Die unendliche Geschichte rund um den geplanten Wohnungsbau auf dem Zank-Apfelbaumfeld in der Regenerstraße scheint nicht so schnell ein Ende zu finden. Die Anwohner, die sich in der Bürgerinitiative Apfelbaumfeld zusammengeschlossen haben, sind weiter finster entschlossen, das Vorhaben zu verhindern.

Eigentlich sah es im April 2017 so aus, als wäre die Endlos-Debatte um das leere Grundstück mitten in Windhag beendet. Der Gemeinderat schuf damals Baurecht – die Baugenehmigung wurde von der Stadt am 31. August 2018 erteilt. Eigentümer des Grundstückes ist Robert Baur, der die Prisma AG mit der Bebauung beauftragt hat. 78 Wohnungen sollen entstehen.

Das Siegermodell des Architekturbüros Hack, das Investor Prisma AG bauen will: Auf dem umstrittenen "Apfelbaumfeld" in Windhag sind drei viergeschossige und fünf dreigeschossige Gebäude mit insgesamt 78 Wohnungen geplant.
Das Siegermodell des Architekturbüros Hack, das Investor Prisma AG bauen will: Auf dem umstrittenen "Apfelbaumfeld" in Windhag sind drei viergeschossige und fünf dreigeschossige Gebäude mit insgesamt 78 Wohnungen geplant. | Bild: Cuko, Katy
So sieht der Siegerentwurf des Architekturbüros Hack aus. Im Querschnitt ist gut zu sehen, wie hoch die Gebäude entlang der Regenerstraße werden sollen. Drei Häuser haben vier Vollgeschosse, eines fünf. Die Anwohner fordern lediglich drei Vollgeschosse.
So sieht der Siegerentwurf des Architekturbüros Hack aus. Im Querschnitt ist gut zu sehen, wie hoch die Gebäude entlang der Regenerstraße werden sollen. Drei Häuser haben vier Vollgeschosse, eines fünf. Die Anwohner fordern lediglich drei Vollgeschosse. | Bild: Architekturbüro Hack

Bürgerinitiative findet die Bebauung maßlos

Gegen die Baugenehmigung legte die Bürgerinitiative Widerspruch beim Regierungspräsidium ein. Ein Sprecher der Initiative, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, erläutert die Gründe: "Wir gehen von einer Unwirksamkeit des Bebauungsplanes aus, unter anderem weil die Bebauung maßlos ist, die Verkehrsproblematik ungelöst ist und andere Erschließungsvarianten nur unzureichend geprüft wurden."

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Zudem beanstandet die Initiative, dass 66 Einwendungen von Bürgern "teilweise nur oberflächlich, pauschaliert und stereotyp abgehandelt und samt und sonders zurückgewiesen" wurden, so der Sprecher. Dieser so genannte "Abwägungsmangel" könne einen erheblichen Verfahrensfehler darstellen, der sogar zur Unwirksamkeit des Satzungsbeschlusses führen könne. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Apfelbaumfeld monieren zudem, dass den Bewohnern der Regenerstraße mit dem geplanten Neubau "die Aussicht auf See und Berge komplett genommen" werde – es fehle an den eigentlich beschlossenen Sichtachsen.

Zehn weitere Anwohner haben ebenfalls Widerspruch eingelegt. "Wir sind der Meinung, dass die Abstandsflächen nicht ausreichen und dass weder die Verkehrs- noch Lärmprobleme geklärt sind", erläutert Ulrich Bernard, der diese zweite Anwohner-Gruppe vertritt.

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Regierungspräsidium äußert sich zur Sache nicht

Dirk Abel, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Tübingen, bestätigt das laufende Widerspruchsverfahren. "Weitere Informationen zum Stand kann ich aber angesichts des laufenden Verfahrens nicht geben", so Abel. Gleiches gelte für die Dauer der Prüfung.

Die Firma Prisma, die im Auftrag des Grundstückseigentümers Robert Baur das Neubauvorhaben umsetzen will, geht davon aus, dass schon in wenigen Wochen mit den Arbeiten begonnen werden kann. "Derzeit laufen diverse Vergabegespräche für die Bauleistungen, ein Start ist in Kürze anvisiert", schreibt Prisma-Geschäftsführer Stefan Nachbaur auf Nachfrage des SÜDKURIER. Doch der "Rote Punkt" – die endgültige Baufreigabe ist seitens der Stadtverwaltung noch nicht erteilt. "Es müssen uns noch weitere Unterlagen vorgelegt werden. Wann mit dem Bau begonnen werden soll, ist uns nicht bekannt", teilt die städtische Pressesprecherin Andrea Kreuzer mit.

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Bauherr will in Kürze mit den Arbeiten beginnen

Prisma-Chef Stefan Nachbaur erklärt die Verzögerungen mit Auslastungen in der Baubranche. "Bei Bauvorhaben dieser Größenordnung gibt es eine Reihe von bautechnischen Prüfungen, wie etwa die Prüfstatik. Diese laufen derzeit und werden in wenigen Wochen soweit abgeschlossen sein", erläutert Nachbaur. Sobald der Rote Punkt erteilt ist, soll es also losgehen. Allerdings, so betont das Regierungspräsidium, erfolgt der Baubeginn wegen des laufenden Widerspruchsverfahrens dann auf "eigenes Risiko" des Bauherrn. Die Bürgerinitiative Apfelbaumfeld hat bereits angekündigt, im Falle einer Zurückweisung ihres Widerspruches notfalls einen Baustopp vor dem Verwaltungsgericht zu erzwingen.

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Chronologie der Auseinandersetzung

Der Streit um die geplante Bebauung dauert nun schon fast fünf Jahre. Die wichtigsten Ereignisse:

  • 2012: Die Planungen für den Neubau beginnen.
  • 2013: Die Initiative Apfelbaumfeld gründet sich.
  • Februar 2015: Die Bürgerinitiative sammelt 1600 Unterschriften gegen das Bauprojekt.
  • März 2015: Das Architekturbüro Hack präsentiert den Siegerentwurf.
  • Juni 2016: Die Bürgerinitiative reicht eine Petition beim Landtag ein, die jedoch im Oktober scheitert.
  • September 2016: Der Technische Ausschuss beschließt einen Entwurf zur Bebauung. Danach gehen 66 Einwendungen auf 900 Seiten von den Anwohnern ein. Sie werden großteils abgelehnt.
  • April 2017: Der Gemeinderat schafft Baurecht.

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