So langsam fügen sich einzelne Puzzleteile zusammen, auch wenn noch nicht eindeutig zu erkennen ist, wie das Gesamtbild einer Friedrichshafener Museumslandschaft am Ende aussehen wird. Bereits im OB-Wahlkampf hat Oberbürgermeister Andreas Brand ein mögliches Museumsquartier am Hinteren Hafen zu seinem Thema gemacht. Öffentlich war damals von einer möglichen Erweiterung des Zeppelin Museums samt Ansiedlung eines Maybach-Museums im östlichen Bereich auf dem heutigen Bahngelände die Rede. Irmgard Schmid-Maybach, hochbetagte Tochter Karl Maybachs, und ihr Sohn Ulrich Schmid-Maybach haben ebenso ihr Interesse bekundet wie der Freundeskreis Maybach-Museum. Mit den neuesten Entwicklungen beim Dornier-Museum bekommt die Idee vom Museumsquartier eine neue Dimension. Die große Lösung könnte so aussehen: Familie Dornier, Stadtverwaltung und Gemeinderat einigen sich, dass das Luft- und Raumfahrtmuseum am Häfler Flughafen Teil einer Museums-Gesellschaft wird, geführt in städtischer Regie und finanziert durch die Zeppelin-Stiftung. Variante 1: Das Dornier-Museum bleibt dort, wo es ist. Variante 2: Das Dornier-Museum räumt den jetzigen Standort und zieht in ein erweitertes Museumsquartier beim Zeppelin Museum um – was im laufenden Betrieb sicher kostengünstiger ist und einfacher zu vermarkten sein wird als separate Standorte. Bleibt die Frage, was mit dem Dornier-Museumsgebäude passieren würde – der architektonisch gelungene Bau hat seine Anziehungskraft für Veranstaltungen aller Art unter Beweis gestellt und würde ins Portfolio der Messe passen.

Voraussetzung für all das ist: Die Stadt braucht ein Museums-Gesamtkonzept und muss den Willen haben, sich dauerhaft einen großen Zuschussbetrieb leisten zu wollen. Auch wenn derzeit die Stiftungsbetriebe regelmäßig und üppig die Zeppelin-Stiftung mit frischem Geld versorgen: Das muss auf Dauer nicht so bleiben, auch die reiche Zeppelin-Stiftung kann an ihre Grenzen stoßen. Will man das Ganze positiv sehen, kann es eine große Chance für die Stadt Friedrichshafen sein, ihr Profil zu schärfen und mit den Technikpionieren Zeppelin, Maybach und Dornier ein touristisches Alleinstellungsmerkmal zu formen. Speziell in der Neben- und Wintersaison könnte die Stadt deutlich an Attraktivität gewinnen.

Die Gespräche über die Zukunft des Dornier-Museums scheinen jedenfalls weiter fortgeschritten als bislang angenommen. Darauf deutet einiges hin: Am vergangenen Donnerstag war außerplanmäßig der Zeppelin-Stiftungsrat einberufen worden, am Montag waren im nicht-öffentlichen Teil des Finanz- und Verwaltungsausschusses „Dornier-Gespräche“ geplant, am Dienstag dann die Nachricht, dass Museums-Chef Berthold Porath freigestellt ist und Dornier-Stiftungsrats-Chef David Dornier die Museumsleitung übernimmt. Damit ist der Entscheider ganz nah ans Rathaus gerückt.