Luisa Schulze, ehrenamtliche Betreuerin im Zeltlager Seemoos und dort auch als Bademeisterin aktiv, steht an der Möwenstraße. Heute ist Abreisetag von etwa 80 Kindern und Schulze bittet Eltern, ihr Auto vor der Bodensee-Schule zu parken. Sie schaut auf die Autonummern, manche Fahrer halten von sich aus an.

"Wir können ihnen nicht verbieten, bis zum Zeltlager zu fahren", sagt die junge Frau, "wir können sie nur höflich bitten, es nicht zu tun." Dabei soll das weibliche Geschlecht auf Väter deeskalierend wirken. Dass das mit der Höflichkeit aufseiten der Eltern nicht immer klappt, hat die Vergangenheit bewiesen. "Manche Ehrenamtliche sind schon heulend ins Zeltlager gekommen, da sie aufs Übelste beschimpft worden sind", erzählt Fabiola Neitzel, ehrenamtliche Teamleiterin. Darauf möchten die jungen Menschen, die sich mit vollem Einsatz zwei Wochen lang um den Nachwuchs gekümmert haben, zukünftig verzichten.

Verzichten möchten sie aber auch auf die Beschwerden der Anwohner, die sich durch wild parkende Eltern in der ohnehin schon schmalen Sackgasse massiv behindert fühlen. 15 An- und Abreisetage für etwa 900 Kinder alleine in den Sommerferien sorgen regelmäßig für Chaos, die Leitung des Zeltlagers ist machtlos, blockierte Anwohner rufen die Polizei. "Die Nachbarn schätzen es sehr, dass wir versuchen abzusperren, erkennen aber, dass wir nur begrenzte Möglichkeiten haben", sagt Fabiola Neitzel.
 

Mit Namensschildern versehen, bewacht und nach Zeltnummern geordnet liegt das Gepäck unter dem Dach des Fahrradständers der Bodensee-Schule.
Mit Namensschildern versehen, bewacht und nach Zeltnummern geordnet liegt das Gepäck unter dem Dach des Fahrradständers der Bodensee-Schule. | Bild: Anette Bengelsdorf

Die bisherige Planung sah vor, dass Eltern ihre Fahrzeuge an der Bodenseeschule parken, zu Fuß zum Zeltlager gehen, um die Kinder dort auszuchecken und das Gepäck vom Zelt zum Vorplatz an der Straße zu schaffen. Danach sollten sie mit den Kindern zurück zum Parkplatz gehen, während die Helfer das Gepäck, wenn der Lieferwagen voll war, anlieferten. Den Eltern entstanden dadurch Wartezeiten von maximal einer halben Stunde. Trotz Infobrief ignorierte deshalb die Hälfte der Eltern die Bitte.

Janosch Meyer wirkt um 14 Uhr ziemlich verschwitzt. Dreimal ist er mit dem Lieferwagen, zweimal davon mit Anhänger, zur Bodensee-Schule gefahren, um Koffer, Rucksäcke, riesige Kunststoffkisten mit Deckel, zusammenklappbare Polster, Isomatten und Schlafsäcke auf den Parkplatz zu bringen. Dort liegt jetzt alles abholbereit und nach Zeltnummer geordnet und mit Namensschildern beklebt unter dem Dach des Fahrradständers. Auto parken, Kinder abholen, Gepäck einladen, fertig – keine Wartezeiten mehr nach dem neuen Prozedere.
 

Regina und Filippo Greco haben ihre Tochter Gioia in der Möwenstraße abgeholt. Die neue Lösung finden sie aber prinzipiell nicht schlecht.
Regina und Filippo Greco haben ihre Tochter Gioia in der Möwenstraße abgeholt. Die neue Lösung finden sie aber prinzipiell nicht schlecht. | Bild: Anette Bengelsdorf

"Bescheiden" findet Vater Johannes Zukrowski das Angebot des Zeltlagers. Näher dran fände er schon wesentlich geschickter. So habe er auch die Info-Mail nicht gelesen, den Parkplatz nicht gefunden und daraufhin in der Schmidstraße geparkt. Auch Regina und Filippo Greco sind in die Möwenstraße gefahren und haben dort Tochter Gioia abgeholt. "Das Verfahren wird heute getestet", sagt Benjamin Blumer, Gesamtlagerleiter der dritten Freizeit. Am Abend soll das Ergebnis besprochen werden. Ist es positiv, will man es am Freitag, 15. September, genauso machen und den Leitern der anderen beiden Freizeiten zur Nachahmung empfehlen. Ob sich der Mehraufwand der ehrenamtlichen Helfer lohnt, wird sich zeigen. Am Mittwoch jedenfalls war es laut Angabe der Ordner ruhig und entspannt geblieben. Deutlich besser als bisher.

Zeltlager Seemoos

Das Zeltlager Seemoos ist eine Einrichtung der BDKJ (Bund der Deutschen katholischen Jugend) Ferienwelt der Diözese Rottenburg und liegt direkt am Bodenseeufer. In den Sommerferien finden drei aufeinander folgende, zweiwöchige Freizeiten für jeweils drei verschiedene Altersgruppen statt. Zehn Kinder, Jungen und Mädchen getrennt, werden mit jeweils einem ehrenamtlichen Betreuer oder einer Betreuerin in einem Zelt untergebracht. Pro Freizeit finden 300 Kinder auf dem Gelände Platz. Neben vielen sportlichen Aktivitäten, gemeinsamem Singen, Basteln, Werken und Gottesdiensten bleibt reichlich Zeit zum Baden und für Beachpartys für die Großen. Kinder und Jugendliche übernehmen auch alltägliche Pflichten wie Geschirrspülen und putzen der Sanitäranlagen.