Ekkehard Badent ist verzweifelt. Die schlaflosen Nächte plagen ihn noch am wenigsten. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich habe noch nichts gefunden“, sagt der Inhaber von „Ekki‘s Werkstatt“ im Fallenbrunnen. Vor 20 Jahren hat er die hohe Halle im Gebäude 4 gemietet. Im Sommer 2019 kündigte die Stadt allen Gewerbetreibenden, die auf dem früheren Militärgelände ihr Domizil hatten, den Mietvertrag. Auch „Ekki‘s Werkstatt“. Jetzt steht zum zweiten Mal die Zwangsräumung an. Bei der ersten habe er sich mit 6000 Euro noch etwas Zeit erkauft. Der Gerichtsvollzieher hat sich am 12. August angekündigt. Schluss. Aus. Ende.

Das könnte Sie auch interessieren

Vor ihm auf dem Tisch liegt ein dicker blauer Aktenordner. „Alles verfehlte Alternativen“, sagt Ekkehard Badent. Gefunden habe er bisher nichts Passendes in der Region, gesucht habe er bis Baienfurt.

„Ihm wurden im Jahresverlauf 2019 wiederholt entsprechende Angebote zugeschickt“, schreibt die städtische Pressestelle auf Anfrage. So sei ihm eine bezugsfertige KFZ-Halle mit Büro und Werkstatt im Gewerbegebiet Kluftern angeboten worden. Darauf habe er sich bei der Eigentümerin aber nie gemeldet. Auch für eine freie Halle in Fischbach kam keine Rückmeldung ans Rathaus. Zuletzt ist von einem Objekt in Meckenbeuren die Rede, das im Januar 2021 zur Auswahl stand.

Der Kfz-Mechaniker repariert auch ältere und richtig alte Modelle, was kaum eine moderne Werkstatt noch anbietet.
Der Kfz-Mechaniker repariert auch ältere und richtig alte Modelle, was kaum eine moderne Werkstatt noch anbietet. | Bild: Cuko, Katy

„Das waren nur Alibi-Angebote, und das meiste davon kurz nach der Kündigung“, erklärt Ekkehard Badent. Von einem Angebot aus Kluftern wisse er nichts. „Da habe ich nichts bekommen“, sagt er. Am ärgerlichsten fand er den Vorschlag, eine 2,20 Meter hohe Doppelgarage als Werkstatt zu nutzen. Für das Grundstück neben dem Penny in Meckenbeuren gebe es kein Baurecht für eine Autowerkstatt. Das gleiche Problem gab es bei mehreren Lagerhallen.

Keine neue Bleibe gefunden

Aber auch alle Angebote, die er selbst fand, erwiesen sich als Fehlgriff. Mit OKO-Wohnmobilbau, der den Fallenbrunnen 5 gerade räumt und etwas in Hefigkofen gefunden hat, habe er sich auf ein Grundstück nahe der Messe beworben. 2000 Quadratmeter für Wohnen und 2000 Quadratmeter für Gewerbe waren ausgeschrieben. „Jetzt stehen da fünf Einfamilienhäuser“, sagt Ekkehard Badent. Selbst bei einer großen Gewerbehalle in Gerbertshaus, die für 1,2 Millionen Euro zum Verkauf stand, habe er mitgeboten. „Zum Schluss hat der Makler gefragt, was wir bereit wären, obendrauf zu legen. Da konnten wir nicht mithalten.“

Der Fallenbrunnen Nordost am unteren Bildrand vor Beginn der Altlasten-Sanierung. Sämtliche Hallen, die mit ihren roten Dächern wie Riegel im Wald stehen, werden abgerissen. „Ekkis Werkstatt“ ist am Rand des großen Parkplatzes von damals.
Der Fallenbrunnen Nordost am unteren Bildrand vor Beginn der Altlasten-Sanierung. Sämtliche Hallen, die mit ihren roten Dächern wie Riegel im Wald stehen, werden abgerissen. „Ekkis Werkstatt“ ist am Rand des großen Parkplatzes von damals. | Bild: Gerhard Plessing

Im Dezember 2020 bewarb sich Ekkehard Badent bei der Stadt darum, die Halle 4 im Fallenbrunnen selbst zu erwerben und zu erweitern. Ob kaufen, pachten oder mieten: „Wir wollten die sanieren und an andere vermieten, was wir selbst nicht brauchen“, berichtet der Kfz-Meister. Dabei wäre vielen geholfen gewesen, findet er. Und Architekten hätten ihm versichert, dass die Substanz der Halle, die früher als Waffenprüfstand genutzt wurde, gut sei.

Über 600 Unterstützer fand „Ekki‘s Werkstatt“, darunter viele Studenten, die für den Erhalt der Werkstatt im Fallenbrunnen unterschrieben. Doch Mitte Dezember hatte der Gemeinderat nach zwei Fraktionsanträgen mehrheitlich den Erhalt des Fallenbrunnen 4 abgelehnt. Begründung: Weil der Bund nur die Kosten der Altlastensanierung anteilig übernimmt, die bis Dezember 2021 abgerechnet werden, müsse auch der Abriss hier „zeitnah“ erfolgen. Die Stadt halte sich an den Zeitplan, den der Gemeinderat beschlossen habe, so die Pressestelle.

Ekkehard Badent zeigt auf dem Sanierungsplan für den Fallenbrunnen Nordost die Halle, in der er seit 20 Jahren seine Autowerkstatt hat. In der Legende steht, dass der Boden hier nicht saniert wird. Trotzdem soll die Halle schnell abgerissen werden.
Ekkehard Badent zeigt auf dem Sanierungsplan für den Fallenbrunnen Nordost die Halle, in der er seit 20 Jahren seine Autowerkstatt hat. In der Legende steht, dass der Boden hier nicht saniert wird. Trotzdem soll die Halle schnell abgerissen werden. | Bild: Cuko, Katy

Allerdings soll der Fallenbrunnen 4 weder saniert noch von Altlasten befreit werden. So steht es im Rahmenplan. Diese Fläche im Bauquartier 2 ist mit „keine Sanierung“ ausgewiesen. Ergänzend steht da sogar, dass zur „Vermeidung von Sanierungsaufwendungen“ die Bodenplatte liegen bleiben soll. Warum der schon für 2020 eingeplante Abriss der Halle ganz am Rand des Fallenbrunnen dann so dringend nötig ist, dass man zwangsräumen muss, hat das Rathaus bis dato nicht beantwortet.

Das könnte Sie auch interessieren

„Ekkis Werkstatt“ und „Reifen-Falow“ sind die letzten verbliebenen Gewerbetreibenden im Fallenbrunnen Nordost, denen jetzt die Zeit davon läuft. Auch Reifen-Falow muss laut Rathaus bis Ende September aus seiner Halle raus – und hat noch keine neue Bleibe gefunden. Am heutigen Mittwoch soll der Gemeinderat den Rückbau weiterer Gebäude im Fallenbrunnen für 1,45 Millionen Euro beschließen. Darunter auch die Halle 10, in der „Reifen-Falow“ handelt. Kurioserweise liegt diese Halle zentral im künftigen Bauquartier 2, weshalb die Fläche saniert werden soll – allerdings erst 2022 und dann auf volle Kosten der Stadt, weil die Zuschussfrist dann abgelaufen ist.

Kein Platz mehr für Kleingewerbe im Handwerk

Erst 2023 soll der Rückbau im Fallenbrunnen abgeschlossen sein. Kleingewerbe aus dem Handwerk wie eine Autowerkstatt hat künftig keinen Platz mehr. Gefragt ist „wissensaffines Gewerbe“. Laut einer Ratsvorlage von 2020 gibt es zudem eine große Nachfrage nach knapp acht Hektar Gewerbefläche von Betrieben aus der „F&E-intensiven“ Industrie, wobei F&E für Forschung und Entwicklung steht. Offensichtlich liegen konkrete Anfragen vor, so zum Beispiel allein aus dem Bereich Maschinenbau für rund 45 000 Quadratmeter.

„Wenn‘s dabei bleibt, war‘s das“, sagt Ekkehard Badent resignierend. Sohn Dominik arbeitet in der Werkstatt mit und wollte sie mal übernehmen. Nach der Zwangsräumung stehe die Familie vor dem Nichts.