Als wäre nichts gewesen, sitzen Philipp Schurer und Terry Egan bei Currywurst und Pommes am Tisch. Schurer bestellt sich eine Extraportion Mayo dazu. Zwei frierende Jammerlappen? Von wegen!

Philipp Schurer und Terry Egan haben gerade den Bodensee durchschwommen und wirken, als ob nichts gewesen wäre.
Philipp Schurer und Terry Egan haben gerade den Bodensee durchschwommen und wirken, als ob nichts gewesen wäre. | Bild: Anette Bengelsdorf

Eigentlich hatte sich Schurer für den Ironman in Frankfurt fit gemacht. Doch das Extremsport-Ereignis am 28. Juni fiel – wie so vieles – dem Coronavirus zum Opfer. Ein unerträglicher Zustand für den Sportwissenschaftler, der seit 2017 als hauptamtlicher Geschäftsführer den Württembergischen Yacht-Club in Friedrichshafen auf Vordermann bringt. Auch seinem Trainingspartner Terry Egan fehlten seine Triathlon-Wettkämpfe – und so musste eine neue Herausforderung her.

Viel Zeit zur Vorbereitung für den neuen Plan blieb nicht

Im Juni stand der Plan, den Bodensee zu durchqueren und das Wassertraining wurde intensiviert. Viel Zeit blieb den beiden Sportlern dafür nicht. Da sie ohne Neoprenanzug schwimmen wollten – das Material scheuert auf langen Strecken an bestimmten Stellen des Körpers – blieb ihnen nicht viel Zeit. Wassertemperaturen unter 20 Grad würden zu Unterkühlung führen. Terry, als Jugendlicher Wettkampfschwimmer, hatte Respekt vor der etwa zwölf Kilometer langen Strecke.

In 3 Stunden und 51 Minuten durchkraulten die beiden Triathleten den Bodensee an seiner breitesten Stelle.
In 3 Stunden und 51 Minuten durchkraulten die beiden Triathleten den Bodensee an seiner breitesten Stelle. | Bild: privat

Am 11. September war es soweit. Um 6.30 Uhr wärmten sich die beiden in Friedrichshafen-Seemoos auf, cremten die Haut unter den Achseln mit Lanolin ein, um Scheuerstellen zu vermeiden, und starteten um 7.15 Uhr mit dem Wind Richtung Romanshorn.

Nebel nimmt Schwimmern immer wieder die Orientierung

Die ersten Kilometer seien schwierig gewesen, berichtet Terry Egan. Im Frühnebel war das schweizerische Ufer nicht zu sehen und Oswald Freivogel, Präsident des WYC, musste mit dem Begleitboot immer wieder die Richtung der orientierungslosen Schwimmer korrigieren.

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Nach jedem Kilometer – und ohne dabei das Boot zu berühren – wurden die beiden Schwimmer mit Bananen und Energy-Gels versorgt. Terry Egan musste als Diabetiker zusätzlich seinen Blutzuckerspiegel kontrollieren. Doch dieser blieb über die gesamte Zeit konstant. Nur die Schulter begann zu schmerzen. Die letzte halbe Stunde fiel auch Philipp Schurer schwerer. Seine Oberschenkel verkrampften sich. Ein Phänomen, dem er mit einer immer höheren Traubenzuckerdosis entgegensteuern musste. Doch konditionelle Probleme kamen bei keinem auf.

Endlich ist die Steintreppe von Romanshorn erreicht.
Endlich ist die Steintreppe von Romanshorn erreicht. | Bild: privat

Nach drei Stunden und 51 Minuten erreichten sie die Steintreppe von Romanshorn. Deutlich schneller, als sie erwartet hatten. 2300 Kilokalorien hat Philipp Schurer dabei nach eigenen Angaben verbraucht, bei einem durchschnittlichen Puls von 140. Dass seine Kraultechnik noch ausbaufähig ist, hat er beim Vergleich mit seinem Partner erkannt. Mit 6300 Armzügen hatte er 600 mehr für dieselbe Strecke gebraucht, was ihn deutlich mehr Kraft gekostet hat.

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Terry Egan jedenfalls hat jetzt keine Angst mehr vor dem Schwimmen beim Ironman. „Das ist dagegen gar nichts“, sagt er und Philipp Schurer, nachdem er noch Reste einer Pizza gegessen hat, meint: „Mal sehen, was wir als nächstes machen.“