Viele Informationen gab es am Freitag bei der Betriebsversammlung der ZF Friedrichshafen AG, bei der nach Angaben des Betriebsrats rund 4000 Beschäftigte teilnahmen. Von der Standortsicherung bis zur angespannten Bürosituation kamen viele Themen auf den Tisch.

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Insgesamt zeigte sich Achim Dietrich, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, zuversichtlich. Trotz der Turbulenzen in der Automobilbranche sei es möglich, die Beschäftigung sowohl in Friedrichshafen als auch in Deutschland langfristig zu sichern. In einer Pressemitteilung formuliert er seine Botschaft an die Belegschaft und den Vorstandsvorsitzenden Wolf-Henning Scheider so: „Im Kern geht es darum, tariflich bezahlte Arbeit und die Wettbewerbsfähigkeit von ZF-Produkten zu vereinbaren.“ Diesen Spagat soll eine Verhandlungsgruppe schaffen, die erst vor einigen Tagen die Gespräche aufgenommen habe. Ziel sei eine entsprechende Vereinbarung. SÜDKURIER hat zu einzelnen Themen nachgefragt.

  1. Wie sicher ist der Standort Friedrichshafen angesichts der Automobilkrise? Der 2016 geschlossene Vertrag zur Beschäftigungssicherung laufe noch bis Ende 2022, erklärt Franz-Josef Müller, Betriebsratsvorsitzender des Betriebs Z. „Dafür haben wir einige Dinge hergegeben und vereinbart, dass 600 Millionen Euro am Standort Friedrichshafen investiert werden“, sagt er. Solange dieses Geld nicht verbaut ist, wirke der Vertrag nach. Nun habe ZF gerade ein „Ergebnisproblem“ und leite daraus einen gewissen Sparzwang ab. Eine Folge: Die Pläne für das Projekt „Get together“ lägen vorerst auf Eis. Die Gelder habe die Geschäftsleitung aus der operativen Planung herausgestrichen. Vorgesehen war bereits 2019, das Werk 1 in der Fertigung und Montage von Kleinserien profitabler zu machen. Geplant sei hier der Bau einer neuen Produktionshalle mit einem Logistikzentrum. „Das Konzept ist betriebswirtschaftlich sehr sinnvoll. Dennoch sind die Investitionen in der Planung bis 2022 nicht mehr vorgesehen. Hier muss dringend nachgebessert werden“, fordert Müller. Das gelte auch für die Produktion des Acht-Gang-Getriebe EL 58, das in Friedrichshafen produziert werden soll. Die Entscheidung dafür sei gefallen, allerdings immer noch nicht, wo dieses Getriebe für leichte Nutzfahrzeuge montiert werden soll. „Die Halle 46 im Werk 1 steht leer“, macht Müller einen konkreten Vorschlag.
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  1. Wie schätzt der Betriebsrat die wirtschaftliche Entwicklung bei ZF ein? „Wir können das noch nicht einschätzen“, sagt Franz-Josef Müller. Er beklagt, dass das Unternehmen bei den Sparprogrammen bislang Flickschusterei betreibe. „Hier ein paar Anträge auf Schließungstage, dort die Reduzierung von 40-Stunden-Verträgen, Streichung von Qualifizierungen – immer wieder etwas anderes“, sagt er. Alle bisher geforderten zusätzlichen Schließtage im Betrieb Z habe der Betriebsrat abgelehnt, weil sie nicht nachvollziehbar begründet gewesen seien. In der Entwicklung gebe es genügend Aufträge und Arbeit. An das tarifliche Zusatzgeld von 27,5 Prozent, das ein Teil der Beschäftigten in acht freie Tage umwandeln könnte, wolle die Arbeitgeberseite nicht heran. „Wir fordern ein Big Picture für 2020 mit allen angedachten Maßnahmen, damit wir die gemeinsam arbeitnehmerverträglich gestalten können“, fordert laut Müller der Betriebsrat die Geschäftsleitung auf, die Karten auf den Tisch zu legen. Die Beschäftigten bräuchten Gewissheit darüber, was sie beim Eintritt bestimmter Szenarien zu erwarten haben.
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  1. Wie ist die Stimmung in der Belegschaft? „Weihnachtlich“, sagt Müller ironisch. Friedrichshafen komme im Vergleich zu anderen Firmen der Autobranche wie Bosch oder Conti noch gut weg. Die Geschäftsleitung wolle diese schwierige Phase mit dem „ZF-Weg“ bewältigen, also keine Mitarbeiter in Deutschland betriebsbedingt entlassen. Bei den Beschäftigten sei diese zuversichtliche Botschaft angekommen. Keine Botschaft gab es bei der Betriebsversammlung hingegen zur Erfolgsbeteiligung oder Treueprämie für die Mitarbeiter aus dem Geschäftsjahr 2019. Bisher habe es noch keine Gespräche darüber gegeben, so Müller auf Nachfrage.
  2. Wie hat sich die Bürosituation am Standort Friedrichshafen entwickelt? „Wir haben nach wie vor zu wenig Büroarbeitsplätze“, erklärt der Betriebsratschef. Denn gerade in der Entwicklung kämen weiter neue Mitarbeiter hinzu. In diesem Jahr hätten neben dem neuen Prüffeld am Forschungs- und Entwicklungszentrum eigentlich die Bagger für einen neuen Bürobau für 400 Mitarbeiter anrollen sollen. Das Projekt wurde laut Müller auf 2020 verschoben. Selbst wenn das stehe, reiche der Platz immer noch nicht. Im Werk 1 seien ebenfalls neue Containerbüros geplant.
  3. Wo sollen die vielen Mitarbeiter parken? Das Thema ist nach Angaben von Müller bei ZF eine Dauerbaustelle. Der Parkdruck rund um die Werke sei enorm. Der Betriebsrat habe dem Unternehmen mehrfach Lösungsansätze vorgeschlagen, sei bei der Geschäftsleitung aber noch nicht auf Gegenliebe gestoßen. „Wir brauchen dringend ein Parkhaus, besser sogar zwei“, erklärt Müller. Am ZF-Forum, wo mal eins geplant war, habe man in diesem Jahr 50 Stellplätze zusätzlich geschaffen. Weitere 200 Stellplätze seien im Werk 1 an der Bahnlinie geplant.