Die ZF Friedrichshafen AG hat sich mit der Arbeitnehmervertretung auf ein umfassendes Eckpunktepapier zur Zukunftssicherung des Standorts Friedrichshafen geeinigt, teilt das Unternehmen mit. ZF wird in den nächsten sechs Jahren insgesamt 600 Millionen Euro in alle Bereiche seines Stammsitzes investieren. In diesem Zuge soll Friedrichshafen auch zur Modellfabrik des ZF-Konzerns für autonomes Fahren im Nutzfahrzeugbereich werden; außerdem wird der Standort als Leitwerk der Division Nutzfahrzeugtechnik weiterentwickelt.

„Die Einigung in Friedrichshafen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, die deutschen ZF-Werke zukunftsfest zu machen“, sagte Jürgen Holeksa, ZF-Personalvorstand und Arbeitsdirektor, am Freitag bei der Vorstellung des Eckpunktepapiers. „Wir sind sehr froh, mit dieser Betriebsvereinbarung eine Offensive für Innovation und Beschäftigung zu starten“, sagte Standortleiter Dirk Hanenberg. "Die Vereinbarung trägt maßgeblich dazu bei, nachhaltig eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur für unsere Produkte zu schaffen.“

 

ZF wird den Standort Friedrichshafen zur Modellfabrik des Konzerns für autonomes Fahren im Nutzfahrzeugbereich ausbauen und ihn als Leitwerk der Division Nutzfahrzeugtechnik weiterentwickeln. Nahezu die Hälfte des bis 2022 vorgesehenen Investitionsbudgets von 600 Millionen Euro wird daher in Brückentechnologien, in die Montage mittlerer und kleiner Nutzfahrzeuggetriebe sowie in die Hybridisierung bestehender Getriebelösungen und rein elektrischer Nutzfahrzeugantriebe fließen. Zu dem Budget gehört auch ein sogenannter Innovationsfonds von zehn Millionen Euro. Mit diesem sollen neue Produkte und Geschäftsmodelle identifiziert, entwickelt und zur Marktreife gebracht werden.

Neben der Investitionszusage enthält die Betriebsvereinbarung auch Maßnahmen, um durch eine Neubemessung und -strukturierung des übertariflichen Leistungsentgelts die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts dauerhaft zu stärken. Einmalig wird in diesem Zuge die im jüngsten Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie für den 1. April 2017 vereinbarte Tariferhöhung von 2,0 Prozent mit dem übertariflichen Leistungsentgelt verrechnet. Die Beschäftigten erhalten stattdessen im April 2017 eine Einmalzahlung in Höhe von 700 Euro. Ebenso erlauben neue Arbeitszeitmodelle künftig einen flexibleren Personaleinsatz, um rascher und ohne zusätzliche Kosten auf Produktionsschwankungen reagieren zu können. Detaillierte Regelungen dazu werden in den nächsten Monaten erarbeitet.

ZF und die Arbeitnehmervertreter haben eine Beschäftigungssicherung vereinbart, die betriebsbedingte Kündigungen am Standort bis Ende 2022 ausschließt. Die Zahl der Beschäftigten soll auch in den nächsten Jahren inklusive der Auszubildenden stabil bei mindestens 8500 liegen. Durch die Investitionen in neue Technologien sollen bis zu 1200 neue Arbeitsplätze entstehen, die eine mögliche Beschäftigungslücke durch ein geringeres Volumen in der Produktion von Nutzfahrzeuggetrieben weitgehend kompensieren. MAN hat angekündigt, künftig weniger ZF-Getriebe kaufen zu wollen.

Das Eckpunktepapier im Überblick: 

  • ZF investiert bis Ende 2022 insgesamt 600 Millionen Euro in die Weiterentwicklung des Standorts Friedrichshafen
  • Innovationsfonds von zehn Millionen Euro vorgesehen
  • Beschäftigungsgarantie bis Ende 2022
  • Die Zahl der Mitarbeiter am Standort soll (inklusive der Auszubildenden) 8500 nicht unterschreiten
  • Flexiblere Gestaltung von Arbeitszeitmodellen, vereinfachte Möglichkeit von innerbetrieblichen Versetzungen
  • Die für den 1. April 2017 vereinbarte Tariferhöhung von 2,0 Prozent wird mit dem übertariflichen Leistungsentgelt verrechnet, stattdessen erhalten die Beschäftigten im April 2017 eine Einmalzahlung in Höhe von 700 Euro
  • Die Bemessung und Berechnung des übertariflichen Leistungsentgelts wird neu strukturiert
  • Die Zahl der Ausbildungsplätze bleibt in der Summe auf dem heutigen Niveau- Schaffung von Angeboten zur Weiterqualifizierung im Hinblick auf neue technische Entwicklungen- Ausbau der Gesundheitsprävention