Am ersten Prozesstag wollten sich die Männer nicht zu den Tatvorwürfen äußern. Aber sie redeten offen über ihre persönlichen Familienverhältnisse und ihre desolate finanzielle Lage. Staatsanwalt Julian Mayer brauchte fast eine halbe Stunde für die Verlesung der 18 Anklagepunkte.

Beute vom Tresor bis zum Sparschwein

Auf diversen nächtlichen Diebestouren sollen die Männer in wechselnder Besetzung 2018/19 eine Reihe von Einbrüchen in Friedrichshafen und Umgebung begangen haben, mit unterschiedlicher Beute. Mal wurde ein Tresor mit 2900 Euro Bargeld und Zigaretten abgeschleppt, mal wurden fleißig gefütterte Sparschweine mit 1800 Euro „geschlachtet“.

Zahlreiche weitere Delikte kommen zur Sprache

Aber auch Motorsägen, Schubkarren oder einen hübschen Holzadler nahmen die Einbrecher aus einer Gartenlaube mit. Unter dem Strich der Ermittlungen dürfte der verursachte Schaden weit höher als die Beute gewesen sein. Dazu kamen Fahren ohne Führerschein, aber mit falschen Kennzeichen, und der Besitz eines Schlagrings, der strafrechtlich als Führen einer Waffe gewertet wird.

Und zur Sprache kam auch die Geschichte mit einer Rottweiler-Hündin im Besitz eines Angeklagten. Nicht angeleint soll das Tier eine Frau mit einem Biss in den Oberschenkel verletzt haben. Das später ausgesprochene Hundeführungsverbot soll den Angeklagten so erbost haben, dass er eine Beschäftigte im Ordnungsamt grob beleidigte.

Einblicke in familiäre Vergangenheit

Zur den Tatvorwürfen wollten sich die drei Brüder gestern noch nicht äußern. Offen und ausführlich vermittelten sie jedoch Einblicke in ihre familiäre Vergangenheit und derzeitige Situation. Aufgewachsen in einer Großfamilie mit sechs Jungen und zwei Mädchen verstarb der Vater viel zu früh und hinterließ offenkundig ein Vakuum, das nie geschlossen werden konnte. Jahre in Pflegeheimen waren kein Ersatz, Regeln wurden missachtet oder gebrochen, und einmal fiel der Satz: „Wenn der Vater weg ist, zerbricht das Leben“.

Keiner der Männer schaffte eine Berufsausbildung. Einer will das jetzt in der Justizvollzugsanstalt nachholen. Ein Bruder sagt hingegen fast lakonisch, dass er nie ein Interesse an einem Schulabschluss oder einer Ausbildung gehabt habe. Man jobbte sich durchs Leben, wenn man Lust oder Geldnöte hatte.

Noch sechs Prozesstage sind angesetzt

Im Buch der persönlichen Vergangenheit stehen bei allen zum Teil zahlreiche Strafeinträge und längere Haftzeiten. Und addiert man die genannten Schulden der Männer, kommt man auf eine Summe von über 100 000 Euro. Die Frage von Richter Matthias Geiser nach Alkohol- oder Drogenproblemen wurde verneint. Und auch die physische und psychische Konstitution wurde einhellig als stabil bezeichnet.

Für das Verfahren sind noch sechs Prozesstage angesetzt. Ein Urteil könnte am 16. November gesprochen werden.

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