Da ist beispielsweise der Bahnhof Manzell, wo sich Friedrichshafen durch die friedliche Übergabe des Rathausschlüssels an die französischen Besatzer aus der Nazi-Diktatur löste. Da ist das Gelände in der Löwentaler Straße, wo ehemals das Hotel Hecht gestanden hat, das Hotel, in dem zum Kriegsende erste Parteiversammlungen stattgefunden haben. Da ist die Josef-Mauch-Straße in Hofen, die an den ersten demokratisch gewählten Häfler Bürgermeister erinnert und da ist nicht zuletzt der Adenauerplatz, das politisch-demokratische Zentrum Friedrichshafens.

Auf der Internetseite des Bündnisses für Vielfalt wird am 23. Mai eine Informationsseite mit Bildern freigeschaltet. Hier sollen auch verschiedene Sprecher politischer Parteien und Gruppierungen zu Wort kommen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das komplette Programm ins Netz verlegt. „Das ist gesetzes- und regelkonform und es geht natürlich auch um die Vorbildfunktion“, sagt Angelika Drießen (Freie Wähler). Schließlich will man sich nicht in derselben Schublade wiederfinden, in der bereits jene Menschen sind, die jede Gelegenheit für Proteste ohne Masken und Genehmigung nutzen.

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz Friedrichshafen wurde in diesem Jahr wiederbelebt. Es besteht aus Mitgliedern der im Gemeinderat vertretenen politischen Organisationen und kooperiert mit dem Bündnis für Vielfalt. „Das macht Sinn, schließlich haben wir dasselbe Ziel“, sagt Frank Labitzke, Sprecher vom Bündnis für Vielfalt. Demokratiefeindlichen Tendenzen in Friedrichshafen entschieden entgegenzutreten, das ist das gemeinsame Ziel. Man will es nicht dabei belassen, Kränze niederzulegen, und man will nicht tatenlos zusehen, wenn Begrifflichkeiten missbraucht und negativ besetzt werden.

Dass es demokratiefeindliche Tendenzen in der Stadt gibt, mussten im vergangenen Jahr Mitglieder vom Bündnis für Vielfalt erleben. Sie wurden massiv verbal angegriffen, weil sie am Tag des Grundgesetzes Schilder hielten, auf denen verschiedene Artikel des Grundgesetzes zu lesen waren.