Wenn ein Mann mit 79 Jahren stirbt, mag "aus dem Leben gerissen" etwas merkwürdig klingen. Doch für Josef Wund trifft das uneingeschränkt zu. Er hatte noch viel vor, der "Bäderpapst", der am Donnerstagabend den Absturz des Kleinflugzeugs, das ihn von Frankfurt zurück nach Friedrichshafen bringen sollte, nicht überlebte. Keine 30 Kilometer von seiner Heimatstadt und dem Geburtsort Eriskirch-Mariabrunn entfernt, endete die letzte Reise dieses überaus geschäftstüchtigen, bis zuletzt engagierten Mannes auf tragische Weise in einem Waldstück bei Waldburg.

Er hatte noch viel vor: Da sind die Pläne für die Erweiterung des erst 2010 eingeweihten Badeparadieses im Schwarzwald und der Thermen- und Badewelt Sinsheim; nicht zuletzt der Neubau eines Bades in Bad Vilbel. Gut möglich, dass er deshalb in Frankfurt weilte. Alles Großprojekte, die die Wund-Unternehmensgruppe mit Sitz in Friedrichshafen auf der Agenda hat. Auch wenn andere das Tagesgeschäft führen, zog sich Josef Wund auch im hohen Alter nicht aus der ersten Reihe zurück. Vorsorge traf er trotzdem. Sein Vermögen erbt die Josef-Wund-Stiftung, die vor allem Bildung und kreative junge Leute fördern soll, auch am Bodensee. Damit hat der Architekt und Unternehmer sein Lebenswerk gesichert.

Hier stellt Josef Wund in Titisee-Neustadt seine Erweiterungspläne für das Badeparadies vor.
Hier stellt Josef Wund in Titisee-Neustadt seine Erweiterungspläne für das Badeparadies vor. | Bild: Kerdraon

Das begann 1966, als er mit 27 seinen ersten großen Auftrag erhält. Für die neue Messe Friedrichshafen baut er die damals größte, freitragende Halle mit Hängedach, die heutige ZF-Arena. Später folgen Fabrik- und Tennishallen, danach Krankenhäuser, bis er im verschlafenen Erding eine kleine Quelle mit Land drumherum kauft und darauf die größte Therme Europas baut. Es folgt Badetempel auf Badetempel im In- und Ausland. Nur in der Heimat, wo in Fischbach jahrelang um eine Therme gerungen wird, hält er sich zurück. Und dann der deutsche Pavillon für die Weltausstellung in Hannover...

Seit vier Jahren ist das Badeparadies Schwarzwald bei Titisee in Betrieb. 2018 soll die Freizeiteinrichtung erweitert werden. Rund 38 Millionen Euro wollte Betreiber Josef Wund investieren.
Seit vier Jahren ist das Badeparadies Schwarzwald bei Titisee in Betrieb. 2018 soll die Freizeiteinrichtung erweitert werden. Rund 38 Millionen Euro wollte Betreiber Josef Wund investieren. | Bild: Kamera24.tv

Viele Menschen hat die Nachricht vom plötzlichen Tod Josef Wunds fassungslos gemacht. Unter ihnen ist Andreas Schauer, der es dem großen Meister nachmacht, bereits mehrere Bäder betreibt und in Lindau die neue Therme bauen will. Josef Wund sei mit seiner Diszipliniertheit, der unbändigen Energie und unglaublicher Schaffenskraft zur Lichtgestalt der Bäderbranche geworden. "Seine Projekte waren und sind an Innovationskraft nicht zu übertreffen." Für die jüngeren Kollegen wie er sei Wund nicht nur Vorbild gewesen, sondern hatte auch stets ein offenes Ohr und verfolgte deren Entwicklung wohlwollend.

2015 war Josef Wund Gast in der Gockelmiste der Narrenzunft Seegockel und brachte all jenen einen "Roten Punkt", die sonst im Stillen wirken.
2015 war Josef Wund Gast in der Gockelmiste der Narrenzunft Seegockel und brachte all jenen einen "Roten Punkt", die sonst im Stillen wirken. | Bild: Andrea Fritz

Beim Absturz am Donnerstag kamen zwei weitere Männer zu Tode, darunter Adi Anderst. Der sehr erfahrene Pilot war Mitinhaber und Geschäftsführer von Skytaxi, der das verunglückte Flugzeug gehörte. Das in Bregenz ansässige Unternehmen wurde 2007 von Rolf Seewald mitgegründet, der an der Intersky beteiligt war, die 2015 Pleite ging.