Groß war die Vorfreude, groß ist die Ernüchterung. Der Ticketverkauf für die beiden größten Silvesterpartys in Friedrichshafen, der 'Freudenblick'-Party im Zeppelin-Museum und der Silvesterparty im Bahnhof Fischbach, war voll im Gange, als die vierte Welle anrollte. Beide Partys wurden gecancelt. Auch der etwas gediegenere Silvesterball im Graf-Zeppelin-Haus ist abgesagt. „Die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie zeigt uns auf, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist, um eine Feierlichkeit dieser Art durchzuführen“, schreibt Fabian Scheef, Geschäftsführer der Zehrer-Gastronomie auf der Website.

440 Gäste beim Silvesterball im Graf-Zeppelin-Haus – das war 2019 noch möglich. 2021 wurde der große Ball bereits zum zweiten Mal abgesagt.
440 Gäste beim Silvesterball im Graf-Zeppelin-Haus – das war 2019 noch möglich. 2021 wurde der große Ball bereits zum zweiten Mal abgesagt. | Bild: Lena Reiner

Doch was ist überhaupt noch möglich zum Jahreswechsel 2021/2022? Gerade erst haben Bund und Land die Corona-Regeln massiv verschärft – auch für Geimpfte und Genesene. Wer Silvester also legal feiern will, muss die Gästeliste klein halten.

Das sind die bundesweiten Regeln für Silvester

Auch auf das Feuerwerk muss weitestgehend verzichtet werden. Denn es gilt – wie 2021 bereits – ein Böllerverbot. Das ist rechtlich gesehen ein Verkaufsverbot für Pyrotechnik, das laut Gesetzgeber in erster Linie dafür da ist, Verletzungen durch Feuerwerkkörper zu vermeiden – und die ohnehin sehr belasteten Kliniken nicht zusätzlich unter Stress zu setzen. Restbestände dürfen allerdings verfeuert werden. Und da in Österreich kein Feuerwerk-Verkaufsverbot gilt, werden einige Hartgesottene sicher auch dort etwas einkaufen.

Knallerbsen und Konfettibomben dürfen ganzjährig verkauft werden und fallen unter „Kleinstfeuerwerk“.
Knallerbsen und Konfettibomben dürfen ganzjährig verkauft werden und fallen unter „Kleinstfeuerwerk“. | Bild: Wienrich, Sabine

Im deutschen Verkauf ist nur sogenanntes „Kleinst- und Tischfeuerwerk“, beispielsweise Knallerbsen, Silberkreisel oder Tischbomben – also „Kinder-Feuerwerk“. „Eine schöne Alternative zum Feuerwerk sind auch Wunderkerzen oder Konfettibomben“, sagt Michael Grossmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Ladens in Unterraderach. Bei Grossmann gibt es bereits seit zehn Jahren kein Feuerwerk mehr, dafür umso mehr Silvesterdeko wie Ballons und Girlanden.

Rückblick auf Silvester 2020: Es herrschte Ausgangssperre, die Straßen waren menschenleer. 2021 darf draußen mit bis zu 50 geimpften und genesenen Personen gefeiert werden, Feuerwerk gibt es allerdings nicht.
Rückblick auf Silvester 2020: Es herrschte Ausgangssperre, die Straßen waren menschenleer. 2021 darf draußen mit bis zu 50 geimpften und genesenen Personen gefeiert werden, Feuerwerk gibt es allerdings nicht. | Bild: Lena Reiner

An vielen Plätzen gilt ein Alkohol- und Böllerverbot

An 51 besonders beliebten Orten im Bodenseekreis gilt bereits jetzt ein Alkohol- und Feuerwerksverbot. Ab Silvester, 15 Uhr, bis 1. Januar, 9 Uhr, gibt es dort zusätzlich ein Verweilverbot von Gruppen mit mehr als zehn Menschen. In Friedrichshafen sind beispielsweise der gesamte Uferbereich und die Innenstadt tabu – und auch beliebte Plätze in den Ortsteilen wie der Bereich um die Haldenbergkapelle in Ailingen, das Freizeitgelände Weilermühle oder der Fildenplatz in Fischbach dürfen nur in Kleingruppen besucht werden. Die Polizei hat Kontrollen angekündigt. Wird Pyrotechnik verfeuert, wo das nicht erlaubt ist, werden laut Regelsatz 75 Euro Bußgeld fällig.

Hier gilt ein Alkohol- und Verweilverbot

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Wer gerne unter Menschen will, kann – vorausgesetzt er ist geimpft oder genesen – auch im Restaurant oder in einer Bar feiern. Die Sperrstunde wurde an Silvester auf 1 Uhr hoch gesetzt, aktuell ist um 22.30 Uhr überall schon Schluss. Allerdings dürfte auch das nicht einfach werden, denn viele Restaurants haben ihre Silvestermenüs abgesagt, beispielsweise das Felders in der Innenstadt. Die wenigen, die geöffnet haben, sind nahezu ausgebucht.

„Unsere Plätze sind alle schon weg“, erklärt Alexandra Schrandt, Wirtin der Krone in Raderach. Auch im Bahnhof Fischbach ist das Restaurant bereits voll belegt. „Die Party ist abgesagt, aber es gibt ein Premium-Rodizio“, sagt Restaurantleiter Marcelo Demetrio. Rund 60 Gäste sind angemeldet, freie Plätze gibt es noch wenige an der Bar. „Wir haben ab 19 Uhr auch einen DJ, aber tanzen geht leider nicht“, so Demetrio.

Wer gutbürgerliche Küche bevorzugt, hat im traditionellen Gasthof Rebstock noch eine Chance. Hier gibt es ein festliches Silvestermenü. „Viele Übernachtungsgäste haben abgesagt“, berichtet Rebstock-Mitarbeiterin Sissi Kraus, „und einige Stammgäste sind noch unsicher, ob sie sich trauen.“ Unbedarft Feiern an Silvester – das wird hoffentlich dann zum Jahreswechsel 2022/2023 wieder möglich sein.