Das Unfassbare geschah am 22. Oktober 2020: Der damals noch siebenjährige Shijar wollte in der Ailinger Straße an einer Fußgängerampel die Straße überqueren. Doch dann erfasst ihn der 57-jährige Fahrer mit seinem Auto. Das Kind wird auf die Motorhaube des Wagens und dann auf die Fahrbahn geschleudert, vom Auto überrollt und bleibt schwer verletzt auf der Fahrbahn liegen. Der Fall machte weit über Friedrichshafen hinaus Schlagzeilen.

Die gute Nachricht: Der Siebenjährige überlebte das Unglück. Notarzt Magnus Dötsch war als Erster am Unfallort und konnte Shijar soweit stabilisieren, dass er mit dem Rettungswagen ins Klinikum Friedrichshafen gebracht werden konnte. Shijar schwebte in akuter Lebensgefahr.

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Schwere innere und äußere Verletzungen

Im Klinikum warten bereits ein Unfallchirurg, Anästhesist, Intensivmediziner, Radiologe und Anästhesie-Fachkrankenpfleger auf den jungen Patienten. Dr. Oliver Staneff, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie, erinnert sich, dass Shijar in einem sehr bedenklichen lebensbedrohlichen Zustand war. Lunge, Leber und Milz waren beeinträchtigt, die Rippen in Serien gebrochen ebenso der Beckenring – und dann waren da auch noch die äußeren Verletzungen an Becken, Gesicht und Kopf.

Der siebenjährige Shijar wurde in der Ailinger Straße von Auto erfasst und überrollt. Dabei erlitt er schwere Verletzungen und schwebte in akuter Lebensgefahr. Im Dezember besuchte er im Klinikum Friedrichshafen seine Lebensretter.
Der siebenjährige Shijar wurde in der Ailinger Straße von Auto erfasst und überrollt. Dabei erlitt er schwere Verletzungen und schwebte in akuter Lebensgefahr. Im Dezember besuchte er im Klinikum Friedrichshafen seine Lebensretter. | Bild: Medizin Campus Bodensee

Mit dem Rettungshubschrauber nach Villingen-Schwenningen

Wie das Klinikum Friedrichshafen berichtet, war Reinhard Stadler an diesem Tag diensthabender Anästhesist. „In einer solchen Situation müssen Diagnostik und Therapie sofort und gut funktionieren“, weiß der Arzt. Die Ärzte können Kreislauf und Atmung des kleinen Jungen stabilisieren. Doch dann entscheiden die Spezialisten, den kleinen Patienten mit dem Hubschrauber nach Villingen-Schwenningen fliegen zu lassen, weil dort auch nachts ein Kinderchirurg zur Verfügung steht.

Fünf Stunden später wird Shijar im Schwarzwald-Baar Klinikum auf die pädiatrische Intensivstation verlegt. Zwei Wochen lang muss er in der Klinik bleiben und erholt sich von einem Schädel-Hirn-Trauma und vielen inneren und äußeren Verletzungen.

Polizeiliche Ermittlungen gegen den Fahrer laufen noch

Den 57-jährige Fahrer des Wagens, der Shijar überrollte, war nach dem Unfall zwar ausgestiegen, dann aber davongefahren, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Erst später kam er zu Fuß zur Unfallstelle zurück. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte gleich nach dem Unfall das Auto. „Die polizeilichen Ermittlungen laufen noch. Es kann noch nicht abgeschätzt werden, bis wann die Akten der Staatsanwaltschaft vorgelegt werden“, teilt Christine Weiss, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Ravensburg, auf Anfrage des SÜDKURIER mit.

Im Dezember besuchte Shijar mit seinem Vater das Klinikum Friedrichshafen und die Ärzte, die ihm das Leben retteten. Seit der Entlassung aus dem Krankenhaus kann er zwar noch immer nicht Fußball spielen, aber ihm geht es wieder viel besser. Am Schluss darf er noch mit den Ärzten zum Hubschrauberhangar und den Rettungshubschrauber „Christoph 45“ einmal ganz aus der Nähe anschauen. „Der ist ziemlich cool“, sagt Shijar, der am 1. Januar seinen achten Geburtstag feierte.

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