"Ich denke, dass der Zuschauer die Surrealität des Stückes spüren konnte", sagt Darsteller Niklas Peters nach der Aufführung. "Aber auch seine Ernsthaftigkeit scheint beim Publikum angekommen zu sein."

Zwischen diesen beiden Begriffen bewegt sich die Inszenierung "Und die Familie wird Drama" der Drama Society der Zeppelin Universität. Die Gruppe besteht seit dem aktuellen Semester und beinhaltet unter anderem das Makrotheater, das für dieses Stück verantwortlich ist. Der Austauschstudent aus dem französischen Nancy, Martin Deville, der ebenfalls mitspielt, hat den Text aus Werken der Schriftsteller Herve Bazin und Eugene Ionesco zusammengestellt. Aufgeführt wurde die Produktion am vergangenen Freitag und Samstag im Kiesel sowie am Sonntag im Theater Atrium.

Auf zwei Ebenen – der des Sohnes und der des Vaters – wird ein Familiendrama erzählt. Jean (Niklas Peters) und seine Geschwister Freddie (Charlotte Häßler) und Marcel (Enkeloeda Osmanaj) verbringen ihre Kindheit unter der lieblos-militanten Herrschaft ihrer Mutter Paule (Helena Palmer), die im Haus bald nur noch unter der Bezeichnung "Wildsau" bekannt ist. Besonders Jean weigert sich, den strikten mütterlichen Anweisungen Folge zu leisten, zunächst immer aktiver ("Ich denke, also widerspreche ich!"), schließlich jedoch in der Form von Resignation und Ignoranz.

Über Vater Jacques indes erfährt der Zuschauer in einem Rückblick, wie er in seiner Jugend Familiendruck durch eine aufgezwungene Heirat erfuhr. Diesen Handlungsstrang bringen größtenteils dieselben Schauspieler auf die Bühne wie den des Sohnes (neben bereits erwähnten Personen Sophie von Waitz und Simon Brendel), jedoch tragen sie jetzt Masken, um eine visuelle Abgrenzung zu schaffen. Parallelen zu Jeans Familiengeschichte lassen sich nicht nur auf inhaltlicher Ebene finden: Niklas Peters spielt auch den jungen Jacques, was im ersten Moment für Verwirrung sorgt, sich dann aber kohärent in die Inszenierung einfügt.

Besonders gegen Ende kommt in den Schauspielern eine absurde Emotionalität zum Vorschein, die sie durch ein immer stärkeres Anschwellen der Lautstärke ausdrücken. Alles in allem spielen die Studierenden sehr professionell, obwohl vor der ersten Aufführung keine Durchlaufprobe unter Auftrittsbedingungen stattgefunden hat. "Weitere Aufführungen können wir dazu nutzen, an unserer Sicherheit zu arbeiten und Feinheiten anzupassen", sagt Martin Deville.

Von den etwa 100 hauptsächlich ZU-Studierenden im Publikum erhielt die Drama Society überwiegend positive Resonanz. So meint etwa Nina Hoff: "Ich mochte die Zusammenführung humoristischer Elemente mit einer tiefgreifenden Story." Ihr Kommilitone Jonas Wolff fügt hinzu: "Mir hat das Stück unglaublich gut gefallen. Es ist wirklich beeindruckend, wie viel aus diesem Minimalismus gezaubert werden konnte." Am 5. Mai soll das Stück auf dem Campus der Universität Sciences Po in Nancy gezeigt werden.