Der Um- und Erweiterungsbau des früheren Kasernenareals im Fallenbrunnen zum ZF-Campus der Zeppelinuniversität wurde zu Beginn dieses Jahres gleich doppelt mit Baupreisen ausgezeichnet. Die Arbeit der Berliner Architekten Paul Grundei und Stephanie Kaindl wurde vom Deutschen Architekturmuseum als eines von vier herausragenden neuen Bauwerken in Deutschland prämiert, noch vor der Elbphilharmonie in Hamburg. Außerdem wurde der Campus von der Deutschen Universitätsstiftung mit dem Deutschen Hochschulbaupreis 2018 bedacht. Während einer Feierstunde am Mittwoch sagte Architekt Grundei: "Grundsätzlich sind wir stolz darauf, dass das Konzept aufgeht, dass Altbau und Neubau zusammengehen. Es sind diese Übergänge, dass der Altbau den Neubau wie eine Kruste umschließt, es sind die fließenden Übergänge."

Der offene und durchlässige Charakter setzt sich im Innern des ZF-Campus' der Zeppelin-Universität im Fallenbrunnen fort. Wandflächen werden kommunikativ als Tafeln genutzt. Der Campus wurde mit zwei renommierten Baupreisen ausgezeichnet.
Der offene und durchlässige Charakter setzt sich im Innern des ZF-Campus' der Zeppelin-Universität im Fallenbrunnen fort. Wandflächen werden kommunikativ als Tafeln genutzt. Der Campus wurde mit zwei renommierten Baupreisen ausgezeichnet. | Bild: Andrea Fritz

Das Konzept macht also nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch Sinn. Die Materialien sind so ausgewählt, dass man die Geschichtlichkeit des Ortes nach wie vor erkennen kann, der Kasernenbau ist nicht einfach überformt. Außentüren wurden zu Innentüren. Der Kasernenhof wurde vom Exerzierplatz zum Denk- und Erholungsraum. Alles ist hell, offen und durchlässig. Vorhänge und variable Wände sorgen für eine "aneignungsoffene Raumstruktur". So kann man auch immer wieder unerwartet hinaus- oder hineinsehen.

Durch den Dachgarten auf dem Neubau hat der Kasernenhof eine zweite Ebene erhalten, die ebenfalls sehr gerne genutzt wird. Dabei stand gerade dieser Dachgarten eine Weile auf der Kippe, genau wie der Zinkbau, der mittlerweile ebenfalls prämiert ist. "Was Stefanie Kaindl und Paul Grundei von vielen Architekten unterscheidet, ist, dass sie sehr genaue Zuhörer sind, die dann mit feinsinnigen Lösungen überraschen, ohne Aufhebens zu machen. So kommt es auch, dass heute keiner mehr genau sagen kann, wie es zu der Idee kam, die gesamte Universität in eine Schreiboberfläche zu verwandeln", sagte Karen van den Berg in ihrer Laudatio. Wo es geht, besteht die Wandverkleidung aus Tafeln und Whiteboards. Der Schleppputz, der sich von den Außenwänden der Altbauten in die Innenräume des Neubaus fortsetzt, glänzt silbern wie besagte Zinkarbeiten.

Alt und neu: Dachgarten und Kasernenhof gehen am ZF-Campus, dessen Name zu Ehren des größten Spenders gewählt wurde, fließend ineinander über.
Alt und neu: Dachgarten und Kasernenhof gehen am ZF-Campus, dessen Name zu Ehren des größten Spenders gewählt wurde, fließend ineinander über. | Bild: Andrea Fritz

Dass der Campus nicht von einem Generalunternehmer, sondern von vielen kleinen, oft regionalen Unternehmen – und zwar ganz nach den Wünschen der damals 22 Professoren und 650 Studierenden – gebaut wurde, bewirkt die gewünschte Arbeitsatmosphäre. Ohne den Großspender ZF Friedrichshafen AG wäre der Bau aber vermutlich nie entstanden. 22 Millionen Euro, das war die größte Spende, die ZF je getätigt hat. Und das, obgleich es keine technische Fakultät gibt. Bürgermeister Stefan Köhler betonte, dass die Stadt das gesamte Areal mit 40 Hektar erworben hat. Zusammen mit den Sanierungsmaßnahmen hat die Stadt für den Campus also ebenfalls deutlich mehr als 20 Millionen Euro in die Hand genommen. Zwischenzeitlich mussten die Kosten für den Bau um zwölf Prozent nach oben korrigiert werden. Das lag daran, dass Arbeitsweisen und Hilfsmittel für die effiziente Kostensteuerung nicht geeignet gewesen seien. Der Blick auf die alten Dächer erinnert daran, dass da noch etwas ansteht. "Mittelfristig kommt noch die Sanierung vom Dach, aber sonst ist alles abgeschlossen", so Kanzler Matthias Schmolz.

Feierstunde im preisgekrönten ZF-Campus der Zeppelin-Universität (von vorne): Kanzler Matthias Schmolz, Präsidentin Insa Sjurts, Bürgermeister Stefan Köhler, Gründungsdekanin Karen van den Berg, Architekt Paul Grundei, ZF-Vorstandsmitglied Jürgen Holeska, ZF-Vorstandsvorsitzender Wolf-Henning Scheider, ZUG-Vorsitzender Markus Bergmann, Ernst Susanek, Ehrenvorsitzender der ZU-Stiftung, und Sparkassenchef Franz-Bernhard Bühler.
Feierstunde im preisgekrönten ZF-Campus der Zeppelin-Universität (von vorne): Kanzler Matthias Schmolz, Präsidentin Insa Sjurts, Bürgermeister Stefan Köhler, Gründungsdekanin Karen van den Berg, Architekt Paul Grundei, ZF-Vorstandsmitglied Jürgen Holeska, ZF-Vorstandsvorsitzender Wolf-Henning Scheider, ZUG-Vorsitzender Markus Bergmann, Ernst Susanek, Ehrenvorsitzender der ZU-Stiftung, und Sparkassenchef Franz-Bernhard Bühler. | Bild: Andrea Fritz

 

Architekt Paul Grundei: "Knifflig ist immer der Altbau"

Laudatorin Karen van den Berg befragt Architekt Paul Grundei über seine Arbeit am ZF-Campus.

 

Was war schwierig an der Aufgabe?

Knifflig ist an so einem Bauvorhaben immer der Altbau. Die Kasernen sehen zwar solide aus, sind aber zu Beginn des Zweiten Weltkrieges unter ökonomischen Aspekten gebaut worden. Die Decken waren nicht so belastbar und auch der Dachstuhl sieht beeindruckend aus, ist aber sehr dünn gebaut. Dazu kam, dass die Franzosen keinerlei Information hinterlassen haben. Es ein blinder Fleck in der Baugeschichte.

Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Wir haben am Anfang darüber nachgedacht, im Nord-West-Flügel des Altbaus Räume einzurichten, wo vielleicht Gäste während der Workshops auch mal übernachten können, das ist aber wieder fallengelassen worden. Ich habe mir aber überlegt, dass es doch ganz schön wäre, wenn es Übernachtungsmöglichkeiten gäbe.

Welche Faktoren waren entscheidend, dass der Bau gelungen ist?

Das hat viel mit der Firmen- und Planungskultur hier zu tun. Die Leute haben gemeinsam nach Lösungen gesucht. Dann gab es die Entscheidung, mit vielen kleinen Firmen zu arbeiten. Es war keiner dabei, der nicht engagiert gearbeitet hätte. Mit all den Leuten zu kommunizieren war sehr aufwendig, hat aber auch großen Spaß gemacht."