Die ZF Friedrichshafen AG hat aus Sicht des ZF-Managements ein massives Kostenproblem am Stammsitz in Friedrichshafen. Mit den dort bestehenden Kostenstrukturen werde es zunehmend schwieriger, neue Kundenaufträge zu gewinnen, heißt es in dem Schreiben, das an die Mitarbeiter gerichtet ist. "Das gilt auch für die Kosten in der Entwicklung, die zunehmend mit den Kosten anderer Entwicklungsstandorte im ZF-Verbund verglichen werden. Es besteht insgesamt die Gefahr, dass sich der Standort Friedrichshafen im internationalen, aber auch im innerdeutschen Wettbewerb immer schlechter behaupten kann", schreiben ZF-Standortleiter Dirk Hanenberg und Detlef Gagg, Leiter Arbeitsrecht und Vergütungssysteme. "Wenn wir neue Aufträge nach Friedrichshafen holen wollen zum Ausgleich der zurückgehenden Auslastung, wenn wir Friedrichshafen zum Leitstandort für die ganze Division Nutzfahrzeugtechnik (d.h. nicht nur für Getriebe) machen wollen, wenn wir weiterhin der mit Abstand wichtigste Entwicklungsstandort des Unternehmens bleiben wollen, müssen wir das Kostenniveau signifikant verändern." Man habe daher mit dem Betriebsrat einen Prozess gestartet, "gemeinsam die Maßnahmen zu erarbeiten, die bestmöglich zur Sicherung des Standortes Friedrichshafen beitragen".
 

Die von der ZF-Standortleitung vorgeschlagenen Maßnahmen umfassen folgende Punkte:

  • Reduzierung von Zusatz- und übertariflichen Leistungen bzw. deren Anrechnung gegenTariferhöhungen (z.B. Tarifierung von Bestandszulagen, Verdienstsicherung auf Tarifvertragsniveau,MTM-Pausen, Zuschläge auf bezahlte Pausen, Reisemehrarbeit, zusätzliche Nachtschichtprämie)
  • Veränderung und Senkung des übertariflichen Leistungsentgeltes.
  • Aufsetzen eines Projektes zur Überprüfung der ERA-Eingruppierungen. Erhöhung der Flexibilität in der Produktion, insbesondere durch veränderte Schichtmodelle (4-Schicht, vereinfachte An- und Absage von Schichten, veränderte Schichtzeiten) und durch einfachere Versetzungs-/Verleihmöglichkeiten, Erweiterung des positiven Zeitrahmens des betrieblichen Flexikontos, Vorvereinbarung eines Tarifvertrags zur Beschäftigungssicherung für Zeiten möglicher Unterauslastung.
  • Erhöhung der Flexibilität in den indirekten Funktionen, beispielsweise durch flexiblere Arbeitsmodellein Entwicklungsprojekten und Servicezeiten für Bereich
  • Investitionszusage zum Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit und zum Aufbau von neuen, innovativenGeschäftsfeldern
  • Qualifizierungsoffensive für die Mitarbeiter für zukünftig benötigte Kompetenzen
  • Gestaltung einer Beschäftigungssicherung am Standort

Über die ersten Ergebnisse der Verhandlungen mit dem Betriebsrat will die ZF Friedrichshafen AG die Mitarbeiter bei der nächsten Betriebsversammlung am 1. Juli in der Messe Friedrichshafen informieren.

Ein Prüfstand im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Friedrichshafen.
Ein Prüfstand im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Friedrichshafen. | Bild: ZF Friedrichshafen

Bei ZF gibt man sich zu den Vorgängen wortkarg. "ZF spricht mit den Arbeitnehmervertretern am Standort Friedrichshafen über Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und den Standort zu sichern. Wir wollen dies als transparenten Prozess gestalten und haben daher die Mitarbeiter über einige Themen der Gespräche informiert. Es handelt sich dabei um einen betriebsinternen Prozess, weshalb wir uns während des Fortgangs der Gespräche dazu nicht öffentlich äußern", sagte ein ZF-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Eine den Verhandlungen nahestehende Person berichtet von schwierigen, aber konstruktiven Gesprächen.

Für eine Stellungnahme waren weder ZF-Betriebsrats-Chef Achim Dietrich-Stephan noch einer seiner Kollegen zu erreichen. Bei der Betriebsversammlung im Februar hatte Dietrich-Stephan eine klare Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung für den Stammsitz Friedrichshafen gefordert.

Am Häfler Stammsitz läuft es seit längerem nicht mehr rund. Das Unternehmen leidet unter einem starken Preisdruck. Außerdem gehen Kunden verloren: Der bisherige Großabnehmer MAN will ab kommendem Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren signifikant weniger Getriebe von ZF kaufen. Der Nutzfahrzeug-Bauer verzichtet bei zwei Baureihen auf ZF-Getriebe aus Friedrichshafen. MAN will in Zukunft Getriebe für Lastwagen und schwere Baumaschinen gemeinsam mit dem Lastwagen-Bauer Scania produzieren. Man rechnet damit, dass 1200 ZFler von dieser Entscheidung betroffen sind.