Friedrichhafen – Dienstagmorgen, 11 Uhr. An der Ecke Friedrichstraße/Karlstraße, kurz vor der Baustelle des Parkhauses am See, bleibt eine Radfahrer-Gruppe stehen und macht ratlose Gesichter. "Wo, bitte, ist hier der Bodensee-Radweg?", fragt einer. Die Suche im Schilderwald beginnt. Schließlich entdeckt die Gruppe das kleine Umleitungsschild zum provisorischen Radweg, den die Stadtverwaltung aufgrund der Parkhaus-Baustelle, kurzerhand auf den einstigen Fußgängerweg verlegt hat. Doch auch da geht es nicht weiter: Ein älteres Paar mit Rollator spaziert der Gruppe unwissend auf dem Radweg entgegen.

"Das hier ist überhaupt nicht akzeptabel", sagt Bernhard Glatthaar vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Kreisverband Bodensee, "hier fahren täglich hunderte Radler durch und finden den Bodensee-Radweg nicht mehr." Seit Monaten sei das Provisorium am Parkhaus am See, das bis Herbst noch aufwendig saniert werden muss, Thema im Arbeitskreis Rad. "Man will einen Veloring für eine Million Euro bauen und kriegt hier an dieser Stelle nicht mal hin, die Schilder zu verlegen und die Vorfahrt zu ändern", ärgert sich Glatthaar. Bereits im vergangenen Oktober habe es einen gemeinsamen Ortstermin mit ADFC-Mitgliedern, Verkehrsbehörde, Polizei und Stadtbauamt gegeben. "Es wurde entschieden, dass der Radweg aufgrund der Baustellen nicht mehr nutzbar ist", erinnert sich Glatthaar, "und so sollte der Fußweg über die Wintermonate hinweg zum Radweg werden. Doch eigentlich wollte man im Frühjahr nochmal eine neue, bessere Lösung suchen." Das sei jedoch nicht geschehen.

11.20 Uhr. Fußgänger kommen vorbei. Sie sollen, so die Theorie, die Karlstraße überqueren und dort weiterlaufen. Stattdessen gehen sie schnurstracks den Radweg entlang, Verbotschilder gibt es schließlich nicht. "So kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen", kritisiert Glatthaar. Kurz darauf steht erneut ein ratloses Radler-Paar an der Kreuzung. Ein Transporter hat sich direkt vor die Einfahrt in den Radweg gestellt. Christine und Jürgen Brunner aus Dresden übersehen das kleine Umleitungsschild. "Das ist wirklich unübersichtlich", stellt Christine Brunner fest, "das geht so nicht." Mit etwas Hilfe finden die beiden Touristen den Weg und radeln Richtung Lindau weiter. Dann biegt ein Fahrradfahrer verbotenerweise in die Karlstraße ein. Die Insassen der entgegenkommenden Autos bleiben gelassen: Sie sind Geisterradler offenbar schon gewohnt. "Man könnte die Karlsstraße frei geben für die Radler", meint Glatthaar, "dann gibt es wenigstens Rechtssicherheit." Die Stadt habe diesen Vorschlag jedoch abgelehnt, da sie eine Gefahrensituation bei der Parkhaus-Ausfahrt sieht. Eine SÜDKURIER-Anfrage bei der Verwaltung blieb bis Dienstagabend unbeantwortet.

Parkhaus-Baustelle

  • Ursache: Salzablagerungen haben Korrosionsschäden an den Stahlbewehrungen im Beton verursacht. Zuständig sind die Stadwerke am See, die das Parkhaus betreiben.
  • Zeitplan: Bis Mitte Juli ist das Parkhaus weiterhin nur eingeschränkt nutzbar. Ab 14. Juli wird es für zwei Monate lang uneingeschränkt nutzbar sein. Derzeit können etwa 160 von 331 Stellplätzen befahren werden. Der letzte Sanierungsabschnitt dauert von Mitte September bis Ende des Jahres.
  • Kosten: Das Bauprojekt, das von der Firma Geiger geleitet wird, beläuft sich auf Kosten von rund 1,8 Millionen Euro.
  • Alternativen: Ausweichmöglichkeiten sind die Parkhäuser Altstadt, Stadtbahnhof und Graf-Zeppelin-Haus oder der Hafenparkplatz. (sab)