An einem sonnigen Freitagnachmittag hat sich ein kleines Grüppchen Jugendlicher und Erwachsener auf dem Häfler Buchhornplatz versammelt. Nahe des Zeppelin Museums breiten sie Banner auf dem Boden aus. Darauf zu lesen sind Sprüche wie „Vergesst nicht die Klimakrise“ oder auch „Bahn & ÖPNV statt B-31-Ausbau“: Die Umweltbewegung Fridays for Future (FFF) fordert eine Verkehrswende. Im Kern: Weniger Straße, mehr Radwege und Bahn.

Kleine Kundgebung als Schutz vor Corona

Mit dabei ist die 17-jährige Elgin Raupach. „Wir machen derzeit kleinere Kundgebungen und legen viele Plakate aus.“ Damit, so die junge Aktivistin, will FFF einerseits Präsenz zeigen und für die Themen der Bewegung werben. „Wir wollen aber gleichzeitig solidarisch in Zeiten der Pandemie bleiben. Deswegen verzichten wir auf größere Events.“

Michael Wlaka von Greenpeace engagiert sich bereits seit 18 Jahren für den Klimaschutz. Er kommt regelmäßig zu Veranstaltungen von ...
Michael Wlaka von Greenpeace engagiert sich bereits seit 18 Jahren für den Klimaschutz. Er kommt regelmäßig zu Veranstaltungen von Fridays for Future und unterstützt die jungen Aktivisten. | Bild: Benjamin Schmidt

Neben den Jugendlichen von FFF sind auch Vertreter anderer Vereinigungen gekommen: Michael Wlaka von Greenpeace Friedrichshafen, Frieder Staerke vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und auch Bernhard Glatthaar, der den Allgemeinen Deutschen-Fahrradclub (ADFC) vertritt. Nach und nach kommen sie ans Mikro einer kleinen improvisierten Bühne: Mehr als ein Klapptisch neben einem Lautsprecher ist das nicht.

Greenpeace-Vertreter Michael Wlaka tritt ans Mikro: „Toll, dass ihr wieder auf der Straße seid!“ Er selbst engagiert sich schon seit 18 Jahren für Greenpeace, wie er berichtet. Für ihn sind die jungen Aktivisten derzeit „die einzigen, die was bewegen“. Wlaka kritisiert in seinem Redebeitrag: „20 Prozent des jährlichen deutschen CO2-Ausstoßes kommen vom Verkehr.“ Zudem seien die Emissionen der Mobilität seit den 1990ern nicht zurückgegangen.

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Tatsächlich emittieren Autos und Lastwagen nach Angaben des Bundesumweltamtes heute im Durchschnitt weniger Treibhausgase als noch im Jahr 1995. Die Krux: Zwar stoßen die einzelnen Fahrzeuge weniger Schadstoffe aus. Weil indes besonders mehr Güterverkehr auf deutschen Straßen unterwegs ist, sind die Kohlendioxid-Emissionen im Transport-Segment sogar um 21 Prozent höher als noch in den 90er Jahren.

Bernhard Glatthaar vom ADFC Bodenseekreis ist ebenfalls auf den Buchhornplatz gekommen und wirbt für eine Verkehrswende.
Bernhard Glatthaar vom ADFC Bodenseekreis ist ebenfalls auf den Buchhornplatz gekommen und wirbt für eine Verkehrswende. | Bild: Benjamin Schmidt

Kritik an Politik

Bernhard Glatthaar vom ADFC moniert: „In der Coronakrise hört die Politik auf die Wissenschaft – das gilt aber nicht bei Entscheidungen, die den Klimaschutz betreffen.“ Damit richtet er sich auch an den Gemeinderat in Friedrichshafen. „Das Geld für eine Verkehrswende ist vorhanden, es fließt nur in die falschen Projekte, wie etwa den Flughafen.“

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Neben dem Bodensee-Airport steht vor allem der geplante weitere Ausbau der B 31 in der Kritik der Redner. Die Trasse B1 soll von Meersburg kommend südlich an Stetten vorbeiführen, nach Norden in den Weingartenwald schwenken und dann zwischen Reute und Kippenhausen weiterführen. Nördlich soll sie an der Immenstaad-Siedlung verlaufen und am Bauende an die neue Ortsumgehung Friedrichshafen anschließen.

Frieder Staerke vom Verkehrsclub Deutschland wünscht sich ein Umdenken in der Politik, wenn es um Mobilität geht.
Frieder Staerke vom Verkehrsclub Deutschland wünscht sich ein Umdenken in der Politik, wenn es um Mobilität geht. | Bild: Benjamin Schmidt

Frieder Staerke vom Verkehrsclub Deutschland betont: „Die Politik plant weiterhin, eine Art Autobahn an den Bodensee zu bauen.“ Doch das, was dort passiere, ist für ihn das Gegenteil von Verkehrswende. Staerke fordert indes, dass die Bodenseegürtelbahn weiter ausgebaut werden müsse. „Die eingleisige Strecke ist ausgelastet, ein dichteres und pünktliches Zugangebot ist daher nicht möglich.“

Gegen Ausbau der B 31 und den Häfler Flughafen

Auf diese Linie schwenkt auch die 17-jährige Elgin Raupach von Fridays for Future in ihrer Rede ein. „Die Politik macht Autofahren immer attraktiver, zudem müssen für den Ausbau der B 31 Flächen des Weingartenwaldes weichen. Dieser sei indes ein wichtiger CO2-Speicher und beherberge zahlreiche Arten. Für Raupach braucht es ein günstiges Angebot an Öffentlichen Personennahverkehr und auch einen besseren Ausbau der Radwege in Friedrichshafen. „Auf meinem Schulweg muss ich viermal die Straßenseite per Rad wechseln – und das auf einer Strecke von nur 3,5 Kilometern.“ Sie wünscht sich sicher Radwege. Einem Flughafen in Friedrichshafen erteilt sie, ähnlich wie ihre Vorredner, eine Absage.

Besonders viele Passanten hören sich die Reden an diesem Freitagnachmittag nicht an. Nur wenige bleiben kurz stehen, hören zu und gehen dann weiter. Ein Mann kommt mit einer Jugendlichen vorbei. Während er den Kopf schüttelt, sagt sie: „Na die haben doch Recht.“ Dann gehen auch sie weiter.

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