Mit dem Ergebnis hat Matthias Kolley nicht im Traum gerechnet. 11 160 Euro waren am Dienstag auf dem Spendenkonto auf der Internet-Plattform Betterplace gutgeschrieben, und zwei vierstellige Beträge wurden dem 38-Jährigen noch in Aussicht gestellt. 2100 Euro wollte er einsammeln – für jeden gelaufenen Kilometer 10 Euro. „Das war eine absolut runde Sache“, freut sich der Projektkoordinator bei Special Olympics Bayern nach dem Lauf. Denn genau für diesen Verein und die Landesspiele für Menschen mit Behinderung im nächsten Jahr in Regensburg hat er diesen speziellen „Marathon“ absolviert.

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Dabei staunt der frühere Volleyballer, der beim VfB Friedrichshafen groß wurde und es in Unterhaching bis ins Liga-Oberhaus schaffte, ein Stück weit auch über sich selbst. Nach dem Start in Friedrichshafen rannte er an sieben Tagen hintereinander jeweils rund 30 Kilometer. Die Sorge hing schon im Hinterkopf fest, ob er sich nicht die Frage stellen muss, was für eine „dämliche Idee“ er da gehabt habe.

Der befürchtete Hänger kam nicht

„Ich dachte, irgendwann streiken die Beine oder ich falle mental in ein Loch. Aber der erwartete Hänger kam nicht“, erzählt Matthias Kolley nach dem Zieleinlauf am Freitag an der Uferpromenade in Friedrichshafen, wo ihn Familie und Freunde freudestrahlend in Empfang nahmen. Inzwischen sei er auch wieder ordentlich auf den Beinen unterwegs. Nur seine Turnschuhe, die ihm über 210 Kilometer nur eine kleine Blase bescherten, sind buchstäblich abgelaufen.

Die Freude ist groß: Nach 210 Kilometer in sieben Tagen ist Matthias Kolley im Ziel beendet erfolgreich seine Bodensee-Umrundung zugunsten der Special-Olympics-Landesspiele Bayern im nächsten Jahr.
Die Freude ist groß: Nach 210 Kilometer in sieben Tagen ist Matthias Kolley im Ziel beendet erfolgreich seine Bodensee-Umrundung zugunsten der Special-Olympics-Landesspiele Bayern im nächsten Jahr. | Bild: Jaroslaw Reisig

Dreieinhalb bis vier Stunden pro Tag joggte Matthias Kolley überwiegend auf der Strecke des Bodensee-Radwegs. „Ich bin beeindruckt, wie gut der ausgeschildert ist. Das Navigationsgerät hätte es fast nicht gebraucht“, erzählt er. Langweilig wurde ihm auch nicht, denn in Vater Klaus Kolley hatte er einen ständigen Begleiter, der mit Fahrrad und Gepäck immer in der Nähe war.

Fast keine Panne

Selbst das Wetter war ideal: kein Tropfen Regen, warm, aber nicht heiß, und immer eine kleine Brise Wind. Nur als der Radanhänger auf der vorletzten Etappe mit einer verbogenen Aufhängung dringend in die Werkstatt musste, war eine kleine Planänderung nötig. Sechs Kilometer zusätzlich rannte „Mattze“ Kolley quer durch Bregenz, bis ein Radladen gefunden war, der die Reparatur auf die Schnelle machen konnte. „Halb so schlimm“, findet der Dauerläufer. „Das hätte uns irgendwo im Nichts passieren können.“

Matthias Kolley und sein Vater Klaus, der ihn bei der Bodensee-Umrundung auf dem Fahrrad begleitet hat.
Matthias Kolley und sein Vater Klaus, der ihn bei der Bodensee-Umrundung auf dem Fahrrad begleitet hat. | Bild: Jaroslaw Reisig

Als er dann abends in Hörbranz ankam, erreichte ihn die Nachricht, dass die Summe auf dem Spendenkonto jetzt fünfstellig ist. „Das war der Motivationsschub für die Beine am letzten Tag“, berichtet der Wahl-Münchner, für den am Mittwoch wieder der Berufsalltag beginnt. Und dann weiter die Special-Olympics-Landesspiele im Juli 2021 plant, „als wäre nichts gewesen“, sagt er lachend.

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