„Die Frage ist nicht, ob wir einen überhitzten Wohnungsmarkt haben, sondern wie wir ihm entgegenwirken können“, sagte Jasmina Brancazio. Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins moderierte die Veranstaltung. Dabei sei den Sozialdemokraten klar, dass schnelles Handeln nötig sei.

Bauunternehmer Alexander Weber von der Ravensburger Firma Betz und Weber berichtete von seinen Erfahrungen aus der Praxis. Aktuell sei mit 2500 bis 3000 Euro Baukosten pro Quadratmeter zu rechnen. „Tendenz steigend. Auch wegen wachsender Material-, Lohn- und Verwaltungskosten und der laufenden Erhöhung des Energiestandards“, erläuterte er. Sei man früher von einem Drittel Planungs- und zwei Dritteln Bauzeit ausgegangen, habe sich das Verhältnis heute umgekehrt.

Teure Wohnungen finanzieren günstigere mit

„Je höher die Sozialquote, desto schlechter rechnen sich Bauvorhaben“, sagte der Bauunternehmer. So müssten die teureren Wohnungen die günstigeren mitfinanzieren, um die Quote zu ermöglichen. Wie knapp Wohnraum in der Region sei, zeige die Nachfrage im Internet. „Auf eine Mietwohnung gibt es innerhalb von 24 Stunden 80 bis 100 Anfragen, auf eine Eigentumswohnung 20 bis 30“, berichtete Weber. Ohne Bauträger werde sich der Markt vermutlich nicht selbst regulieren können. „Es hilft nur bauen, bauen, bauen.“

Bauprojekte dürfen nicht an Nachbarn scheitern

Dabei dürften Bauvorhaben nicht an den Nachbarn scheitern. „In der Müllerstraße in Friedrichshafen waren fünf Nachbarn gegen den Bau von 130 Wohnungen. Da stimmt die Relation nicht“, so Weber. So sieht es auch SPD-Stadtrat Werner Nuber. „Bei jedem Bauprojekt gibt es sofort eine Bürgerinitiative und es wird sehr schwer, wenn wir jedes Mal nachgeben.“ Auch Nuber hält es für wichtig, dass genügend gebaut wird, damit sich der Markt entspannen kann. „Gerechnet wird bis 2035 mit 6000 bis 7000 mehr Menschen in Friedrichshafen. Und die brauchen Wohnraum.“

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In den Blick genommen wurden beim „Salon Rouge“ auch die Leerstände. „Eigentlich müsste man mit Ende der Arbeitstätigkeit auch seinen Wohnraum im Eigenheim für junge Familien freigeben. Aber das werden wir nicht schaffen und deshalb muss man höher bauen“, sagte Hans-Peter Betz vom Bauunternehmen Betz und Weber.

Mehr Wohnraum geht nur mit mehr Fläche

Norbert Zeller betonte, dass mehr Wohnraum nur in Verbindung mit mehr Fläche möglich sei. „Ich halte es für unverantwortlich, wenn im Zusammenhang mit dem neuen Regionalplan von Flächenfraß gesprochen wird“, so Zeller.

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Wohnen gehöre zu den Grundbedürfnissen. Die Umwelt habe einen hohen Stellenwert. „Aber wir dürfen das Soziale nicht hinten runter fallen lassen.“