Es ist exakt 100 Jahre her, dass auf der Automobil-Ausstellung in Berlin zum ersten Mal der „W3“ präsentiert wurde. Vom 23. September bis 2. Oktober 1921 präsentierte die Maybach-Motorenbau GmbH aus Friedrichshafen hier das erste in Serie gefertigte Maybach-Automobil. Der Wagen hatte mit 70 PS für heutige Verhältnisse wenig Kraft unter der Motorhaube. Doch technische Innovationen wie die Vierradbremse machten das Gefährt schon damals zu einem der sichersten, aber auch teuersten Autos.

Luxus-Parade vor der damaligen Luftschiffhalle in Friedrichshafen-Löwental: Zwei Maybach „Zeppelin DS 8“ Anfang der 1930er-Jahre.
Luxus-Parade vor der damaligen Luftschiffhalle in Friedrichshafen-Löwental: Zwei Maybach „Zeppelin DS 8“ Anfang der 1930er-Jahre. | Bild: Archiv Rolls-Royce Powersystems

1600 „Maybachs“ wurden zwischen 1921 bis 1941 in Friedrichshafen gebaut – so unerschwinglich wie tonnenschwer. „Nur noch 163 sind erhalten“, erzählt Tobias Erne. Er gehört zu den Ausstellungsmacher der Maybach-Stiftung, die derzeit im Café Gessler dieses Stück Automobil-Geschichte in neun Kapiteln erzählen. Vom ersten Versuchsmotor über den „W 3“ bis zum Schwingachswagen werden alle historischen Modelle vorgestellt, technische Finessen erklärt. Die Maybach-Motorenbau fertigte genau genommen nur das Chassis und den Motor. Aufbau und Innenausstattung lieferten andere Manufakturen, darunter die Spohn-Werke in Ravensburg.

Das Doppel-M-Emblem auf dem Kühlergrill war und ist Markenzeichen für Maybach-Automobile.
Das Doppel-M-Emblem auf dem Kühlergrill war und ist Markenzeichen für Maybach-Automobile. | Bild: Felix Kästle

Während sie in der Ausstellung im Miniaturformat beziehungsweise virtuell vorgestellt werden, sind sieben ausgewählte Wagen aus der Maybach-Fertigung am kommenden Samstag live und in echt zu sehen. Dank bester Kontakte des Häfler Freundeskreises Maybach Museum sind sieben der 163 noch existierenden Oldtimer an der Uferpromenade ausgestellt. Von 10 bis 16 Uhr können die originalen Automobile bei der Musikmuschel bestaunt werden.

Tobias Erne von der Maybach-Stiftung erklärt im Café Gessler das Konzept der Pop-up-Ausstellung, die derzeit zu sehen ist.
Tobias Erne von der Maybach-Stiftung erklärt im Café Gessler das Konzept der Pop-up-Ausstellung, die derzeit zu sehen ist. | Bild: Cuko, Katy

Doch warum sucht sich die Maybach-Stiftung solch ein kleines Café mit Buchladen als Ausstellungsraum aus? Das hat mehrere Gründe, erklärt Tobias Erne bei einem kleinen Rundgang.

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In den vergangenen Jahren hat die Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis eine Sammlung zusammen getragen, die in einem Museum zu sehen sein soll. Bis der Standort dafür gefunden ist, „gehen wir auf Tour“, so Erne. Das Café bildet so den Auftakt einer Wanderausstellung, die so konzipiert wurde, dass sie auch kleine Räume füllt.

In der Ausstellungswand sind 14 Themenbausteine untergebracht, die viele Informationen über Maybach-Automobile, historische Anekdoten und Zeitzeugen-Interviews enthalten. Einen davon hat Tobias Erne von der Maybach-Stiftung in der Hand.
In der Ausstellungswand sind 14 Themenbausteine untergebracht, die viele Informationen über Maybach-Automobile, historische Anekdoten und Zeitzeugen-Interviews enthalten. Einen davon hat Tobias Erne von der Maybach-Stiftung in der Hand. | Bild: Cuko, Katy

Ankerpunkt ist die Ausstellungswand mit 14 Bausteinen. Wie ein Buch lässt sich jeder Themenbaustein heraus nehmen. Da werden nicht nur die Automobile porträtiert, sondern Maybach-Geschichte(n) erzählt. So wie die vom Ehrenpokal, den der Rennfahrer Anton Zwick 1925 nach dem zweiten 24-Stunden-Rennen von Karl Maybach persönlich erhielt.

Zeitzeugen erzählen Maybach-Geschichte(n)

Garniert ist auch diese Story mit einem Zeitzeugen-Interview mit „Maybächlern“, hier mit Zwicks Tochter Antonia. Diese Gespräche haben die Mitglieder des Freundeskreises in den vergangenen Jahren geführt und aufgezeichnet, um sie als Zeitzeugnis zu bewahren. Der Weg zu Tonaufnahme oder Expertenwissen geht über einen digitalen QR-Code, der unter anderem auf dem Themenbaustein aufgedruckt ist. So sind auf Wunsch vertiefende Informationen interaktiv abrufbar.

Schon 2017 gab es bei der Messe, die damals noch „Klassikwelt Bodensee“ hieß, am Maybach-Stand Oldtimer zu bestaunen.
Schon 2017 gab es bei der Messe, die damals noch „Klassikwelt Bodensee“ hieß, am Maybach-Stand Oldtimer zu bestaunen. | Bild: Felix Kästle

Die Ausstellung ist noch bis zum Samstag, 2. Oktober, zu den Café-Zeiten geöffnet. Wo sie anschließend zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. „Wer sich dafür interessiert, kann sich gern bei uns melden“, sagt Tobias Erne. Ein Termin ist allerdings schon fix: die nächste „Motorworld Classic“ in Friedrichshafen. Am Maybach-Messestand sollte die Ausstellung eigentlich schon in diesem Jahr zu sehen sein. Doch Corona hat auch hier einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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Die Tradition der Maybach-Automobile wurde übrigens über 60 Jahre, nachdem das letzte historische Modell vom Band lief, neu belebt. Mercedes baut seit 2002 wieder Luxuswagen dieser Marke mit dem Doppel-M-Emblem auf der Motorhaube. Ein Maybach der Neuzeit wird bei der Schau am Samstag an der Häfler Uferpromenade nicht gezeigt. Aber mit dem Elektroauto „Vision 6“ erlaubt die Ausstellung im Café Gessler zumindest einen kleinen Blick in die Zukunft dieser Marke.