Ab Mitte des zweiten Quartals wird die Zahl der in Deutschland zur Verfügung stehenden Impfdosen im zweistelligen Millionenbereich liegen. Das prognostiziert Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Weil sich so große Mengen nicht in Impfzentren und mit mobilen Impfteams verarbeiten lassen, bereitet die Kassenärztliche Vereinigung die Hausärzte auf die Covid-19 Impfung vor. „Dass die Praxen in diesem Land das können, beweisen sie jedes Jahr bei den Grippewellen“, so Gassen. Und das sehen auch Ärzte in Friedrichshafen und Immenstaad so.

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Impfung ließe sich in den Praxisalltag integrieren

„Wir impfen jedes Jahr mehr als tausend Patienten und ich würde lieber heute als morgen anfangen zu impfen“, sagt etwa Dr. Johannes Martin, Allgemeinmediziner in der Gemeinschaftspraxis Ailingen. Vorbereitungen brauche es keine besonderen, denn man könne die Impfstoffe alle ganz normal im Kühlschrank lagern. Selbst der Impfstoff von Biontech sei nach dem Auftauen noch 120 Stunden haltbar, was einer normalen Arbeitswoche entspreche. Es komme also darauf an, wann dieser Impfstoff ankommt und wie verlässlich er geliefert wird. Dann lasse sich die Covid-19-Impfung wie eine normale Grippeimpfung in den Praxisalltag integrieren.

„In der vorletzten Saison hatten wir 14 Millionen verimpfte Stoffe. Das ist die Größenordnung, in der wir Haus- und Fachärzte still und heimlich impfen, deshalb stellt die Covid-19-Impfung für uns keine organisatorische Herausforderung dar“, sagt auch der Friedrichshafener Allgemeinmediziner Dr. Wolfram Schweizer. Wenn jeder Hausarzt seine eigenen Patienten impfe, könne man die Impfzentren irgendwann wieder „einstampfen“.

Dr. Wolfram Schweizer sieht in der Covid-19-Impfung keine besondere Herausforderung für Fach- und Hausärzte.
Dr. Wolfram Schweizer sieht in der Covid-19-Impfung keine besondere Herausforderung für Fach- und Hausärzte. | Bild: Andrea Fritz

Priorisierung ein wichtiges Thema vor Impfstart in Praxen

Wichtig wäre noch eine rasche Anpassung der Impfverordnung. „Die aufwendige schriftliche Aufklärung in den Impfzentren finde ich tatsächlich bürokratisch zu viel“, sagt die Immenstaader Hausärztin Dr. Katrin Wiesener. Auch sie will die Covid-19-Impfung wie eine Grippeschutzimpfung in ihrer normalen Termin-Sprechstunde vornehmen.

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„Wenn wir sagen, wir impfen sofort und jeder kann kommen, dann endet das nur im Chaos“, sagt Wiesener und greift noch ein Thema auf: „Ich habe auch ganz viele Patienten, die bettlägerig oder immobil sind, sie haben keine Chance in ein Impfzentrum zu kommen, die könnte ich natürlich im Rahmen eines Hausbesuches impfen, sobald ich impfen kann und darf. “

Sobald sie impfen darf, will die Immenstaader Ärztin Dr. Katrin Wiesener auch ihre bettlägerigen und immobilen Patienten zuhause impfen.
Sobald sie impfen darf, will die Immenstaader Ärztin Dr. Katrin Wiesener auch ihre bettlägerigen und immobilen Patienten zuhause impfen. | Bild: Katrin Wiesener

Johannes Martin sieht noch eine ganz andere Herausforderung: „Ein wichtiges Thema in der Praxis ist die Priorisierung, wenn es losgeht. Mit der Impfung ist sich jeder selbst der Nächste, dann stellt sich die Frage, wer wichtiger ist, die Mutter mit fünf Kindern oder der Diabetiker mit einem hohen BMI.“ Er will keine Diskussion mit den Impflingen führen müssen. Eine Idee sei, die Priorisierung den Krankenkassen zu überlassen, die mit einem Mausklick anhand der Diagnosen sortieren könnten und so wie die Berechtigungen für die Masken auch Impfberechtigungen verschicken könnten.