Im Baugebiet Ittenhausen-Nord ist schon wieder Gras gewachsen. Das derzeit einzige Areal der Stadt für „Häuslebauer“ ist fix und fertig erschlossen. Bald werden die ersten Bagger anrollen. Denn inzwischen sind alle Baugrundstücke zugeteilt.

188 Bewerber gingen leer aus

208 Bewerbungen hatte das Rathaus für die zwölf Einfamilienhaus-Grundstück und acht Doppelhaushälften auf dem Tisch. Vor vier Wochen wurden sie vergeben, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Mit anderen Worten: 188 Bewerber gingen leer aus. Die besten Chancen hatten laut städtischem Vergabekatalog Familien mit zwei oder mehr Kindern, die in Friedrichshafen wohnen und arbeiten und – noch besser – Ailinger sind sowie gewisse Einkommensgrenzen nicht überschreiten.

Drei Mehrfamilienhäuser mit 60 bis 70 Wohnungen

Drei weitere Grundstücke sind Mehrfamilienhäusern vorbehalten, Auch bei diesen ist inzwischen klar, wer sie bebauen wird. Bereits im vergangenen Jahr hatte nach öffentlicher Ausschreibung eine Baugemeinschaft den Zuschlag erhalten. Wer von den drei Bewerbern zum Zuge kam, will das Rathaus allerdings nicht mitteilen und macht dafür Gründe des Datenschutzes geltend.

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Eine weitere Teilfläche in Ittenhausen-Nord hat die Stadt an die Zeppelin-Wohlfahrt vergeben, teilt das Rathaus auf Anfrage mit. Hier gelten die städtischen Vorgaben: Mindestens 50 Prozent der Wohnungen werden vom Land gefördert und stehen damit künftig Mietern mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung. 30 Prozent der Wohnungen werden von der Stadt nach dem Häfler Wohnraumprogramm gefördert. Hier sollen Familien zum Zuge kommen, die knapp über den Einkommensgrenzen für einen Wohnberechtigungsschein liegen. „Details zur Planung liegen uns noch nicht vor“, so die städtische Pressestelle.

Das Baugebiet Ittenhausen-Nord liegt an der Teuringer Straße und ist durch eine Lärmschutzwand begrenzt.
Das Baugebiet Ittenhausen-Nord liegt an der Teuringer Straße und ist durch eine Lärmschutzwand begrenzt. | Bild: Cuko, Katy

Seit der Ratssitzung am Dienstag ist nun auch klar, wie das dritte und bis dahin letzte freie Baugrundstück vergeben wird: gar nicht! Denn die Stadt wird die 1900 Quadratmeter große Fläche am Alten Weinberg in eigener Regie bebauen – ein Novum. Das hat handfeste Gründe: Nur, wenn die Stadt selbst 40 Jahre lang selbst Eigentümer des geplanten Mehrfamilienhauses bleibt, erhält sie großzügige Fördermittel aus dem Programm „BW-kommunal“ des Landes.

Drei Millionen Euro Zuschuss vom Land

Bei geschätzten Baukosten von rund sieben Millionen Euro übernimmt das Land nach derzeitigem Stand rund drei Millionen Euro – eine Traumquote für sozialen Wohnungsbau. So sah das beispielsweise auch Simon Wolpold vom Netzwerk, der in der Ratssitzung beeindruckt fragte: „Warum machen wir das nicht schon länger so? Da baut sogar die SWG teurer, und die können‘s.“ Das Konzept überzeugte alle Gemeinderäte, die dem Projekt einstimmig zustimmten.

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Damit war der Bedarfsbeschluss für das Mehrfamilienhaus gefasst. 20 bis 23 Wohnungen mit ein bis vier Zimmern sollen hier für Haushalte entstehen, die auf dem Häfler Wohnungsmarkt keine oder fast keine Chance haben, an bezahlbaren Wohnraum zu kommen. Zu je einem Drittel sollen Geflüchtete mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus und Obdachlose, aber auch Mitarbeiter der Stadt mit kleinem Geldbeutel und Wohnberechtigungsschein hier einziehen. Die Kaltmiete wird 40 Prozent unter der Vergleichsmiete liegen – statt beispielsweise zehn also nur sechs Euro pro Quadratmeter.

Stadt will nicht an der Bauqualität sparen

Dabei spart die Stadt nicht an der Bauqualität. Entstehen sollen zwei viergeschossige Gebäude mit Laubengang, Tiefgarage und grünem Pultdach mit Photovoltaikmodulen im KfW-55-Standard. Im Verbindungsbau ist ein rund 200 Quadratmeter großes Quartiersbüro geplant.

Einen Zeitplan gibt es noch nicht. Auch wer das Mehrfamilienhaus für die Stadt bauen wird, ist noch nicht klar. Über Form und Gestalt der Neubauten wird der Gemeinderat erneut entscheiden, wenn die Pläne dafür vorliegen.