Nachdem das Ehepaar seine neue Wohnung bezogen hatte, hatten sich neben den offensichtlichen und bekannten Mängeln zahlreiche „versteckte Baustellen“ aufgetan, so die Darstellung vor Gericht. Den Vermieter habe das nicht gekümmert, weshalb sich die Eheleute einen Anwalt nahmen. „Wir hatten ja einen Rechtsschutz“, sagt die Frau, die zudem einem ominösen „Mieterschutzbund“ aus dem Internet beigetreten war.

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Der Mann habe nicht den Eindruck gemacht, dass er arbeitslos sei, sagte der Rechtsanwalt aus. Er sei bei Leuten mit einer Wohnung, die monatlich mehr als 1000 Euro Miete kostet, auch nicht von finanziellen Schwierigkeiten ausgegangen. Er wurde eines Besseren belehrt.

Konto notorisch bis an die Grenze des Dispokredits überzogen

Das Konto der Frau war, trotz regelmäßiger Rentenbezüge, notorisch bis an die Grenze des Dispokredits überzogen. Der Mann hat ein Gewerbe angemeldet, das keinerlei Geld eingebracht hat. Zum Schluss hatte die Frau einen Konsumkredit in Höhe von 44 000 Euro zu bedienen. Ausgehend von den laufenden Schulden und den laufenden Ausgaben musste das Paar also damit rechnen, dass es eng wird.

Rechtsanwalt Uwe Runge forderte einen Freispruch, da das Konto seiner Mandanten zum Zeitpunkt der Mandatserteilung kein Minus ausgewiesen hatte, was bei genauer Betrachtung allerdings nur vorübergehend aufgrund eines weiteren Kredites so war.

Bemüht, in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen

„Ich glaube Ihnen, dass sie nicht mit dem Vorsatz zum Anwalt gegangen sind, diesen nicht zu bezahlen“, sagte Richter Oliver Kovatschevitsch. Trotzdem kam er anhand der Indizien zu dem Urteil: „Zum Zeitpunkt der Auftragserteilung, davon bin ich überzeugt, haben sie billigend in Kauf genommen, die Rechnung am Ende nicht bezahlen zu können.“ Dass der Ehemann zu Zeitpunkt zusätzlich – unter anderem wegen lang zurückliegender, aber ähnlicher Delikte – noch unter Bewährung stand, wurde bei dem Urteil ebenso berücksichtigt wie die Tatsache, dass er seit seiner Haftentlassung in keinster Weise auffällig geworden war und sich redlich bemüht, in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen.

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Das Ehepaar hat seine gesamte Barschaft zusammengekratzt, um dem Anwalt das ausstehende Honorar in der Verhandlung überreichen zu können. Der Mann wurde mit einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten auf Bewährung bestraft, die Frau muss eine 900-Euro-Geldstrafe entrichten. Das Ehepaar strebt nun die Privatinsolvenz an. Das ist nach Aussage der Frau aber erst dann möglich, wenn man aus der teuren Wohnung ausziehen kann.

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