Sie schaut toll aus, sie steht, sie trägt, sie war richtig bemessen,- Gesprächsfetzten einiger Auszubildenden der Klasse 1BFB-Zimmerer der Claude- Dornier Berufsschule Friedrichshafen, die beim Wassersportverein in Fischbach (WVF) mit einem Richt- und Grillfest ihr erstes praktisches Projekt, eine Brücke über die Brunnisach, einweihten.

Die Brücke, das sind für sie nicht einfach nur ein paar Bretter, mit denen etwas Marodes saniert wurde und auf denen man jetzt das ins Hafenbecken des WVF laufende Bächlein überquert. Für die 19 Azubis um Berufsschullehrer Michael Neubold sind diese zusammengesetzten Balken und Streben der Einstieg ins Berufsleben, umgesetzte Ideale, der Beweis, was man mit eigener Hände Arbeit schaffen kann und wozu ein Zimmermann gebraucht wird. Deshalb nannte Neubold sein diesjähriges Lehrlingsprojekt auch „Brücke zur Berufsreife“.

Als Lehrkraft ist es Neubold immer wichtig, mit seinen Auszubildenden so praxisnah wie möglich zu arbeiten und dabei etwas Sinnvolles und Nachhaltiges zu schaffen, statt ihnen an nutzlosen Modellen handwerkliche Fähigkeiten beizubringen. In seiner Freizeit ist Lehrer Neubold Segler und Mitglied im WVF, wo auf die sanierungsbedürftige kleine Brücke auf dem Vereinsgelände aufmerksam wurde. „Seit einigen Jahren gibt es die ‚Aktion Schule und Verein‘, da bietet der Verein der Schule seine Kapazitäten an, stellt Trainer und Bootsmaterial zur Verfügung und ermöglicht es den Schülern, den Segelsport zu erlernen", sagt er. "Da habe ich mir gedacht. Es könnte ja andersrum auch einmal eine Schule einen Verein unterstützen.

Also unsere Berufsschule den WVF, weil die kleine Holzbrücke gerade so schön ins Konzept meines Zimmermann-Lehrplanes passt“, erklärt er, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam. Noch im Nachhinein freut er sich, dass er mit seiner Idee überall auf offene Ohren stieß und sowohl von Stefan Oesterle, dem Direktor der Berufsschule, als auch von Oliver Haller, dem Vorsitzenden des WVF, grünes Licht für diese Kooperation bekam.

Aber eigentlich hatte Michael Neubold an den Zusagen nicht gezweifelt, denn das Projekt war, wie man es heute gerne bezeichnet, eine Win–Win-Situation für beide Seiten. Nach der Planungsphase mit Aufmaß und technischen Zeichnungen bauten die 1-BFB-Zimmerer die geplante Brücke bei der IBO-Messe an drei Tagen unter den Augen der Öffentlichkeit zusammen. Alle waren mit Begeisterung dabei: messen, sägen, bohren, abkanten, zusammenfügen – ein super Projekt für Lehrlinge im ersten Lehrjahr. Dann nahmen sie alles wieder auseinander, verpackten die Teile für den Transport und machten erst einmal Ferien.

Entsprechend ihres Praxisturnus' arbeiteten die Lehrlinge dann vier Tage im Mai auf dem Gelände des WVF, fügten als lehrplanmäßige Wiederholung alle Teile wieder aneinander und lernten nebenbei auch noch, wie die Zusammenarbeit und Planung mit anderen Gewerben funktioniert. Da musste noch ein Sockel gebaut werden und der WVF sorgte für die Terminierung mit dem Fuhrpark Arnegger und der Krantechnik Schilling, ohne die man die 850 Kilogramm schweren Trägerbalken nicht hätte platzieren können.

„Beim gemeinsamen Bauen lernt man sich richtig kennen, wie das zum Schluss alles zusammenpasste, war toll“, fand Azubi Tim Knobel. Die Feinarbeiten wie die Blechummantelung und die Beleuchtung übernahmen WVF-Mitglieder, während die Azubis mal so eben nebenbei für den Grillplatz noch eine neue Rückwand aus Astscheiben zusammenschraubten und auch noch das zeitgleich gerade angelieferte Klettergerüst für den Spielplatz montierten. Entsprechend ihres Engagements wurde dann auch ihr Dankeschön-Richtfest, das wegen des Dauerregens bis in den Juni verschoben wurde, etwas größer. So gab es letztendlich ein Brücken-Einweihungsfest gemeinsam mit den WVF-Mitgliedern, zu dem der Wettergott mitten in der Regenphase den fleißigen Arbeitern und Helfern sechs regenfreie, sonnige Stunden schickte. Nicht nur die Brücke, sondern auch der neue Spielplatz und ein neuer Grill wurden eingeweiht.