Das Gespräch beginnt mit einer kleinen Verspätung. Olga Noll, die in der Schwabstraße im Dezember ihren zweiten Salon eröffnet hat, erklärt: „Die Kundin, die gerade da ist, muss jetzt gleich kurz zum Kindergarten, ihr Kind abholen, und danach wiederkommen. Da ihr erster Selbsttest vorhin ungültig war, haben wir eine halbe Stunde verloren.“

Verunsicherung bei Kunden, Umsatzeinbruch bei Friseuren

Dass Tests ungültig seien, sei natürlich nicht die Regel, aber es komme doch immer wieder vor. Dennoch sei es gut, dass es jetzt die Möglichkeit für die Kunden gebe, Selbsttests zu machen. „Viele haben Angst, dass die offiziellen Schnelltests wehtun oder danach ihre Nase blutet“, schildert sie. In der ersten Woche nach Einführung der Schnelltestpflicht für den Friseurbesuch hätten täglich zwei bis drei Kunden ihren Termin abgesagt, da sie keinen Schnelltest machen lassen wollten. „Andere haben, als sie am Telefon erfahren haben, dass sie vor dem Termin ins Testzentrum gehen sollen, den eben besprochenen Termin direkt wieder abgesagt.“

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So sei ihr Umsatz von März auf April um 52 Prozent und von April auf Mai um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Die Schnelltestpflicht war am 19. April mit Greifen der Bundesnotbremse eingeführt worden. „Wir waren im März so gut gestartet“, sagt Olga Noll, „und dann kamen die Tests.“

Sie wisse auch von Kollegen, mit denen sie sich austausche, dass sich die Testpflicht bei ihnen genauso extrem ausgewirkt habe. „Das ist existenzgefährdend für uns“, sagt sie. Ihre Mitarbeiterin im Salon habe sie jetzt in Kurzarbeit schicken müssen, da es so wenig Arbeit gebe.

Denn nicht nur wegen der Testpflicht besuchten weniger Menschen den Friseur: Es gebe auch jene, die Angst vor dem nahen Kontakt hätten und dem Salon daher schon länger fernblieben. „Dabei setzen wir selbstverständlich alle Hygieneregeln um“, erklärt Noll. Mit der Fertigstellung des zweiten Salons hätten sie sich coronabedingt extra beeilt, da er mehr Platz biete: „Hier kann man großzügig Abstand halten. Das bietet mehr Sicherheit.“

Corona-Regeln verändern Berufsbild

Gleichzeitig bedeuteten die coronabedingten Regelungen für sie, dass sich ihr Berufsbild verändert habe. „Eigentlich besteht unser Beruf daraus, den Kunden Freude zu bereiten. Aktuell ist das nicht mehr so möglich, wie gewohnt“, schildert sie. Sie müsse zusätzlich zu ihrem eigentlichen Handwerk Formulare ausfüllen lassen, seit Kurzem erklären, wie man einen Selbsttest durchführt und natürlich die Regelungen im Blick behalten: „Mein Tag beginnt inzwischen immer damit, dass ich mich über die neuesten Regelungen informiere. Da ändert sich oft innerhalb von einer Woche etwas, das muss ich im Blick behalten.“

Olga Noll hofft, dass die Kundenzahl sich durch die Erlaubnis von Laientests im Salon wieder normalisiert: „Es ist gut, dass wir so auch eine Möglichkeit für Laufkundschaft und spontanere Termine haben.“
Olga Noll hofft, dass die Kundenzahl sich durch die Erlaubnis von Laientests im Salon wieder normalisiert: „Es ist gut, dass wir so auch eine Möglichkeit für Laufkundschaft und spontanere Termine haben.“ | Bild: Lena Reiner

Dabei versuche sie, immer positiv zu bleiben, egal, wie schwierig die Zeit sei. „Wir verlieren nicht die Hoffnung“, sagt sie.

Und die neueste Änderung, die nun Selbsttests beim Friseur erlaube, sei bisher sehr gut angekommen. „Ich habe auch Kunden angerufen, die wegen der ursprünglichen Schnelltestpflicht abgesagt hatten. Wenn sie erfahren, dass sie den Test jetzt auch selbst machen können und das nur vorn in der Nase ist und auf keinen Fall wehtut, machen die meisten dann doch einen Termin“, schildert sie. Auch dürfe sie den Kunden das Testergebnis bescheinigen, sodass sie es danach noch für einen Shoppingtermin oder dergleichen nutzen könnten.

Wer selbst keinen Test mitbringt oder wer das Pech hat, dass der eigene Test ein ungültiges Ergebnis liefert, für den hat Olga Noll einen kleinen Vorrat an Tests im Salon, die auch von Laien durchgeführt werden dürfen.
Wer selbst keinen Test mitbringt oder wer das Pech hat, dass der eigene Test ein ungültiges Ergebnis liefert, für den hat Olga Noll einen kleinen Vorrat an Tests im Salon, die auch von Laien durchgeführt werden dürfen. | Bild: Lena Reiner

Auch Simon Mitrenga vom Salon „Olivia Mitrenga – Friseure im Bellevue“ zeigt sich optimistisch. Dabei betont er, dass sich nicht nur die Laientests positiv bemerkbar machten. Ganz generell sei eine Normalisierung festzustellen: „Die Zahlen sind zwar noch nicht da, wo sie einmal waren, aber die Richtung stimmt.“

„Die Laientests wirken sich positiv aus, aber die Kunden haben sich inzwischen generell daran gewöhnt, vor dem Friseurbesuch einen Schnelltest machen zu lassen“, schildert Simon Mitrenga.
„Die Laientests wirken sich positiv aus, aber die Kunden haben sich inzwischen generell daran gewöhnt, vor dem Friseurbesuch einen Schnelltest machen zu lassen“, schildert Simon Mitrenga. | Bild: Lena Reiner

Nachdem unmittelbar nach Einführung der Testpflicht der Umsatz „wirklich extrem“ eingebrochen sei und viele Kunden abgesagt hätten, sei schon seit der zweiten Woche mit Testpflicht eine positive Entwicklung spürbar gewesen. Ganz aktuell habe sich die Situation im Vergleich zu Ende April schon deutlich gebessert: „Unsere Kunden haben bald festgestellt, dass die Testpflicht eigentlich überall gilt, also nicht nur bei uns Friseuren, und haben sich dadurch an die Tests gewöhnt.“

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