Für Philipp Fuhrmann ist das RAB-Gelände hinter dem Bahnhof ein Filetstück in der Stadt. Schon als er 2017 bei der Oberbürgermeisterwahl gegen Amtsinhaber Andreas Brand antrat, hatte er darüber gesagt: „Es ist für mich ein wunderbares Gelände, das es behutsam zu entwickeln gilt unter Bewahrung der vorzüglichen Industriebauten. Hier kann ein kreatives, buntes Quartier, das Hofen mit der Innenstadt verbindet, entstehen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass dies gelingt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Oberbürgermeister wurde Fuhrmann vor drei Jahren nicht, doch mit dem Netzwerk für Friedrichshafen zog er 2019 in den Gemeinderat ein. „Zunächst ist es für uns vom Netzwerk ein großer Erfolg, dass wir es geschafft haben, das RAB-Gelände als zukünftigen Hotspot der Stadtentwicklung zu thematisieren“, macht Fuhrmann heute deutlich und verweist dabei auch auf den Bahngipfel, der auf Anregung des Netzwerks vor Kurzem in Friedrichshafen stattfand. Viel zu lange habe die Verwaltung das Thema mit der Bemerkung abgetan, die Bahn ließe hier nicht mit sich reden, findet Fuhrmann. „Wir freuen uns sehr, dass jetzt Bewegung reinkommt.“

Ein Teil der Fläche für städtebauliche Entwicklung

Die Bahn als Eigentümer des Geländes stellte beim Bahngipfel ihre Pläne für die künftige Nutzung vor. Zwar werde das Gelände zwischen Bahnanlagen und Eugenstraße auch künftig noch als Busbetriebshof benötigt. Allerdings könnte man den Busbetrieb auf den westlichen Teil der Flächen konzentrieren, man benötige dafür Abstellflächen für künftig etwa 70 Busse, Mitarbeiterparkplätze, Tankstelle, Werkstattgebäude, Verwaltungsgebäude und die Ladeinfrastruktur für künftig laut EU-Verordnung geforderte E-Busse.

Bild: Stefanie Kerstan

Der östliche der Fläche könnte hingegen freigeräumt und für eine städtebauliche Entwicklung genutzt werden (siehe Grafik). Die Grenze, die auf dem Luftbild markiert ist, werde sich aufgrund der künftig notwendigen Ladeinfrastruktur für E-Busse voraussichtlich noch etwas nach Osten verschieben, erklärt die Bahn auf Anfrage. Ein Projekt-Zeitplan liege momentan noch nicht vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Gibt es bei der Stadt schon Pläne für einen Ideenwettbewerb? „Zum Thema, wie das RAB-Gelände künftig genutzt werden könnte, sind noch sehr viele Fragen offen“, erklärt eine Sprecherin der Stadt auf SÜDKURIER-Anfrage. Für einen Ideenwettbewerb gebe es aber grundsätzliche Rahmenparameter, beispielsweise, dass die Entwicklung in zeitlich versetzte Bauabschnitte aufteilbar sein müsse. Außerdem müssten denkmalgeschützte Gebäude – das Verwaltungsgebäude an der Eugenstraße und der Wasserturm an der Olgastraße – konzeptionell berücksichtigt und erhalten werden.

Das muss aus Sicht der Stadt alles erfüllt werden

Dann muss zum Beispiel auch die bauliche Verdichtung der Innenstadtlage angepasst sein und die Verbindungen in Richtung Süden über die Bahnanlagen optimiert beziehungsweise ergänzt werden, erklärt die Stadtverwaltung weiter. Auch die Realisierung von Teilabschnitten müsse zeitnah möglich sein. Daher wäre eine Kombination aus Ideen- und Realisierungswettbewerb sinnvoll. Ein Start des Projekts wäre unter der Voraussetzung, dass die Fläche verfügbar ist, zeitnah möglich, sofern die erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung stünden.

Philipp Fuhrmann, Netzwerk-Gründer
Philipp Fuhrmann, Netzwerk-Gründer | Bild: Wienrich, Sabine
„Es darf dort auf keinen Fall die bisherige 0815-Bauträger-gesteuerte Stadtentwicklung stattfinden.“
Philipp Fuhrmann, Netzwerk für Friedrichshafen

Aus Sicht der Stadt wären auf dem Gelände in der Innenstadt Nutzungen wie Wohnen, nicht störendes Gewerbe, Einzelhandel, aber auch Kultur und Gastronomie möglich. Philipp Fuhrmann wünscht ich ein Zukunftsquartier. „Es darf dort auf keinen Fall die bisherige 0815-Bauträger-gesteuerte Stadtentwicklung stattfinden. Deswegen ist dies ein hochsensibles Thema“, erklärt er. Nur mit neuen Ideen und einer öffentlich gesteuerten Entwicklung werde aus dieser Top-Fläche ein Gewinn für die Stadt. „Ich denke, darüber herrscht in der Stadt inzwischen aber auch ein Konsens.“

Blick auf das RAB-Gelände. Die Fläche links vom Verwaltungsgebäude könnte künftig für die Stadtentwicklung zur Verfügung stehen.
Blick auf das RAB-Gelände. Die Fläche links vom Verwaltungsgebäude könnte künftig für die Stadtentwicklung zur Verfügung stehen. | Bild: Fabiane Wieland

„Wir haben schon einen studentischen Ideenwettbewerb beantragt, um für dieses Gelände die bestmöglichen Entwicklungen zu bekommen“, sagt der Gemeinderat weiter und fügt hinzu: „Das Gelände muss den Vitaminschub für unsere mitunter leblose Kernstadt bringen.“ Möglichkeiten sieht er hier durch Gastronomie, Kultur, Arbeiten, Freizeit, Industriekultur und gut gestalteten öffentlichen Raum. „Auf keinen Fall dürfen dort die Gebäude einfach platt gemacht werden“, so Fuhrmann. Neben den denkmalgeschützten Gebäuden gebe es auf dem Gelände weitere Gebäude, die man unbedingt erhalten müsse. „Da steckt noch viel mehr Potenzial drin.“

Der Busbetriebshof soll in verkleinerter Form erhalten bleiben.
Der Busbetriebshof soll in verkleinerter Form erhalten bleiben. | Bild: Fabiane Wieland

Fuhrmann brachte beim Bahngipfel außerdem den Parkplatz P7 als künftigen Busbetriebshof ins Spiel, damit in Zukunft das gesamte RAB-Gelände für den Städtebau genutzt werden kann. Was sagt die Bahn dazu? „Ein Ausweichen auf die vom Stadtbahnhof sehr viel weiter entfernte Fläche P7 würde zu erheblich mehr Betriebskosten inklusive Energieverbrauch führen. Ein Umzug der RAB in diesen Bereich ist mittelfristig nur unter entsprechenden Rahmenbedingungen/Vereinbarungen möglich, grundsätzlich allerdings nicht ausgeschlossen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Die Stadtverwaltung erklärt hierzu: „Ob und wie der Parkplatz P7 anderweitig genutzt werden könnte, wurde von der Stadtverwaltung schon vor längerer Zeit geprüft.“ Der Planungsansatz würde allerdings „umfangreiche Umstrukturierungen vor allem im Parkierungsbereich erfordern, die nicht nur die Stadt betreffen, sondern auch weitere Nutzer im Umfeld, die eine zeitnahe Lösung eher schwierig machen“. Die Stadt müsse hier intensive Gespräche führen und der Bahn Flächen anbieten, betont Philipp Fuhrmann.