Eigentlich, sagte Bürgermeister Dieter Stauber am Freitag, sei dieses Thema „unspektakulär“. Und doch hatte das Rathaus dafür extra zur ersten „normalen“ Pressekonferenz nach Ausbruch der Corona-Pandemie eingeladen. Denn die Frage ist nicht ganz ohne: Wo bringt die Stadt angesichts eines überaus engen Wohnungsmarktes künftig Geflüchtete und Obdachlose unter? 900 leben aktuell in einer Unterkunft, die die Stadt bezahlt, davon 700 Geflüchtete. Allein für 100 bis 125 Flüchtlinge muss die Stadt jährlich eine Bleibe stellen – für 68 noch in diesem Jahr, steht in den Ratsunterlagen. Doch sämtliche Unterkünfte sind voll belegt.

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Die Strategie soll sich trotzdem nicht ändern, erklärte Dieter Stauber: dezentrale Unterbringung statt Sammelunterkünften. Von denen gibt es derzeit vier, aber kaum freie Plätze. Bisher hat die Stadt für Geflüchtete und Wohnsitzlose 220 Wohnungen angemietet, allein 150 bei der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG). So klappe die Integration besser, ist man im Rathaus überzeugt.

150 Wohnungen der SWG belegt

Seit 2014 ist die SWG verpflichtet, jede frei werdende Wohnung der Stadt zu melden. An diesem Prinzip will das Rathaus unbefristet festhalten. Unbegrenzt soll es nicht bleiben: Nach einer Klausurtagung zum Thema entscheidet am 22. Juli der Gemeinderat, ob die SWG jährlich zehn oder 15 Wohnungen zur Verfügung stellen muss. Fünf Wohnungen pro Jahr will die Zeppelin Wohlfahrt bis zum Jahr 2025 beisteuern.

Die beiden Gebäude vor dem ZF-Forum an der Löwentaler Straße sind schon seit Jahren abrissreif. Vorerst kann die Stadt auf diese Notunterkünfte für Obdachlose aber nicht verzichten.
Die beiden Gebäude vor dem ZF-Forum an der Löwentaler Straße sind schon seit Jahren abrissreif. Vorerst kann die Stadt auf diese Notunterkünfte für Obdachlose aber nicht verzichten. | Bild: Ambrosius, Andreas

Doch diese „Belegungsrechte“ reichen nicht aus. Um Menschen kurzfristig unterbringen zu können, will die Stadt zuerst die Gebäude Ailinger Straße 10 und Eckenerstraße 11 instandsetzen oder umbauen. Um den Neubau kommt das Rathaus aber nicht länger herum.

Stadt will „Mehrfamilienhaus-Unterkünfte“ bauen

In der Ratsvorlage sind Grundstücke aufgeführt, die der Stadt oder der SWG gehören und für eine Bebauung infrage kommen. Zu den Standorten gehören die Immenstaader Straße in Kluftern, in Ailingen die Neubaugebiete Ittenhausen-Nord oder Reinachweg. Hier will die Stadt Wohnungen für die schaffen, die kein Obdach haben. Keine Sammelunterkünfte, sondern kleinere Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, so Stauber.

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Solche „Mehrfamilienhaus-Unterkünfte“ sind auch im Wachirweg geplant, eigentlich schon seit 2015. Damals wurde der Baubeschluss des Rates vom Rathaus aber nicht umgesetzt. Vor einem Jahr unterschrieb Bürgermeister Stauber noch als SPD-Fraktionschef einen Antrag von Grünen, CDU, Freie Wähler, SPD und ÖDP „zur zeitnahen Bebauung“ des Grundstücks am Wachirweg.

Innerhalb von fünf Jahren ist Gras über die Fläche am Wachirweg gewachsen. Schon 2015 war hier sozialer Wohnungsbau geplant. Jetzt will die Stadt die Planung anschieben und zunächst Baurecht schaffen.
Innerhalb von fünf Jahren ist Gras über die Fläche am Wachirweg gewachsen. Schon 2015 war hier sozialer Wohnungsbau geplant. Jetzt will die Stadt die Planung anschieben und zunächst Baurecht schaffen. | Bild: Cuko, Katy

Geht der Gemeinderat am 22. Juli mit, soll das Projekt jetzt endlich aufs Gleis gesetzt werden, damit es Fahrt aufnimmt. Mit dem Ratsbeschluss wäre dann auch über den ebenfalls seit Jahren geplanten Umbau der Unterkunft für obdachlose Männer im K7 an der Keplerstraße entschieden. Aus den Doppelzimmern sollen Einzelzimmer werden; statt Gemeinschafts-Duschen und WC auf dem Gang soll es für zwei bis drei Bewohner künftig eine eigene Sanitärzelle geben.