiner

In der Eugen-Bolz-Straße 10, die bereits als Briefwahlbüro gedient hat und zwischenzeitlich als städtisches Schnelltestzentrum genutzt wurde, finden am Freitag und Samstag parallel zum Markt und dem dortigen Infostand Impfungen ohne Termin für Spontane statt. Der Vorteil an dem gewählten Impfstoff? „Für den vollen Impfschutz reicht eine Dosis“, erklärt Weinmann.

Andere Impfstoffe gibt es im Kreisimpfzentrum

Somit sei das Vakzin die ideale Lösung für all jene, die noch gar nicht geimpft seien, aber vollen Impfschutz für ihre Urlaubsreise während der Sommerferien haben wollen: „Mit allen anderen Impfstoffen wäre das zeitlich gar nicht mehr umsetzbar.“ Wer etwas mehr Zeit hat und lieber einen anderen Impfstoff möchte, kann am selben Wochenende ebenfalls ohne Termin ins Kreisimpfzentrum an der Messe fahren.

Reinhardt Weinmann, Jutta Dittmann und Jürgen Acker hoffen auf mehr Impfwillige in Friedrichshafen.
Reinhardt Weinmann, Jutta Dittmann und Jürgen Acker hoffen auf mehr Impfwillige in Friedrichshafen. | Bild: Lena Reiner

Während draußen am Stand das Interesse eher gering ist, erfreut sich das kleine Impfzentrum zumindest etwas mehr Beliebtheit. Direkt zu seiner Öffnung morgens um 8 Uhr hätten schon drei Impfwillige draußen vor der Tür gewartet, schildert Jutta Dittmann, die hier gerade für die Impfungen zuständig ist. „Inzwischen haben wir eine zweistellige Anzahl an Dosen verimpft“, schildert sie.

In der Eugen-Bolz-Straße 10, im ehemaligen städtischen Testzentrum, wurden am Freitag und Samstag Spontane geimpft.
In der Eugen-Bolz-Straße 10, im ehemaligen städtischen Testzentrum, wurden am Freitag und Samstag Spontane geimpft. | Bild: Lena Reiner

Als es dann an eine weitere Impfung geht, will sie zeigen: „Auf manchen Fotos sieht man extrem lange Nadeln, die gar nie zum Einsatz kommen.“ Die 0,5 Milliliter Impfstoff, die die Spritze für den Vektorimpfstoff fassen muss, sind schnell verimpft. Beim mRNA-Impfstoff von Biontech ist sogar noch weniger Flüssigkeit in der Spritze. Der Piks ist schnell vorbei.

Wichtig sei natürlich immer eine gründliche Beratung über die Risiken und Nebenwirkungen des jeweiligen Impfstoffes, sind sich die anwesenden Fachleute einig. „Natürlich gibt es auch Impfschäden und natürlich muss man darüber reden und diese auch melden“, erklärt Weinmann. Erst an diesem Tag habe er sich am Infostand mit einer Mutter unterhalten, deren Kind einen solchen davongetragen habe.

Er habe ihr erklärt, wie und wo sie diesen melden könne. Damit es gar nicht so weit komme, sei es wichtig, nach der Impfung eventuelle Nebenwirkungen schnell festzustellen. „Ich sage den Leuten generell ganz klar: Wenn sie irgendwelche Reaktionen spüren, die fünf Tage nach der Impfung nicht bereits deutlich am Abklingen sind, sollten sie unbedingt einen Arzt aufsuchen“, betont er.

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Zusätzlich gebe es impfstoffspezifische Hinweise, worauf die Geimpften in den Tagen nach der Impfung achten sollten. Allerdings müsse man grundsätzlich harmlose Impfreaktionen wie Müdigkeit oder leichtes Fieber, tatsächliche Nebenwirkungen und bleibende Impfschäden – die sehr selten aufträten – und den Nutzen einer Impfung immer ins Verhältnis zu den Risiken setzen, die die eigentliche Infektionskrankheit berge.

Ebendieses Verhältnis spreche bei allen aktuell in Deutschland gegen das Coronavirus zugelassenen Impfstoffen ganz klar für eine Impfung, nicht zuletzt in Anbetracht der aktuell grassierenden Deltavariante.