Montagabend in der Häfler Fußgängerzone: Die Stimmung ist leicht verhalten trotz strahlender Sonne und entfallener Testpflicht beim Einkaufen. Manch ein Laden hat bereits um 16 Uhr die Pforten geschlossen, andere um 18 Uhr, vereinzelt stehen Shoppingwillige vor verschlossenen Türen.

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Francesca Zanetta, Mitarbeiterin der Schuhhandlung Rieker, zieht eine positive Bilanz für diesen ersten Tag mit neuen Spielregeln: „Die Leute freut es sehr, dass sie jetzt wieder einfach einkaufen kommen können. Die Spontanität ist wieder da, die so einen Shoppingtag auch ausmacht.“ Viele habe die Testpflicht abgehalten, da diese aus einem spontanen Bummeln einen festen Termin gemacht habe, der Planung im Vorfeld bedurft habe. „Es kommen jetzt wieder deutlich mehr Kunden zu uns und freuen sich über die Lockerungen“, schildert Zanetta.

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Auch Manuela Tassone berichtet von vielen Kunden, die den ganzen Tag über in den Laden gekommen seien. „Wir hatten noch keine Schlange vor dem Laden, aber die Maximalzahl an Kunden wurde heute schon mehrfach erreicht“, schildert die Filialleiterin von Only, die hier seit drei Jahren das Geschäft führt.

Only kommuniziert die aktuellen Maßnahmen an der Eingangstür.
Only kommuniziert die aktuellen Maßnahmen an der Eingangstür. | Bild: Lena Reiner

Am nächsten Morgen ist die Innenstadt bereits gut besucht, bevor die meisten Geschäfte ihre Pforten öffnen. Schnell bilden sich mal kurze und mal längere Warteschlangen, als die Einkaufszeit dann beginnt. Isabel Bauder arrangierte gerade noch draußen die Kleidung auf den Verkaufsständern, als schon erste Kunden den Laden betraten, schildert sie. „Ich hatte gerade erst die Tür geöffnet.“ Die Nachfrage sei groß, 25 Personen dürfte sie nun ins Geschäft lassen, eine pro zehn Quadratmeter. „Und das wird genutzt, wie man sieht; richtig schön ist das“, sagt sie und deutet auf die stöbernde Kundschaft.

Ihr T-Shirt-Aufdruck, übersetzt: „keine schlechten Tage“, ist für sie Programm: Isabel Bauder (Marco-Moden) zieht selbst aus der Coronazeit ein positives Fazit. „Es war schön zu merken, wie viele Kundinnen wir haben, die eben nicht online kaufen, sondern uns unterstützen und zu sehen, wie sie sich freuen, als sie dann mit ‚Click & Meet‘ wieder einkaufen durften. Auch die Vernetzung zwischen uns Einzelhändlern in der Innenstadt ist in dieser Zeit enger geworden.“
Ihr T-Shirt-Aufdruck, übersetzt: „keine schlechten Tage“, ist für sie Programm: Isabel Bauder (Marco-Moden) zieht selbst aus der Coronazeit ein positives Fazit. „Es war schön zu merken, wie viele Kundinnen wir haben, die eben nicht online kaufen, sondern uns unterstützen und zu sehen, wie sie sich freuen, als sie dann mit ‚Click & Meet‘ wieder einkaufen durften. Auch die Vernetzung zwischen uns Einzelhändlern in der Innenstadt ist in dieser Zeit enger geworden.“ | Bild: Lena Reiner

Doch auch die Zeit vor den aktuellen Öffnungsschritten habe sie positiv erlebt: „Da muss ich die Stadt wirklich loben. Das mit den Schnelltests war super organisiert. Gerade ältere Leute, die kein Smartphone haben, konnten im Testzentrum hier in der Innenstadt spontan einen Termin bekommen und das Ergebnis auf Papier mitnehmen.“

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Draußen ist viel los, aber eine richtige Unbekümmertheit möchte sich noch nicht breitmachen. Eine Passantin, die vor einem Schaufenster stehen geblieben ist, meint: „Ich bin noch nicht in Bummellaune und kann auch nicht verstehen, wie manche denken, jetzt sei alles vorbei und die Maske nicht mehr tragen.“

Dienstagvormittag bildet sich schon eine Schlange vor manchem Laden.
Dienstagvormittag bildet sich schon eine Schlange vor manchem Laden. | Bild: Lena Reiner

Auch auf der Fähre ist deutlich mehr los

Yvonne Pfändler, die eben mit der Fähre aus der Schweiz gekommen ist, schildert: „Auf der Fähre hat man es schon gemerkt mit den Lockerungen. Da war deutlich mehr los, aber das waren eher Reisende und nicht die Einkaufstouristen aus der Schweiz.“ Sie selbst habe Verwandtschaft in Friedrichshafen und gehe hier eigentlich vor allem auf den Wochenmarkt: „Da fand ich es ja sogar angenehm, als es so leer war, auch wenn es mich für die Gastronomie und Händler freut, wenn sie wieder mehr zu tun haben.“

Einige Meter weiter steht Nazli Yucad vor ihrem Geschäft „mut“ und freut sich über das tolle Wetter und die gelockerten Regelungen. „Ich bin superglücklich“, sagt sie.

Nazl? Yucad freut sich über gut gelaunte Kundschaft und die Lockerungen: „Ich war gestern unsicher, was man nun eigentlich darf, da es ja hieß, dass der Öffnungsschritt 2 frühestens zwei Wochen nach dem ersten erfolgen darf, also habe ich das Stadtmarketing angerufen und war ganz überrascht, was jetzt alles erlaubt ist. Die Kunden freut es, auch wenn viele ein negatives Testergebnis dabeihaben oder sich per Luca-App einchecken, auch wenn sie das nicht mehr tun müssen.“
Nazl? Yucad freut sich über gut gelaunte Kundschaft und die Lockerungen: „Ich war gestern unsicher, was man nun eigentlich darf, da es ja hieß, dass der Öffnungsschritt 2 frühestens zwei Wochen nach dem ersten erfolgen darf, also habe ich das Stadtmarketing angerufen und war ganz überrascht, was jetzt alles erlaubt ist. Die Kunden freut es, auch wenn viele ein negatives Testergebnis dabeihaben oder sich per Luca-App einchecken, auch wenn sie das nicht mehr tun müssen.“ | Bild: Lena Reiner

Auf dem Tischchen vor ihrem Laden klebt gut sichtbar der QR-Code für die Luca-App. „Man muss zwar keine Kontaktdaten mehr hinterlassen, aber ich denke, es ist trotzdem gut, wenn die Leute einchecken“, erklärt sie. Natürlich sei dies derzeit keine Pflicht. Überhaupt würden sich einige Leute freiwillig an zusätzliche Hygienemaßnahmen halten. Wie, um ihre Aussage unter Beweis zu stellen, betritt eine Kundin das Geschäft, kramt in ihrer Tasche und sagt: „Ich habe einen negativen Test dabei!“