Adalbert Kühnle öffnet sein Postfach und kann sich eigentlich nur noch wundern. „Schon seit Jahren bekomme ich zum Beispiel immer wieder Mails, in denen mir angeblich die Telekom mitteilt, dass mein Konto geändert wurde, mein Mailempfang blockiert ist oder andere eigenartige Dinge“, berichtet der ehemalige Raumfahrtingenieur. Natürlich öffne er derartige Mails nicht und sehe sie sich nur in der Vorschau an. Beliebt ist ihm zufolge auch der Hinweis, dass die Datensicherheit gefährdet sei. „Erst recht klicke ich keinen Link an, wozu ich in den Mails regelmäßig aufgefordert werde.“

Allein an der Absenderadresse erkenne er, dass diese Mails nicht von der Telekom stammen können. „Die prüfe ich zuerst, wenn mir etwas komisch vorkommt“, erklärt Kühnle. Immer wieder bekomme er auch E-Mails, vermeintlich von einer bekannten Bank, in denen er dazu aufgefordert werde, für einen Update einen Registrierungslink anzuklicken. „Bei dieser Bank habe ich gar kein Konto“, sagt Kühnle.

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Im Zweifelsfall lieber eine Mail zu viel löschen

Neben der dubiosen Mail-Adresse seien im Text immer wieder Rechtschreibfehler, kyrillische Schriftzeichen oder grammatikalische Schnitzer festzustellen. Auch bei der Anrede „Guten Tag“ werde Kühnle misstrauisch. Normalerweise werde er mit seinem Namen angesprochen. „Aber die Hacker lernen natürlich dazu und man muss sehr aufmerksam sein“, sagt der 85-Jährige.

Wenn er sich unsicher sei, lösche er im Zweifelsfall lieber eine Mail zu viel als zu wenig. „Wenn es wirklich wichtig ist, meldet sich die Firma auch ein weiteres Mal“, so seine Erfahrung. Was Kühnle jedoch ärgert, ist die verlorene Zeit, die Spam- und Fake-Mails geschuldet ist. Sein Tipp, neben der erhöhten Aufmerksamkeit: wenigstens einmal pro Wochen einen so genannten Cleaner aufzurufen, der Cookies und Spam-Mails automatisch löscht.

Tipps der Kriminalpolizei

Vorsicht: „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben gewonnen“

Es sind nicht nur die Spam-Mails, über die sich Kühnle ärgert. Auch Anrufer, die offenkundig betrügerische Zwecke verfolgen, machen ihn und seine Frau Lucia wütend. „Bei vielen Anrufen merkt man, dass sie aus einem Callcenter kommen“, berichtet Lucia Kühnle von ihren Erfahrungen. Höre sie zum Beispiel die Worte „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen“, lege sie sofort auf.

Kürzlich habe jemand angerufen und dabei gestöhnt, als ob er ein gesundheitliches Problem hätte. Die angezeigte Handy-Nummer habe sie sich notiert, da ihr der Anruf merkwürdig vorgekommen sei. Ein paar Tage später habe sie im SÜDKURIER gelesen, dass es bei diesem Trick darum gegangen sei, Geld für einen – angeblich – schwer kranken Sohn zu bekommen. „Da war mir klar, dass dieser Anruf genau in die Schiene passte“, so Lucia Kühnle.

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Auch bei der Kommunikation über die Sozialen Medien und Messenger ist Adalbert Kühnle vorsichtig „Wirklich wichtige Dinge teile ich darüber nicht mit“, sagt er. Klar sei ihm, dass auch kostenlose Konferenz-Tools ein Datenleck haben. „Hier treffen wir uns zum Beispiel mit der Dornier-Fotogruppe, allerdings haben wir keine Geheimnisse.“ So sei es seiner Meinung nach auch nicht sinnvoll, die Datensicherheit auf die Spitze zu treiben. „Bei der Corona-Warn-App hat sich die Bundesregierung zwar mächtig angestrengt, aber durch den überzogenen Datenschutz ist sie weniger effizient“, so sein Eindruck.