„Wir brauchen eine Unterbrechung der Routine. So ein Moment ist jetzt gerade“, sagte Krankenhausseelsorger Diakon Thomas Borne, der die Gedenkfeier zusammen mit Pfarrerin Ulrike Hermann gestaltete. Viel zu viele der 74 Menschen seien gestorben, ohne sich von ihren Angehörigen verabschieden zu können. „Viele haben um ihr Leben gekämpft.“ Nun gehe es darum, nach vorne und in die Weite zu schauen. „Wir rechnen mit einer Kraft, die sich gegen die Ohnmacht stellt. Wir nennen sie Gott“, sagte Borne.

Pfarrerin Hermann sprach davon, dass wir nie allein seien, auch wenn es uns so vorkomme. „Die in der Bibel versprochene Fülle und Weite bedeutet, dass kein Weinen und Rufen ungehört verhallt“, so Hermann. Sieben Mal schlug Borne einen großen Gong an, um der Toten zu gedenken. „Die Physik sagt, dass die Energie dieser Schwingungen nicht verloren gehen kann“, so der Krankenhausseelsorger.

Video: Claudia Wörner

Zu Wort kamen außerdem Doris Bretzel, die bis zum Ruhestand als Krankenschwester auf der Intensivstation gearbeitet hat, Martin Eble, geschäftsführender Oberarzt und am Klinikum maßgeblich für die Corona-Krisenplanung verantwortlich, sowie Karin Amann, die die Pflege auf der am Montag geschlossenen Covid-Station geleitet hat. „Es soll nie mehr sein, dass Menschen in ihrem Leid einsam und allein sind“, sagte Bretzel, die eine Freundin an die Pandemie verloren hat. Eble unterstrich, wie willkürlich und vehement das Virus zugeschlagen habe. „Mich hat beeindruckt, zu welchem Kraftakt wir gemeinsam in der Lage sind, wenn es wirklich darauf ankommt.“

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Auch Amann zog den Hut vor jedem einzelnen Mitarbeiter. Das Team halte zusammen und würde auch eine vierte Welle bewältigen. „Was ist eine Katastrophe und wann ist sie vorbei?“, fragte MCB-Geschäftsführerin Margita Geiger. Das wisse niemand. Die Feier könne deshalb nicht als Abschluss gesehen werden, „aber vielleicht als Anknüpfungspunkt für eine normale Zeit.“