Für 2020 stehen im Haushalt der Zeppelin-Stiftung Zuschüsse für Sportinvestitionen in Höhe von 4,5 Millionen Euro. Die seien „unverändert eingeplant“, bestätigt die städtische Pressestelle auf Anfrage. Der Gemeinderat habe beschlossen, in diesem Jahr die Sportförderung nicht zu kürzen, um den Vereinen Planungssicherheit zu geben. Was angesichts der anstehenden Sparpläne ab nächstem Jahr wird, steht allerdings in den Sternen.

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Diesen Etat bilden im Wesentlichen drei Großprojekte, die im Haushalt auch explizit aufgeführt sind: der Bau eines Taekwondo-Centers, für das 1,4 Millionen Euro im Budget stehen, der Neubau des Alpincenters des Deutschan Alpenvereins (DAV) am Sportbad (Zuschuss: 1,75 Millionen Euro) und die Verlegung des Rasenspielfelds der Turn- und Sportgemeinschaft Ailingen (Zuschuss: 1 Million Euro).

Großprojekte in der Warteschleife

Tatsächlich wird aber wohl keines der drei Projekte in diesem Jahr in Angriff genommen. „Derzeit liegen uns noch keine konkreten Planungen oder Zuschussanträge für das Taekwondo Center, DAV-Alpincenter und Rasenspielfeld vor“, schreibt die städtische Pressestelle auf Anfrage. Der DAV und die TSG Ailingen hätten die Stadt inzwischen informiert, „dass sich die Projekte bis auf Weiteres verzögern“.

TSG Ailingen könnte sofort loslegen

Diese Aussage kann TSG-Vorstand Hans-Peter Talge allerdings nicht nachvollziehen. Die Planung, die allein 40 000 Euro gekostet habe, stehe. Allerdings reiche der eingeplante Zuschuss von 1 Million Euro nicht aus. „Die Verlegung des Rasenplatzes mit allem drum und dran kostet 2,1 Millionen Euro. Die sind bei der Stadt auch beantragt“, erklärt Hans-Peter Talge auf Nachfrage des SÜDKURIER.

„Die Verlegung des Rasenplatzes mit allem drum und dran kostet 2,1 Millionen Euro. Die sind bei der Stadt auch beantragt.“
Hans-Peter Talge, Vorsitzender der TSG Ailingen

Schon seit 2016 laufe bereits die Planung für nötige Bauarbeiten an den Sportanlagen der TSG Ailingen hinter dem Wellenbad. 2017 hatte der Gemeinderat bereits knapp 410 000 Euro für die Sanierung des Kunstrasenspielfelds genehmigt. Der 1988 gebaute Platz wurde 2001 letztmals gerichtet und sei „sanierungsbedürftig“, stand in der Vorlage.

TSG-Vereinschef: „Wir brauchen noch ein Spielfeld“

Kunstrasen und Rasenspielfeld reichen der TSG Ailingen aber längst nicht mehr aus. Die Fußballabteilung zähle inzwischen rund 480 Mitglieder, wovon 310 Kinder und Jugendliche seien. „Wir brauchen noch ein Spielfeld“, sagt Talge. So wurde die Idee geboren, dass ebenfalls kaputte Rasenspielfeld nicht zu sanieren, sondern zu verlegen, um Platz für ein drittes Spielfeld zu schaffen.

Dafür muss allerdings auch die Beachvolleyball-Anlage verlegt werden. So sei das mit dem Rathaus abgesprochen und vom Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderats im Oktober 2017 auch befürwortet worden, sagt der TSG-Vereinschef. Und so sei das auch von einem Konstanzer Fachbüro geplant worden. Fraglich war laut Talge bisher nur, wie die Spielfelder neu ausgerichtet werden und ob man an den Wall heran darf, der das TSG-Gelände begenzt.

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Warum jetzt nur ein Zuschuss von 1 Million Euro im Haushaltsplan für 2020 steht, wisse er nicht, sagt Hans-Peter Talge. Er bereitet gerade den Bauantrag vor, der noch im Sommer gestellt werden soll. Größte Sorge ist, dass der Zuschuss sonst im nächsten Jahr, wenn das Rathaus heftig sparen muss, zur Disposition steht.

Die TSG will ihr Projekt nun auf zwei Baulose aufteilen. Zuerst steht die Verlegung von Hauptspielfeld und Beachvolleyballanlage an. Dafür braucht die TSG rund 1,1 Millionen Euro. Der Rest wird auf später verschoben, wenn es wieder Geld im Stiftungshaushalt für Sportinvestitionen gibt.

Noch kein Grundstück fürs Taekwondo-Center

Dafür gibt es für das Taekwondo-Center noch nicht einmal ein potenzielles Baugrundstück, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Bevor konkret nach einer geeigneten Fläche gesucht wird, müsse der BSV Friedrichshafen zunächst „die wesentlichen Eckdaten des Konzepts“ benennen, heißt es aus dem Rathaus. Weder sei der Bedarf nachgewiesen noch liege ein Kosten- und Finanzierungsplan vor. Wenn diese Unterlagen da sind, sei zunächst „eine grundsätzliche Bewertung des Projekts erforderlich“.

Warum sind dann 1,4 Millionen Euro schon im Haushalt dafür eingestellt? „Diese Zahl fußt auf einer ersten Kostenschätzung seitens Taekwondo“, so eine Sprecherin der Verwaltung.

Bau seit 2008 im Gespräch

Dabei ist das Projekt quasi ein Dauerbrenner. 2008 hatte der Gemeinderat den Bau des vom früheren Bundestrainer Markus Kohllöffel vorangetriebenen „Taekwondo Competence Center“ (TCC) bereits genehmigt, um es ein Jahr später vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder zu kippen.

Taekwondo-Trainer Markus Kohlöffel (links) mit Abdoulrazak Issoufou Alfaga vom BSV Friedrichshafen, der 2016 bei den olympischen Spielen für sein Heimatland Niger die erste Silbermedaille holte und im Jahr darauf Gold bei der Weltmeisterschaft gewann. Er wurde zum „Sportler des Jahres 2017“ in Friedrichshafen gewählt.
Taekwondo-Trainer Markus Kohlöffel (links) mit Abdoulrazak Issoufou Alfaga vom BSV Friedrichshafen, der 2016 bei den olympischen Spielen für sein Heimatland Niger die erste Silbermedaille holte und im Jahr darauf Gold bei der Weltmeisterschaft gewann. Er wurde zum „Sportler des Jahres 2017“ in Friedrichshafen gewählt. | Bild: Christian Lewang

Grund: Die geplanten Kosten hatten sich von 3,3 auf 7,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Vorgesehener Bauplatz war das derzeit noch freie Areal zwischen neuem Sportbad und der ZF-Arena. Dieses Grundstück ist allerdings inzwischen dem DAV für den Bau der Kletterhalle versprochen.

Verwunderlich ist allerdings, dass der Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderates im Oktober 2017 auch das TCC „in Grundsatz befürwortet und begrüßt“. So steht es zumindest in der damaligen Ratsvorlage für die nichtöffentliche Sitzung. Mehr noch: Mit dem Beschluss für das Sportbauprojekt wurde nicht nur ein Baukostenzuschuss von 1,33 Millionen Euro in Aussicht gestellt. „Als Grundstück soll dem BSV Friedrichshafen eine geeignete und angemessene Fläche im Gebiet Fallenbrunnen im Rahmen einer Erbbaupacht zur Verfügung gestellt werden“, stand in dem Papier. Noch dazu lagen bereits vor zwei Jahren sämtliche Unterlagen vor. Warum nun erneut eine „grundsätzliche Bewertung des Projekts“ erforderlich ist, wie das Rathaus mitteilte, erschließt sich nicht.

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Alpenverein hat Pläne auf Eis gelegt

Bei der DAV-Sektion Friedrichshafen steht der Neubau des Alpinzentrums samt Kletterhalle im Häfler Sportpark in diesem Jahr tatsächlich nicht mehr auf der Agenda. „Wir haben noch keinen Bauantrag gestellt“, bestätigt Petra Graßmann, die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim DAV.

Hinter dem Parkhaus (grüner Bau) ist im Häfler Sportpark ein Baugrundstück frei, auf dem der Alpenverein sein neues Alpincenter samt Kletterhalle bauen will.
Hinter dem Parkhaus (grüner Bau) ist im Häfler Sportpark ein Baugrundstück frei, auf dem der Alpenverein sein neues Alpincenter samt Kletterhalle bauen will. | Bild: Stadtwerk Am See

Es gelte noch einige Fragen zu klären, und auch die Finanzierung sei noch nicht ganz in trockenen Tüchern. So steht nach wie vor die nötige Änderung des Bebauungsplans aus, denn auf dem freien Baugrundstück am Sportpark ist derzeit ein Gebäude mit maximal 10,50 Meter Höhe erlaubt. Die Kletterwand braucht jedoch mindestens einen Meter mehr Raumhöhe.

Der Verein hoffe aber, dass ihm der Zuschuss der Stadt aus dem Stiftungshaushalt auch über das Jahr 2020 hinaus erhalten bleibe, so Graßmann. Immerhin sei die Kletterhalle kein reines Vereinsprojekt, sondern auch ein Angebot an die Schulen und Bürger der Stadt, sich hier auf einer modernen Kletteranlage sportlich zu betätigen.