Ulrike Kohl aus Oberteuringen steht an der Eingangstür der Buchhandlung Ravensbuch. Sie möchte ihr bestelltes Buch „Schattenkinder“ für ihren 14-jährigen Enkel abholen. Es ist kalt und der Wind pfeift um die Nase. Das war für die 68-Jährige aber keinen Grund, sich nicht auf den Weg in die Häfler Innenstadt zu machen und sich ihr gewünschtes Buch persönlich abzuholen. Den lokalen Handel unterstütze sie gerne. „Ich finde ‚Call and Collect‘ toll, vor allem in dieser schweren Zeit. Ich komme sehr gerne hier her. Ich liebe den engen Kontakt. Sonst ist alles so anonym“, sagt Kohl.

Kundin Ulrike Kohl steht im Eingangsbereich der Buchhandlung Ravensbuch. Das Geschäft betreten darf sie zwar nicht, aber an der Abholstation mit Klingel und Plexiglasscheibe können Kunden ihre bestellte Ware abholen.
Kundin Ulrike Kohl steht im Eingangsbereich der Buchhandlung Ravensbuch. Das Geschäft betreten darf sie zwar nicht, aber an der Abholstation mit Klingel und Plexiglasscheibe können Kunden ihre bestellte Ware abholen. | Bild: Julia Leiber

Die Buchhandlung hat einen Onlineshop. Montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr können zudem vorab bestellte Bücher vor Ort abgeholt werden. Doch nicht alle Kunden nehmen diesen in Anspruch. „Es ist nicht so viel los, eher verhalten“, sagt Filialleiterin Martina Kraus. „In unseren Geschäften in Tettnang und Markdorf nutzen den Service mehr Menschen als in Friedrichshafen. Aber wir sind froh, dass wir ‚Click and Collect‘ anbieten dürfen.“ Die Kundenbindung stehe derzeit ohnehin an oberster Stelle. „Jeder Kunde, der vorbei kommt, hilft uns“, sagt Kraus.

Sind die Wege in Friedrichshafen zu weit?

Ein Grund, weshalb weniger Menschen die Filiale in der Häfler Innenstadt aufsuchen, als jene in Tettnang und Markdorf, könnte nach Einschätzung von Kraus sein, dass der Kunde in Friedrichshafen weitere Wege auf sich nehmen müsse. Sie vermutet: „Erst mal einen Parkplatz zu suchen, um nur eine Sache abzuholen, ist für viele vielleicht zu viel Aufwand.“ Auch wäre es ihrer Meinung nach besser, wenn alle Geschäfte gleiche Abholzeiten hätten, damit Kunden gleich mehrere bestellte Sachen abholen können.

Für die Buchhändlerin ist der größte Nachteil an „Click and Collect“ das fehlende Einkaufserlebnis. Neue Bücher seien nicht sichtbar und können nicht entdeckt werden. Insgesamt sei der Abholservice nur eine Überbrückung, rentabel sei diese Möglichkeit für die Buchhandlung nicht.

Martina Kraus hat diesen Lesetipp für die nächsten Wochen: Der Roman „Windsor Komplott“ von S. J. Bennett. „Ein perfekter Roman zum Abschalten, witzig und humorvoll.“
Martina Kraus hat diesen Lesetipp für die nächsten Wochen: Der Roman „Windsor Komplott“ von S. J. Bennett. „Ein perfekter Roman zum Abschalten, witzig und humorvoll.“ | Bild: Julia Leiber
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Compumac profitiert vom großen Bedarf an technischen Geräten für das Homeoffice

Das Einkaufserlebnis für die Kunden fehlt nicht nur bei Büchern, sondern auch beim Kauf von technischen Geräten wie im Fachgeschäft Compumac für Smartphones und Computer der Marke Apple. Doch die telefonische Beratung funktioniere sehr gut, sagt Ekkehard Frick, Mitarbeiter im Vertrieb. „Unsere Erfahrung und unser Wissen sind ein großes Plus, dass die Leute nicht direkt im Shop bei Apple bestellen. Die kompetente Beratung wissen viele zu schätzen.“

Ekkehard Frick, Mitarbeiter bei Compumac, ist zufrieden, wie gut das Angebot „Call and Collect“ angenommen wird.
Ekkehard Frick, Mitarbeiter bei Compumac, ist zufrieden, wie gut das Angebot „Call and Collect“ angenommen wird. | Bild: Julia Leiber

Die Mitarbeiter sind werktags von 10 bis 17 Uhr im Laden. Bestellungen werden in dieser Zeit angenommen, Kunden holen ihre Geräte ab und Reparaturen werden in der Serviceabteilung nebenan erledigt. Einen Lieferservice bieten sie ebenfalls an. Frick freut sich: „Laptops werden aufgrund des Homeoffice zurzeit extrem nachgefragt.“ Er und seine Kollegen seien gut beschäftigt.

Kundenpflege ist für Händler zeitintensiver geworden

Onlineshop pflegen, Kunden beraten, Bestellungen zusammenstellen, Schaufenster dekorieren, Abholtermine koordinieren: Alle Hände voll zu tun hat auch Sandra Weiss, die das Bekleidungsgeschäft Louise Fashion in der Karlstraße betreibt. Sie erhalte jeden Tag Nachrichten „von ganz fleißigen Kunden“ über die verschiedensten Kanäle: Telefon, E-Mail, WhatsApp, Instagram. Das Antworten auf die vielen Nachrichten und Kundenwünsche sei sehr zeitintensiv.

„Ich bin nun mit Kundenpflege und Versand mehr beschäftigt, als ich es vor der coronabedingten Schließung meines Ladens war.“
Sandra Weiss, Inhaberin von Louise Fashion

Zudem gestalte sich die telefonische Beratung zu Kleidung schwieriger als zu technischen Geräten wie beispielsweise bei Compumac. Bei Stammkunden wisse sie, welche Größe passt und was gefallen könnte. Bei anderen Kunden sei das nicht immer so einfach. Weiß erläutert: „Es ist schon etwas umständlich, da nichts vorher anprobiert werden kann. Dann bringen es die Kunden wieder zurück oder schicken es per Post.“

Am meisten verkaufe sie die Sachen, wie sie im Schaufenster ausgestellt sind. Die Kunden kämen dann nach vorheriger Terminabsprache zum Laden, um die Kleidungsstücke abzuholen. Auch auf Instagram bekomme sie viele Anfragen zu ihren Kleidungsstücken, die sie dort präsentiert. Trotz der bisherigen guten Erfahrung sei es nicht mit dem Tagesgeschäft vor dem Lockdown zu vergleichen. „Aber man hat das Gefühl, man tut etwas“, sagt Weiss erleichtert.

Sandra Weiß in ihrem Modegeschäft Louise Fashion.
Sandra Weiß in ihrem Modegeschäft Louise Fashion. | Bild: Sandra Weiß
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Schreibwaren am Fenster zum Abholen

Rüdiger Bauer darf sein Schreibwarengeschäft „gut – schreiben schenken lesen“ in der Hochstraße laut der aktuellen Corona-Verordnung zwar unter Hygieneauflagen öffnen, hat aber außerhalb der reduzierten Öffnungszeiten zusätzlich einen Abholservice eingerichtet. Von 9 bis 14 Uhr und von 15 bis 18 Uhr können Kunden ihre bestellte Ware am Fenster seines Büros auf der Rückseite des Geschäfts abholen.

Rüdiger Bauer hat in seinem Schreibwarengeschäft „gut schreiben schenken lesen“ eine Abholstation eingerichtet. Dort können Bestellungen kontaktlos abgeholt werden.
Rüdiger Bauer hat in seinem Schreibwarengeschäft „gut schreiben schenken lesen“ eine Abholstation eingerichtet. Dort können Bestellungen kontaktlos abgeholt werden. | Bild: Julia Leiber

Bauers bisherige Erfahrung: „Es funktioniert ganz gut. Es ist toll, dass die Leute das Angebot in Anspruch nehmen, denn für die Kunden ist es aufwendiger, als alles gleich im Internet zu bestellen.“ Bei seinen vielen tausend Artikeln sei nicht mal so schnell ein Onlineshop eingerichtet. Bauer bestätigt wie die anderen Häfler Händler: „Dass die Kunden uns nicht vergessen ist das Wichtigste. Man muss jetzt für sie da sein.“

Diese Häfler Händler bieten einen Abhol- oder Lieferservice an

„Es wäre günstiger ganz zu schließen, aber wir wollen die Kunden ja nicht verschrecken“

Axel Röhm möchte genau das – für seine Kunden da sein und mit der Möglichkeit „Call and Collect“ einen Service bieten. Doch das ist für den Inhaber von „Blumen Objekte“ gar nicht so einfach. „Unsere verderbliche Ware ist das Problem. Wenn jemand nur fünf Rosen in einer bestimmten Farbe haben möchte, muss ich zunächst 20 Rosen beim Händler abnehmen. Dann kann ich nur hoffen und abwarten, dass noch weitere Bestellungen kommen. Ansonsten muss ich die übrigen Blumen wegwerfen“, schildert Röhm eindrücklich.

Hinweisschild vor dem Geschäft A. Röhm Blumen Objekte auf das „Call and Collect“ Angebot in der Montafonstraße.
Hinweisschild vor dem Geschäft A. Röhm Blumen Objekte auf das „Call and Collect“ Angebot in der Montafonstraße. | Bild: Julia Leiber

Bestellungen nimmt sein Team per Telefon, E-Mail oder Instagram auf. Nach Wunsch bringen sie die Blumen auch direkt vor die Haustür. Gewinn macht Röhm derzeit nicht. „Man möchte etwas anbieten, aber ‚Call und Collect‘ ist kein Modell, von dem wir etwas haben. Wir haben eher Arbeit damit.“