Zehn bis zwölf Teilnehmer – zeitweise war nicht klar erkennbar, wer zur Mahnwache gehörte und wer lediglich zuschaute – haben sich am Mittwochmittag vor dem Häfler Rathaus versammelt. Eine der Anwesenden hatte sich kurzerhand entschlossen, doch nicht an der Demonstration teilzunehmen und entfernte sich weit genug vom Geschehen, um keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen zu müssen.

Für einige Momente ist etwas Ruhe bei der Mahnwache eingekehrt: Die Teilnehmer denken an die Demonstranten in Berlin.
Für einige Momente ist etwas Ruhe bei der Mahnwache eingekehrt: Die Teilnehmer denken an die Demonstranten in Berlin. | Bild: Lena Reiner

Eine andere Teilnehmerin bat die übrigen um eine Schweigeminute, um „den Demonstranten in Berlin Kraft zu schicken“. Eine weitere rezitierte Sinnsprüche, die Kraft und Hoffnung spenden sollten. Dann begannen die beiden zu singen, ein weiterer Teilnehmer schloss sich ihnen an. Lange währte diese Stimmung nicht, da sich immer wieder Einzelne aus der Gruppe der Maskenpflicht widersetzten.

Das könnte Sie auch interessieren

Die anwesenden Polizeibeamten führten Diskussionen, auch über die Echtheit von Attesten. Abfotografieren durften sie diese nämlich zur Überprüfung nicht. „Dann setze ich lieber eine Maske auf“, zog eine solche Attestinhaberin ihre Konsequenz. Immer wieder wurde die Mahnwache von Diskussionen mit der Polizei unterbrochen. „Das ist ja wie die Stasi“, kommentierten Umstehende lautstark oder filmten die Polizeibeamten bei der Ausübung ihrer Tätigkeit.

Eine Teilnehmerin, die selbst die Maskenpflicht einhält, dokumentiert die polizeiliche Überprüfung des Behindertenausweises einer Teilnehmerin, die die Maske nicht tragen möchte und ihre Behinderung als Grund angab.
Eine Teilnehmerin, die selbst die Maskenpflicht einhält, dokumentiert die polizeiliche Überprüfung des Behindertenausweises einer Teilnehmerin, die die Maske nicht tragen möchte und ihre Behinderung als Grund angab. | Bild: Lena Reiner

Versammlungsleiterin Katja Finkenbeiner mahnte mehrfach zur Einhaltung der Auflagen: Maskenpflicht und Abstand zwischen den Teilnehmern. „Wer sich nicht an die Auflagen hält, der muss bitte gehen“, erhob sie schließlich ihre Stimme gut hörbar in Richtung der Anwesenden und erklärte, dass sie den Bescheid akzeptiert habe, um die Mahnwache abhalten zu können: „Mir ist wichtiger, den Inhalt zu transportieren.“

Mit dem Verlauf der Veranstaltung zeigte sie sich nicht ganz zufrieden: „Eigentlich hatte ich eine Mahnwache geplant“, sagte sie. Nun sei aber vor allem diskutiert worden. Auch ihr Gespräch mit dem SÜDKURIER wurde von einem Polizeibeamten unterbrochen, der sie auf den wiederholten Verstoß einer Teilnehmerin gegen die Maskenpflicht hinwies. „Ich muss jemanden wegschicken“, entschuldigte sie sich.

Versammlungsleiterin Katja Finkenbeiner trägt ihre Botschaft an die Öffentlichkeit direkt am Körper.
Versammlungsleiterin Katja Finkenbeiner trägt ihre Botschaft an die Öffentlichkeit direkt am Körper. | Bild: Lena Reiner

Nach ihrer Rückkehr blieb etwas mehr Zeit zu reden: „Ich fände wichtig, dass die Politiker die Bürger auch ernst nehmen und man mit ihnen spricht. Es geht hier auch um Verhältnismäßigkeit.“ Dabei wolle sie betonen, dass sie die Existenz des Coronavirus keineswegs infrage stelle. Nur fehle ihr bei den Infektionsschutzmaßnahmen die Einbindung der Bevölkerung und ein langfristiger Plan: „Es kann nicht sein, dass wieder und wieder einfach vier Wochen lang alles dicht gemacht wird und man zu Hause bleibt. So lösen wir das nicht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Außerdem vermisse sie den Dialog innerhalb der Bevölkerung selbst: „Das ist alles total gespalten und aufgeheizt. Man hört sich gar nicht mehr richtig zu. Es wäre so wichtig, dass man sich wieder mehr austauscht und wirklich miteinander spricht.“ Freilich gelte ihre Aussage nicht für alle Teilnehmer an der Mahnwache: „Wir haben alle unsere eigenen Anliegen, man kann uns nicht über einen Kamm scheren.“

Im Hintergrund versucht die Polizei die Einhaltung der Auflagen für die Mahnwache mit der Versammlungsleiterin zu klären, vorn halten zwei der Demonstranten ein Transparent hoch, um ihre Botschaft zu transportieren.
Im Hintergrund versucht die Polizei die Einhaltung der Auflagen für die Mahnwache mit der Versammlungsleiterin zu klären, vorn halten zwei der Demonstranten ein Transparent hoch, um ihre Botschaft zu transportieren. | Bild: Lena Reiner

Das Fazit der Polizeibehörde Friedrichshafen lautete: „Wir mussten kontinuierlich an die Einhaltung der Maskenpflicht erinnern und stießen dabei auf Uneinsichtigkeit. Doch wurde die Maske dann schließlich doch aufgesetzt.“ Auch sei es natürlich wichtig, Atteste zu kontrollieren, „um sicherzustellen, dass wir keinem Fake-Attest aufsitzen“.