"Das Erfolgskonzept hat viele Väter", stellte Peter Hauswald fest, und die gefüllten Sitzreihen bewiesen: Das stimmt. An der offiziellen, internen Eröffnung der neuen Außenstelle für die Wissenswerkstadt im jungen ZF Forum nahmen am Montagnachmittag mehr als 100 Vertreter verschiedener Organisationen teil, die in irgendeiner Weise mit der Bildungseinrichtung und Technik in Friedrichshafen zu tun haben. Nicht zuletzt die Initiatoren der Anfang 2009 begründeten Wissenswerkstatt füllten das Auditorium im ZF Forum, wo man der Anfänge gedachte und die Bedeutung der Einrichtung hervorhob, die bislang gut 33 000 Kinder und Jugendliche betreute.

"Es ist wichtig, dass Wissen den Sprung in die Praxis schafft", betonte dabei etwa Jürgen Holeksa, Personaldirektor und Vorstandsmitglied bei ZF, die besondere Fähigkeit der Wissenswerkstatt, technisches Know-how nicht nur theoretisch begreifbar zu machen. Das Unternehmen ZF, in dessen Hauptsitz die Einrichtung als Außenstelle drei Räume mit 350 Quadratmetern Nutzfläche bezogen hat, unterstütze die Wissenswerkstatt aus dem eigenen Verständnis für Förderung heraus: "Bildung gehört für ZF zum gesellschaftlichen Engagement." Und im technischen Bereich umso lieber.

"Der zweite Standort bedeutet eine enge Bindung an ZF", nahm Peter Hauswald als Vorsitzender des Trägervereins Wissenswerkstatt den Ball auf. Und dass die Werkstatt direkt an die Ausstellung anschließt, weise den Jugendlichen, die sich dort inspirieren lassen, direkt den Weg zur Umsetzung ihres neue Wissens.

Das sei auch ein grundlegendes Anliegen der Wissenswerkstatt, bei der als Motto gelte, "Klasse vor Masse" zu setzen. Hauswald: "Theorie und Praxis werden in organischer Einheit gelebt."
 

Ausprobieren als besondere Stärke der Wissenswerkstatt

Die 22-jährige Ronja Rumpf hatte zweimal Kontakt zur Wissenswerkstatt, das zweite Mal sehr intensiv in einem sozialen Jahr, dass sie dort absolvierte – aus Interesse an der Sache. Denn nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium bekam sie die Möglichkeit, sich dort für ein FSJ in den Bereichen Soziales und Technik zu bewerben. Als sie die Räume betrat, stellte sie fest: "Hier war ich doch als Schülerin schon gewesen." Sie reizte die Aussicht, nicht nur mit sozialen Aspekten zu tun zu haben, sondern auch Technik kennenzulernen. Ronja Rumpf ist heute schwer beeindruckt von der Wissenswerkstatt: "Wie dort die Praxis in den Vordergrund gestellt wird, ist schon ziemlich einmalig." Zwar hat die Berufsrichtung, die sie danach für ein Studium wählte, nur indirekt noch mit Technik zu tun – nämlich Betriebswirtschaftslehre im Industriebereich – doch Ronja Rumpf ist sich sicher: "Es ist schon gut, dass ich dabei einen gewissen technischen Hintergrund mitbringe." Der Erfolg der Wissenswerkstatt liegt ihrer Meinung nach in der Grundidee: "Das Ausprobieren wird am meisten in den Vordergrund gestellt."

Für den 20-jährigen Robin Simanowski war der Kontakt zur Wissenswerkstatt Liebe auf den ersten Blick. Er war gleich am Anfang mit dabei, nahm an den ersten Lego-Kursen teil und wusste: Das würde nicht der letzte Kontakt zur Wissenswerkstatt sein. "Das Interesse war von vornherein da", sagt der junge Mann heute, der schon früh auch gerne mit Fischertechnik spielte und bastelte. Als Jugendlicher nutzte Robin seinen früheren Kontakt zur Wissenswerkstatt, um sich technisch auf eigene Faust voranzubringen. In der Einrichtung war seine Begabung auch bekannt, und der junge Mann wurde unterstützt. So konnte er sich manche technische Fertigkeit mit Anleitung und Probieren aneignen, für die andere entsprechende Ausbildungsberufe ergreifen müssen – etwa, um Schweißen zu lernen. Heute ist sein Weg in das Technikfach eingeschlagen: Er studiert Elektrotechnik an der Fachhochschule in Weingarten. Und rückblickend auf die Wissenswerkstatt fällt ihm als Stärke ein: "Die Mittel zum praktischen Ausprobieren zu haben, war das Wichtigste. Da kann man immer neue Sachen entdecken."