„Mord, Macht & Liebe“ – Darum sollte sich die Inszenierung des Mikrotheaters der Drama Society der Zeppelin Universität drehen. Herausgekommen ist ein hochwertiger und vielseitiger Stationenlauf durch William Shakespeares Werk, der das Publikum gleichzeitig fesselte, verwirrte und begeisterte. „Ich konnte viel, das gerade passiert ist, nicht wirklich einordnen, aber ich hatte auch nicht das Bedürfnis danach. Auch deshalb habe ich die Inszenierung als Bereicherung empfunden“, sagt Zuschauerin und Studentin Miriam Knobe über das Mikrotheater. Sie und über 100 andere Gäste sind an den ZF-Campus der ZU gekommen, um den Aufführungen von „Shakespeare hoch 3 – Mord, Macht & Liebe“ beizuwohnen. Dargeboten werden sechs Ausschnitte aus den Werken „Macbeth“, „Richard III.“ und „Antonius und Cleopatra“ des englischen Schriftstellers.

Besonders an dem Stück ist nicht nur das Potpourri aus Klassikern der Dramenliteratur, sondern auch der Einsatz des Raumes und des Publikums als Teil des Schauspiels. Die Gruppe wandert im Laufe der etwa einstündigen Veranstaltung über den Campus, um schließlich im Keller zu enden. Dabei kommt stimmungsvolle Musik zum Einsatz, die die Zuschauer dabei unterstützt, sich auf die schnellen Szenenwechsel einzulassen.

Zu Beginn betreten die schwarz gekleideten Akteure strammen Schrittes und mit ernstem Blick die Mensa der Universität und unterbrechen das alltägliche Treiben. Eine Szene aus „Macbeth“ spielt das Ensemble auf den dortigen Tischen, eine weitere beobachten die Gäste von der Treppe in den ersten Stock. Das Stück wechselt und Schauspieler wie Zuschauer schreiten in den zweiten Stock hinauf aufs Dach des Campus, um mit Lady Anne die Konfrontation mit Richard, dem Mörder ihres Mannes, aus „Richard III.“ zu durchleben.

Diese überaus schwermütige Darstellung von Schmerz und Wut kontrastiert daraufhin fröhliche Jazzmusik, die das Publikum ins Graf-von-Soden Forum leitet, um dem Gefühlskanon dort die Emotion der Eifersucht hinzuzufügen und gleichzeitig das dritte zu behandelnde Werk Shakespeares einzuführen: „Antonius und Kleopatra“. Abschließend führt das Mikrotheater wieder „Macbeth“ auf und hinterlässt die Gäste leicht verstört von dem dissonanten Technobeat und dem ohrenbetäubenden Geschrei, unter dem sie vor der Abschlussszene ins Untergeschoss getrieben werden.

Schauspieler Maximilian Mühlhoff fasst den Abend zusammen: „Ich war etwas überrascht, wie viele Personen, besonders auch Häfler älterer Generation, bei den beiden Aufführungsterminen anwesend waren. Ein Szenenvorspiel bietet immer eine gute Gelegenheit, um neu erlernte Fähigkeiten auszuprobieren und zu präsentieren.“ Dankbar ist das Mikrotheater der Drama Society besonders Charlotte Joss und Sarah Deissler von der Züricher Hochschule der Künste, die das Ensemble im Vorfeld ausgiebig trainiert haben.

Als Darsteller an „Shakespeare hoch 3 – Mord, Macht und Liebe“ beteiligt sind Franziska Brandmeier (Lady Macbeth 1), Simon Brendel (Macbeth 1), Maximilian Mühlhoff (Richard), Sophie von Waitz (Lady Anne), Christian Feidner (Antonius), Miriam Bornhak (Kleopatra), Linda Suhm (Lady Macbeth 2) und Franziskus Honsig-Erlenburg (Macbeth 2).