Wer beim Internet-Lexikon Wikipedia beim Eintrag von Stefan Sommer auf den Link zu weiteren Informationen über den ZF-Chef klickt, bekommt eine Fehlermeldung: "Sorry, the page you requested could not be found or does not exist anymore" (Entschuldigung, die Seite, die Sie aufgerufen haben, konnte nicht gefunden werden oder existiert nicht mehr).

Das mag nur ein technischer Fehler sein. Doch man könnte die Fehlermeldung auch als böses Omen interpretieren. Denn auch nach der Wahl von Franz-Josef Paefgen zum Aufsichtsratschef steht der 54-Jährige weiter auf der Kippe.

Richtungsstreit mit den Eignern des Konzerns

Seit Monaten befindet er sich in einem Richtungsstreit mit den Eignern des Konzerns – der Zeppelin-Stiftung der Stadt Friedrichshafen und der Ulderup-Stiftung. Berichten zufolge fordern diese die Ablösung Sommers, der das Unternehmen seit 2012 leitet.

Dabei hat der gebürtige Münsteraner eine tadellose Erfolgsbilanz vorzuweisen: Die Integration des amerikanischen Zukaufs TRW verläuft geräuschlos, die Umsätze und Gewinne steigen Jahr für Jahr und gerade bei den Zukunftsthemen wie Elektromobilität und autonomes Fahren gehört ZF spätestens seit der TRW-Übernahme mit zu den Vorreitern. Sommers strategische Fähigkeiten werden weit über die Autobranche hinaus geschätzt.

Gerade wegen seiner Erfolge und seines hohen Ansehens würde es ZF schwer fallen, den Abschied Sommers im Unternehmen und in der Öffentlichkeit zu erklären. Deshalb besteht noch eine Rest-Chance, dass sich Sommer doch noch im Sattel halten kann. 

Auch aus Unternehmenskreisen hieß es, dass Paefgen als neuer Aufsichtsratschef kein Hindernis für Sommer sei. Seine Wahl verschaffe dem Unternehmen die Möglichkeit, in den nächsten Wochen nach „Lösungen für Herrn Sommer zu suchen“, sagte die Quelle. Welche das sein könnten, blieb offen.

Es knirscht zwischen Sommer und OB Brand

Sommer habe mehrfach klar gemacht, das Feld als ZF-Chef nicht kampflos räumen zu wollen. Erst vergangene Woche veröffentlichte er einen Brief an seine Mitarbeiter im ZF-Intranet, in dem er betonte, den Weg in die automobile Zukunft „sehr gerne gemeinsam“ mit den Beschäftigten gehen zu wollen.

Andererseits scheint das Zerwürfnis mit dem ZF-Hauptgesellschafter, der Zeppelin-Stiftung, so tiefgehend, dass Unternehmenskenner einen Verbleib Sommers in seinem Amt für unrealistisch halten. Nicht erst seit dem gescheiterten Übernahmeversuch des Bremsenherstellers Wabco habe es insbesondere zwischen Sommer und seinem Vertrauten, dem Ex-Aufsichtsratschef Giorgio Behr, einerseits und dem Friedrichshafener OB Andreas Brand als Vertreter der ZF-Eigner andererseits geknirscht.

Für den Autoexperten Dudenhöffer wäre ein Abgang Sommers ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Er habe ZF in die Zukunft geführt, sagte er. Gleichzeitig hält er es für fatal, sollte Sommer aufgrund persönlicher Befindlichkeiten jetzt den Bettel hinwerfen. „Wenn er aus freien Stücken zurücktreten würde, wäre das verantwortungslos gegenüber dem Unternehmen“, sagte der Automobilprofessor.