Nein, diese Fragen will keiner beantworten: Ist die ZU-Stiftung bereit, der Uni mehr Geld zur Verfügung zu stellen, um notwendigerweise in Professuren und wissenschaftliche Expertise zu investieren? Wie steht die Stiftung zu einer profilierenden Neuausrichtung der ZU, um auf dem großen "Uni-Markt" wieder attraktiver zu werden? Deren Vorstandsvorsitzender Thomas Sigi lässt mitteilen, dass er zu diesen Fragen keine Stellung nehmen möchte, da diese in den Aufgabenbereich von Senat, Geschäftsführung und Präsidium der ZU gehören.

Auch bei der Stadt und OB Brand als Stiftungsrats-Mitglied sind solche Fragen deplatziert. Zu den Finanzen heißt es nur: Mehr Geld für die Uni ist zumindest von Seiten der Zeppelin-Stiftung derzeit nicht im Plan. Nach Auskunft der Pressestelle steht im Haushalt für 2018/19 im Wesentlichen ein jährlicher Zuschuss von 1,1 Millionen Euro – genau so viel wie 2016 und 2017. Und wie verhält sich die Stadt dazu, dass die ZU ihren Universitätsstatus verlieren könnte – was ohne Promotionsrecht zwangsläufig der Fall wäre? "Die Stadtverwaltung beteiligt sich nicht an Spekulationen. Keine Stellungnahme", teilt Stadtsprecherin Monika Blank mit.

Zugegeben: Das Spektakel rund um den Abgang des früheren Präsidenten Stephan A. Jansen hat dem Image der ZU massiv geschadet. Das hat der Einbruch bei der Zahl der Uni-Bewerber gezeigt, auch wenn das weitere Gründe hat. Die interne Neuausrichtung weg von der One-Man-Show hat zudem viel Kraft und – dank des verordneten Sparkurses der ZU-Stiftung – auch Geld gekostet. Das wiederum zog personelle Konsequenzen nach sich. Bis heute ist mancher Lehrstuhl nur in Vertretung besetzt, mancher alles andere als forschungsorientiert.

Doch dieser Schlamassel ist mehr als drei Jahre her. Viel Zeit, in der die ZU mehr mit sich selbst als mit ihrer Profilierung beschäftigt war. Gebraucht wird eine Zukunftsstrategie, die nicht nur auf Regionalisierung, Digitalisierung und Weiterbildung ausgerichtet ist. Das reicht nicht für den Standort Friedrichshafen, um für Studierende in ausreichendem Maß interessant zu sein. Deutschlandweit gibt es rund 400 Hochschulen, davon 240 staatliche, von denen eine ganze Reihe – zudem kostenfrei – moderne Studiengänge anbieten. Dazu kommen knapp 120 private Hochschulen, von denen 14 das Prädikat "Universität" mit der Möglichkeit zur Promotion haben. Die Konkurrenz ist größer denn je. Zum Megatrend Digitalisierung macht jede zweite Hochschule was. Die ZU braucht ein neues Profil. Nicht mehr und nicht weniger.