Für Martina Häuser war es ein Schockmoment. „Wir hätten alle sterben können, wenn wir uns auf die Ampelschaltung verlassen hätten“, erzählt die Friedrichshafenerin im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Sie ist Ende November nach eigenen Angaben vermutlich nur knapp dem Tod entkommen. Mit ihrem Mann, Schwager und Neffen sowie ihrer Schwester wollte sie nach Einbruch der Dunkelheit die Bundesstraße K7726 Richtung Messe auf der Höhe des Fahrradgeschäfts Keller in der Spaltenstraße zu Fuß überqueren. Da sich die Fußgängerampel nicht weit von dem Neubaugebiet befindet, wird sie von vielen Anwohnern und Passanten benutzt. So standen auch die Häusers an der Straße und warteten auf das Signal der Fußgängerampel, damit sie die Straße überqueren können.

An der Ampel warten, bis sie Grün anzeigt: So wie hier drückte Martina Häuser die Fußgängerampel, um die Straße mit ihrer Familie zu überqueren.
An der Ampel warten, bis sie Grün anzeigt: So wie hier drückte Martina Häuser die Fußgängerampel, um die Straße mit ihrer Familie zu überqueren. | Bild: Julia Leiber

Was dann passiert ist, macht Martina Häuser immer noch fassungslos: „Wir waren in Gespräche vertieft und es wurde relativ schnell grün. Wir waren gerade dabei loszulaufen, als plötzlich mein Schwager aus vollem Hals schrie: Halt!“, erzählt sie.

Was war passiert?

Der Grund für seine Reaktion: Ein 18-Tonnen-LKW rauschte ungebremst knapp an ihnen vorbei. Häuser vermutet, dass der Lastwagenfahrer die Ampelanlage übersehen hatte. Obwohl die Ampel für ihn Rot zeigte, sei er mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Zudem habe der Fahrer kein Licht eingeschaltet, so Häuser.

Vor den Augen von Martina Häuser und ihrer Familie fuhr an dieser Stelle der Lastwagen ohne Licht vorbei – trotz grünem Signal für Fußgänger. Auf dem Bild fährt gerade ein Auto auf der viel befahrenen Messestraße an der Ampel vorbei.
Vor den Augen von Martina Häuser und ihrer Familie fuhr an dieser Stelle der Lastwagen ohne Licht vorbei – trotz grünem Signal für Fußgänger. Auf dem Bild fährt gerade ein Auto auf der viel befahrenen Messestraße an der Ampel vorbei. | Bild: Julia Leiber
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Eine Lösung ist gefragt – doch welche?

Für Martina Häuser und ihre Familie ist nach diesem Ereignis klar, dass die gefährliche Situation an der Ampel entschärft werden muss. Die einfachste Lösung aus ihrer Sicht wäre, eine längere Ampelschaltung einzurichten – idealerweise durch eine längere Rotphase für das Fahrzeug auf der Straße, damit Radfahrer oder Fußgänger mehr Zeit haben, die Straße zu überqueren. „Vielleicht gibt sich die Stadt Friedrichshafen ja einen Ruck, um gerade jungen Familien in diesem schönen Neubaugebiet zusätzlich mehr Sicherheit geben zu können“, sagt Häuser.

Noch zeigt die Ampel rot an. So wie hier, nur ohne Fahrrad, stand Martina Häuser bei dem gefährlichen Vorfall an der Ampel.
Noch zeigt die Ampel rot an. So wie hier, nur ohne Fahrrad, stand Martina Häuser bei dem gefährlichen Vorfall an der Ampel. | Bild: Julia Leiber
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Stadt sieht kein erhöhtes Gefahrenpotenzial

Von Seiten der Stadt Friedrichshafen heißt es hingegen, dass die Stelle für Fußgänger und Radfahrer nicht auffällig für Unfälle sei, schreibt Pressesprecherin Andrea Kreuzer auf Anfrage. Bei der Fußgängerampel an der Messestraße auf der Höhe des Fahrradgeschäfts handele es sich um eine sogenannte „Alles-Dunkel-Ampel“. Das bedeute, dass die Ampel zunächst auf Rot stellt, wenn nachdem ein Fußgänger sie betätigt hat. Sobald für die Kraftfahrzeuge eine Mindestfreigabezeit abgelaufen sei, wechseln die Signale für diese von dunkel über fünf Sekunden auf Rot. Nach einer Sekunde gemeinsamer Rotzeit schalte das Fußgängersignal auf Grün. Das Besondere daran: „Aufgrund der breiten Mittelinsel werden die Fußgängerfurten nicht gemeinsam auf Grün geschaltet, sondern im Versatz“, erklärt Kreuzer.

Grün für die erste Teilfurt gilt nicht auch für die zweite

Grün ist also nicht gleich Grün. Daher gilt: Wer das Grün der ersten Teilfurt auch als Grün für die zweite Teilfurt interpretiere und schneller unterwegs sei, zum Beispiel mit einem Roller oder dem Fahrrad, riskiere, dass die Ampel an der zweiten Teilfurt unter Umständen noch nicht Grün ist.

Auf der Mittelinsel steht ein Fahrradfahrer, der darauf wartet, dass auch die zweite Ampel grün aufleuchtet.
Auf der Mittelinsel steht ein Fahrradfahrer, der darauf wartet, dass auch die zweite Ampel grün aufleuchtet. | Bild: Julia Leiber
„Diese Schaltung entspricht der gängigen Praxis bei Furten mit Mittelinsel und es bestehen keine Anhaltspunkte, dass diese Art von Schaltung per se die Verkehrssicherheit von Fußgängern oder anderen Verkehrsteilnehmern gefährdet.“
Andrea Kreuzer, Pressesprecherin der Stadt Friedrichshafen

Besserung in Sicht: Stadt stimmt dem Vorschlag von Martina Häuser zu

Trotz des scheinbar geringen Unfallaufkommens und der gängigen Praxis der Ampelschaltung reagiert die Stadt auf den Vorfall und gibt Martina Häuser Recht. Nach unserer Recherche entschied sich die Stadt Friedrichshafen, versuchsweise die „Überlappungszeit“ zu verlängern, also die gemeinsame Rotzeit für Fahrzeuge und Fußgänger auf drei Sekunden erhöhen, teilt Kreuzer mit. Somit haben Fahrzeuge mehr Zeit, bei Rot rechtzeitig anzuhalten und Fußgänger dürfen erst später loslaufen.