Umleitung eins führt auf Umleitungsstrecke zwei und der Stau vor einem zur Hälfte gesperrten Straßenabschnitt setzt der Verspätung noch das Krönchen auf. Dass sich in so einer Situation mancher Autofahrer oder Busfahrgast in mehr oder weniger höflicher Ausformulierung fragt, wer so etwas plant, kann Hans-Jörg Schraitle nachvollziehen. Dabei könnte man ihm als Leiter des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt (BSU) im Häfler Rathaus oder eben "der Stadt" als zuständiger Straßenverkehrsbehörde sogar die Verantwortlichkeit für solche Situationen zuschieben. Situationen wie im Mai vergangenen Jahres, als in Ehlers-, Friedrich- und Waggershauser Straße gleichzeitig gebaut, gesperrt und umgeleitet wurde. Schraitle betont allerdings: "Nach unserer Planung passiert so etwas nicht." Das wirkliche Leben allerdings halte sich nicht immer nach Planungen.

Das Ergebnis der jüngsten Planungsrunde – einem Koordinierungsgespräch, an dem je zu Jahresbeginn Vertreter verschiedener Baulastträger wie Stadt, Landkreis und Stadtwerk am See teilnehmen – stellte Schraitle gestern gemeinsam mit Franziska Bosch, Leiterin des Sachgebiets Verkehr im BSU, vor. Dazu gehören beispielsweise Baustellen, auf denen bereits gearbeitet wird, wie jene in der Keplerstraße oder am neuen Bundesstraßenabschnitt zwischen Friedrichshafen und Immenstaad. Und dazu gehört eine Baustelle, die Autofahrern östlich von Friedrichshafen Extraminuten abverlangen dürfte. Nach den Osterferien stehen auf der B 31 Belagsarbeiten an – und damit eine halbseite Sperrung für voraussichtlich elf Wochen mit Ausnahme zweier Unterbrechungen. Der Bau neuer Querungshilfen, der neuen Brücke über die Eckenerstraße und einer Lärmschutzwand in Berg, Erschließungsarbeiten und weitere Maßnahmen ergänzen die Liste an bislang Absehbarem.

Die Zahl der Baustellen in Friedrichshafen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. 2014 erreichte die Gesamtzahl die 400 noch nicht, 2017 waren es nach Angaben der Stadtverwaltung mehr als 700. Hans-Jörg Schraitle geht davon aus, dass die Zahl am Ende diesen Jahres "mindestens gleichbleibend" sein wird. Die Entwicklung, in der er ein "Spiegelbild der Dynamik in der Stadt" sieht, macht die Koordination zugleich nicht einfacher. Je enger einzelne Maßnahmen getaktet sind, desto gravierender machen sich Verzögerungen, kurzfristig hinzukommende Baustellen und schlicht unplanbare Dinge wie ein Wasserrohrbruch bemerkbar. "Schon wenn man am kleinsten Schräubchen dreht, kann es kritisch werden", sagt Hans-Jörg Schraitle. "Und wir können ein Loch nicht einfach zuschütten."

Auf dem Schreibtisch von Franziska Bosch landen früher oder später fast all diese Baumaßnahmen, die in irgendeiner Weise Einfluss auf den Verkehr haben. Ginge es nach den Baufirmen, würde sie wohl deutlich mehr Vollsperrungen veranlassen, sagt Schraitle. Stattdessen werde aber der Mittelweg gesucht, der Baufirmen ihre Arbeit ermöglicht und es zugleich nicht zum Stillstand kommen lässt. "Eine Vollsperrung ist wirklich die letzte mögliche Lösung", sagt Schraitle. "Das müssen Baufirmen wirklich überzeugend darstellen."

In Friedrichshafen müssen nicht nur Baulastträger aneinander vorbeikommen und Maßnahmen privater Bauherren Berücksichtigung finden. "Es gibt Zeiten im Jahresverlauf, in denen sich der Stau hier auch vollkommen ohne Baumaßnahme bildet", weiß auch der BSU-Leiter. Und so spielen auch Ferien- und Messezeiten eine wichtige Rolle bei der jährlichen Baustellenkoordination. Ganz konkret: Während der Tuning World Bodensee, der Pfingstferien und der Outdoor soll die Sperrung der B 31 vorübergehend aufgehoben werden. Die Umleitungsplanung in und um Friedrichshafen erschwert außerdem, was zugleich für viel zusätzlichen Verkehr in den Sommermonaten führt: der Bodensee. Was Planungen außerdem schnell in die Quere kommen kann, ist das Wetter. Ob und in welchem Ausmaß Frostschäden zu beheben sein werden? Das wird sich erst noch zeigen, sagt Stadtsprecherin Andrea Kreuzer.

 

 

Sperrungen in den kommenden Monaten

Verschiedene Baumaßnahmen werden nach derzeitigem Planungsstand in diesem Jahr für Einschränkungen sorgen. Ein Auszug:

  • B 31: Nach den Osterferien soll die B 31 zwischen Eriskirch und Friedrichshafen-Ost für rund elf Wochen halbseitig gesperrt werden. Grund sind Sanierungsarbeiten. Der Verkehr in Richtung Friedrichshafen soll ab Kressbronn umgeleitet, der in Richtung Lindau an der Baustelle vorbeigeführt werden. Während der Tuning World Bodensee (10. bis 13. Mai), der Pfingstferien (19. Mai bis 3. Juni) und der Outdoor (16. bis 20. Juni) soll die Sperrung aufgehoben werden.
  • Keplerstraße: Wohl noch bis Jahresende geht es nur in Richtung Lindau durch die Keplerstraße. In Richtung Meersburg wird seit Januar umgeleitet.
  • Dornierstraße/Klufterner Straße: Der Neubau eines Kreisverkehrsplatzes wird hier voraussichtlich im dritten Quartal 2018 eine halbseitige Sperrung erforderlich machen.
  • Eckenerstraße: Bis zum Seehasenfest (12. bis 16. Juli) soll die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke im Bereich der "Millionenschlucht" fertig sein. Die Fahrbahn ist derzeit verengt, möglicherweise wird noch eine Vollsperrung erforderlich.
  • Riedleparktunnel: Während einer Brandschutzübung wird der Tunnel voraussichtlich am Samstag, 14. April, nachmittags, gesperrt. Eine nächtliche Sperrung ist während Wartungsarbeiten am Donnerstag, 19. April, geplant.
  • Friedrichstraße: Von der alten Stadtkasse ist nicht mehr viel zu sehen. Während des Abrisses war eine Einengung der Fahrbahn erforderlich. Ob und in welchem Umfang das im Zusammenhang mit weiteren Arbeiten auf dem Grundstück erneut der Fall sein wird, steht noch nicht fest. erforderlich sein wird, es im Laufe des Jahres zu , steht noch nicht fest.
  • Zeppelinstraße: Für die zweite Jahreshälfte ist auf Höhe "Jägerhaus" der Bau einer Querungshilfe geplant, der eine halbseitige Sperrung erforderlich macht.