„Wenn ich mit einer Spiegelreflexkamera aus dem Rollstuhl heraus arbeite, bin ich immer auf eine Perspektive festgelegt“, erläutert Oliver Straub. Der 38-jährige Häfler ist seit einem Badeunfall querschnittsgelähmt. Durch den Grad seiner Lähmung müsse die Kamera am Rollstuhl befestigt werden, damit er sie bedienen könne. Außerdem sei so ein Rollstuhl nicht flexibel genug.

„Du kommst nirgends hin, wo es sandig oder steinig oder uneben ist.“
Oliver Straub
Mit der Drohne kann Oliver Straub seine Fotoperspektive frei wählen; genau wie Fotografen ohne Rollstuhl.
Mit der Drohne kann Oliver Straub seine Fotoperspektive frei wählen; genau wie Fotografen ohne Rollstuhl. | Bild: Lena Reiner

Mit der Drohne endlich genau so frei wie ein Fotograf ohne Behinderung

Fotografen ohne Behinderung seien da flexibler und könnten frei ihre Perspektive wählen: etwa auch mit einer Bergwanderung. „Mit der Drohne bin ich endlich genau so frei“, sagt der Häfler. Das kleine Fluggerät mit verstellbarer Kamera erlaube es ihm, seine Perspektive zu wählen – und zwar vollkommen selbstständig.

Video: Lena Reiner

„Zur Bedienung reicht eine Hand“, erklärt Straub. „Ich kann nur nicht gleichzeitig den linken Joystick bedienen, was vor allem wichtig wird, wenn man während eines Videos die Kamera drehen möchte.“ Alles andere sei für ihn einhändig mit den Joysticks gut zu steuern: „Als Rollstuhlfahrer bedeutet das wirklich, Freiheit dazuzugewinnen.“

Drohnenfotografie von Oliver Straub, der seine Werke auf dem Instagramkanal „https://www.instagram.com/wheel.pics/“ zeigt.
Drohnenfotografie von Oliver Straub, der seine Werke auf dem Instagramkanal „https://www.instagram.com/wheel.pics/“ zeigt. | Bild: Oliver Straub/wheel.pics

Inspiriert worden sei er von einem Amerikaner, der ebenfalls gelähmt sei und im Rollstuhl, und der sich mit Drohnenfotos Reisen um die ganze Welt finanziert habe. „Ich habe ihn schon vor drei oder vier Jahren entdeckt. Allerdings ist er fitter als ich und kann den Controller mit beiden Händen gleichzeitig bedienen. Ich dachte daher, ich kann das nicht“, berichtet Straub.

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Eine Test-Gelegenheit ergibt: Es geht doch

Im Urlaub vor etwas mehr als einem Jahr habe er dann eine Drohne aus der Nähe sehen und die Steuerung selbst testen können: „Da merkte ich, dass es doch geht!“

Inzwischen habe er bereits drei weitere „Rollifahrer“ mit der Drohnenfotografie angesteckt: „Sie haben eine ähnlich hohe Lähmung wie ich. Es ist schön, da ihr Vorbild sein zu können.“ Für sie bedeute die Drohnenfotografie, mit anderen Fotografen gleichgestellt zu sein: „Wir sind da wieder auf Augenhöhe.“

Drohnenfotografie von Oliver Straub, der seine Werke auf dem Instagramkanal zeigt
Drohnenfotografie von Oliver Straub, der seine Werke auf dem Instagramkanal zeigt | Bild: Oliver Straub/wheel.pics

Inzwischen ist die Fotografie mehr als ein Hobby für Oliver Straub geworden. Er konnte bereits Fotos für eine Kalenderproduktion verkaufen und an eine Touristeninformation. Dabei waren auch Bilder einer seiner liebsten Lichtsituationen: „Oben die Sonne und unten ein dichtes Nebelmeer, das immer wieder aufreißt.“

Hoch hinaus mit der Drohne: Für dieses Foto war kein Klettern notwendig. Das Nebelmeer unten hat Straub besonders fasziniert.
Hoch hinaus mit der Drohne: Für dieses Foto war kein Klettern notwendig. Das Nebelmeer unten hat Straub besonders fasziniert. | Bild: Oliver Straub/wheel.pics

Außerdem hat er vor Kurzem einen Kalender für das neue Jahr in den Druck gegeben: Knapp 20 Exemplare wurden vorbestellt. Mit dem Erlös aus dem Verkauf möchte er seinen Plan eines Online-Assistenztreffs voranbringen.

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„Ich habe mehr als 20.000 Fotos aus den letzten Jahren auf meiner Festplatte“, verrät Oliver Straub. Seine Favoriten bearbeitet er – mal am Smartphone und mal am Computer – und zeigt sie auf seinem Instagram-Kanal , den inzwischen 773 Interessierte abonniert haben.

Grundsätzlich geht es mit einer Drohne hoch hinaus. Hier am See bei Friedrichshafen ist eine Maximalhöhe vorgegeben.
Grundsätzlich geht es mit einer Drohne hoch hinaus. Hier am See bei Friedrichshafen ist eine Maximalhöhe vorgegeben. | Bild: Lena Reiner

Zukunftspläne: Drohne soll auch mit Mund oder Füßen bedienbar sein

Für die Zukunft erhofft sich Straub, die Drohnenfotografie weiter ausbauen zu können. Dafür mag er nicht nur ein neueres Modell anschaffen, das auch das Verstellen der Blende für die Fotos erlaubt, sondern auch Kontakt zu einem Drohnenhersteller aufnehmen: „Ich möchte anbieten, dass wir gemeinsam einen Controller entwickeln.“

Vorstellbar seien etwa abnehmbare Joysticks, die man jeweils so positionieren könne, dass sie gut bedient werden könnten: „So wäre der Controller dann flexibel auf unterschiedliche Behinderungsarten anpassbar.“ So solle die Drohne dann flexibel etwa mit dem Mund oder auch den Füßen bedienbar sein; ganz individuell.

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